• de
  • en

Stadler liefert CITYLINK-Tram-Trains für Aarhus und Frankfurt – zwei Großaufträge für Tram-Zukunft

Stadler konnte innerhalb einer Woche gleich zwei wichtige Citylink Tram-Train Aufträge verbuchen - acht Fahrzeuge werden nach Aarhus, 27 nach Frankfurt/ Main geliefert I © Stadler

Der Hersteller Stadler Rail konnte kürzlich zwei bedeutende Aufträge gewinnen: einerseits für das dänische Aarhus Letbane, andererseits für die geplante Regionaltangente West (RTW) im Rhein-Main-Gebiet bei Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Beide Beschaffungen setzen auf das flexible Tram-Train-System CITYLINK — ein starkes Signal für die wachsende Bedeutung von Tram- und Regionalstadtbahnkonzepten in Europa. 

Aarhus stockt Flotte auf – winterfest und batteriegestützt

Am 2. Dezember 2025 bestellte Aarhus Letbane acht neue CITYLINK-Fahrzeuge mit Batterieantrieb; eine Option für zwölf weitere Einheiten wurde ebenfalls vereinbart. Die vierteiligen Tram-Trains sind für den dänischen Winter ausgelegt: Mit On-Board-Batterien können sie auch bei vereisten Oberleitungen fahren — ein entscheidender Vorteil für den zuverlässigen Betrieb zu jeder Jahreszeit.

Die Citylink für Aarhus sind vierteilig fünf Drehgestellen und haben eine Einstiegshöhe von ca 350 mm I © Stadler

Stadler baut die Fahrzeuge im Werk Valencia. Die CITYLINK-Trains bieten Platz für bis zu 324 Fahrgäste (152 Sitzplätze, davon 16 flexibel), sind barrierefrei und erfüllen Komfort- und Umweltansprüche durch Hybridantrieb und hohen Fahrgastkomfort. Mit dieser Bestellung reagiert Aarhus auf steigende Nachfrage und stärkt die light-rail-Verbindung zwischen Stadt und Umland — mit Option auf weitere Erweiterung. Bislang kommen auf der Letbane 12 Stadler Tango und 14 Variobahnen zum Einsatz.

Frankfurt: CITYLINK für Regionaltangente West (RTW)

Parallel sicherte sich Stadler den Auftrag zur Lieferung von 27 CITYLINK-Fahrzeugen für die neue RTW-Strecke. Der Vertrag umfasst neben der Lieferung auch eine langfristige Wartung über 30 Jahre.

Die ca. 50 m langen Fahrzeuge sind ebenfalls Zweisystemfahrzeuge, d.h. sie können sowohl auf klassischen Bahn- als auch auf Stadtbahn-Strecken verkehren. Mit einer Kapazität von etwa 360 Fahrgästen und barrierefreiem Einstieg an verschiedenen Bahnsteighöhen ermöglichen sie flexiblen, durchgehenden Betrieb ohne Umsteigen. 

Im Gegensatz zu den Fahrzeugen für Dänemark sind die Citylink für die RTW hochflurig mit einer Fußbodenhöhe von ca 80 cm ausgelegt – aus Gewichts- und Kapazitätsgründen verfügen die Fahrzeuge über sechs Drehgestelle I © Stadler

Erste Einheiten sollen ab Herbst 2028 zu Testzwecken ausgeliefert werden, die gesamte Flotte bis Herbst 2030 — rechtzeitig zum geplanten Start der RTW-Regelverkehre beim Fahrplanwechsel Dezember 2030.

Im europaweiten Vergabeverfahren der Fahrzeugmanagement Region Frankfurt RheinMain (fahma), der Fahrzeugmanagement-Tochter des Rhein-Main Verkehrsverbundes (RMV) für die neuen Zweisystem-Fahrzeuge der Regionaltangente West (RTW) hat die Stadler Rail AG mit ihrem Angebot den Zuschlag erhalten. 

Die Fahrzeuge werden neu entwickelt, um den besonderen Anforderungen der RTW gerecht zu werden. Als sogenannte Zweistromsystemfahrzeuge können sie sowohl auf Vollbahn- als auch auf Stadtbahn-Strecken fahren. Die rund 50 Meter langen Fahrzeuge werden eine Kapazität für rund 360 Fahrgäste bereitstellen und barrierefreies Reisen an unterschiedlichen Bahnsteighöhen ermöglichen. Die Vielfalt der vorhandenen Bahnsteighöhen der Deutschen Bahn (76 und 96cm) sowie die Nutzung der RTW-eigenen Bahnsteighöhe (80cm) bedingt, dass die RTW-Fahrzeuge mehrere Bahnsteighöhen bedienen können müssen. 

Blick in den Innenraum des RTW Citylinks – man beachte den stufenlosen Innenraum I © Stadler

Die Auslieferung der ersten drei Fahrzeuge zu Test- und Zulassungszwecken ist für Herbst 2028 vorgesehen. Die komplette Flotte soll bis Herbst 2030 zur Verfügung stehen. Die vollständige Betriebsaufnahme der RTW ist weiterhin zum Fahrplanwechsel im Dezember 2030 geplant. Die Vereinbarung umfasst neben der Lieferung auch die Wartung, Instandhaltung und Ersatzteilversorgung der Fahrzeuge über eine Vertragslaufzeit von 30 Jahren.

Die Regionaltangente West

Die Regionaltangente West (RTW) soll das Verkehrsnetz im Rhein-Main-Gebiet grundlegend verändern: Statt wie bisher sternförmig ins Zentrum Frankfurt zu führen, wird eine tangentiale Schienenverbindung geschaffen, die periphere Städte und Gemeinden direkt miteinander verbindet. Damit entlastet die RTW den überlasteten Frankfurter Hauptbahnhof sowie das S-Bahn-Stammnetz und bietet Pendler:innen direkte, umsteigefreie Verbindungen — zum Beispiel zwischen größeren Vororten, dem Flughafen, wichtigen Arbeitsplätzen und Wohngebieten.

Streckenlänge und Netzstruktur
Die RTW umfasst rund 52 km Gesamtstrecke, von denen etwa 22–23 km neu gebaut werden. Geplant sind zwei Linien, die im Kernbereich zwischen Eschborn und Neu-Isenburg gemeinsam fahren — dort soll ein 15-Minuten-Takt ermöglichen, auf den Außenästen pendelt jede Linie im 30-Minuten-Takt. Insgesamt sind 28 Haltepunkte vorgesehen, darunter 12 bestehende S-Bahn-Stationen.

Fahrzeuge und Betriebskonzept
Die RTW setzt auf Zwei-System-Fahrzeuge („tram-train“), die sowohl auf Eisenbahn- als auch auf Stadtbahn-/Stadtbahnartigen Abschnitten verkehren können — das erlaubt die Durchbindung von Regional- und Stadtbereich ohne Umstieg. Die barrierefreie Infrastruktur muss unterschiedliche Bahnsteighöhen von 76 cm (Regionalverkehr), 96 cm (S-Bahn) und etwa 80 cm an eigenen Bahnsteigen ausgleichen. Zwar wird die RTW abseits der Vollbahnstrecken als Straßen-/ Stadtbahn verkehren, jedoch ist eine Verknüpfung zur Frankfurter U-Stadtbahn nicht vorgesehen.

Verkehrlicher Nutzen
Schon mit zwei Linien würden jährlich etwa 2,6 Millionen Zugkilometer zusätzlich erbracht. Zwischen Eschborn und Neu-Isenburg ist ein Viertelstundentakt geplant — eine deutliche Verdichtung im Vergleich zu vielen heutigen Regionalverbindungen. Prognostiziert wird eine tägliche Fahrgastzahl von 30.000 bis 50.000, was viele Pendler aus dem Auto auf die Schiene bringen könnte.

Übersicht der Strecken der Regionaltangente West I © FRM Plus

Bau- und Planungsstand
Drei der fünf Planfeststellungsabschnitte (PfA Nord, Süd 1, Mitte) erhielten mittlerweile Baurecht: Nord im Juni 2023, Süd 1 im Januar 2022, Mitte im August 2024. Diese Abschnitte befinden sich aktuell im Bau. Der offizielle Baubeginn erfolgte 2017, mit ersten Bauarbeiten ab 2022 / 2023. Eine Teilinbetriebnahme des südlichen Abschnitts (z. B. Kelsterbach – Flughafen – Neu-Isenburg) könnte bereits 2026 erfolgen; Ziel für die Gesamt-Inbetriebnahme war ursprünglich 2028, aktuell wird jedoch mit Verzögerungen gerechnet — eine Fertigstellung bis 2029 wird realistischer gesehen.

Finanzierung & Bedeutung für die Region
Die RTW ist ein zentrales Infrastrukturprojekt im Rhein-Main, unterstützt von Land, Kommunen und dem RMV. Sie soll nicht nur Mobilität verbessern, sondern auch wirtschaftliche Standorte (Flughafen, Industriepark Höchst, Gewerbegebiete im Westen) besser anbinden und die Region nachhaltig entwickeln. Die Aufstockung der nötigen Finanzmittel wurde 2025 erneut befürwortet — ein Zeichen für den politischen Willen, das Projekt trotz gestiegener Baukosten voranzutreiben.

05.12.2025