
Die bekannte Kurstadt Bad Nauheim liegt ziemlich zentral in (Ober-)Hessen im Landkreis Friedberg. Spätestens mit der Eingemeindung des früheren Nachbarorts Wisselsheim im Jahr 1972 wurde der Stadtbus des Kurorts zu einem wichtigen Teil des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs in der Stadt.
Der Stadtbus betreibt vier Linien:
11: Usa-Wellenbad – Zentralhaltestelle Aliceplatz – Bahnhof – Nieder-Mörlen
12: Kaiserberg – Zentralhaltestelle Aliceplatz – Bahnhof – Steinfurth
14: Bodestraße – Bahnhof – Zentralhaltestelle Aliceplatz – Schwalheim
15: Bahnhof – Zentralhaltestelle Aliceplatz – Wisselsheim – Kaiserberg
Eigene Busse besitzen die Stadtwerke Bad Nauheim nicht. Vielmehr werden seit spätestens 2014 die Leistungen auf den vier Linien von Bussen der Firma Stroh aus Altenstadt (wie auch Bad Nauheim im Kreis Friedberg) im Auftrag der Stadtwerke Bad Nauheim erbracht.
Der Nauheimer Stadtrat beschloss, dass in Zukunft auf den Nauheimer Stadtbuslinien nur noch batterie-betriebene Elektrobusse zum Einsatz kommen sollen.
Nachdem Firma Stroh die Ausschreibung gewonnen hatte, bis Ende 2034 die Busse für den Betrieb der Nauheimer Stadtbuslinen zu stellen, schrieb sie ihrerseits die Lieferung von sechs Elektrobussen für die Stadtbuslinien aus. Das wirtschaftlichste Angebot kam von der deutschen Tochter des ägyptischen Busherstellers MCV (Manufacturing Commercial Vehicles), die in Bestwig im Sauerland zuhause ist. Und so ging der Zuschlag also an MCV: es gibt je drei „MCV C 107 EV“ (zehn Meter lang) und „MCV C 127 EV“ (zwölf Meter lang). Anmerkung: die Stadtwerke Bad Nauheim können laut Vertrag mit Firma Stroh vorgeben, dass mit Elektrobussen zu fahren ist, doch ist Firma Stroh frei in ihrer Entscheidung, bei welchem Hersteller sie diese Elektrobusse beschafft.
Seit Mitte September sind die sechs MCV jetzt auf Nauheims Stadtbuslinien im Einsatz – mehr dazu HIER.


Der Ladepark „am Taubenbaum“.
Die sechs Elektrobusse müssen nicht täglich von Altenstadt kommen und am Abend dorthin zurückkehren, vielmehr gibt es für sie einen „Betriebshof“ im Gewerbegebiet „am Taubenbaum“ auf einem Grundstück, das zwischen Eisenbahn und Straße liegt und bislang nicht genutzt war. Es ist eingezäunt (und videoüberwacht), so dass sich hier zu nächtlicher Stunde keine unerwünschten Personen aufhalten können. Das Tor zur Straße „Am Taubenbaum“ öffnet morgens um 7 Uhr und schließt automatisch am Nachmittag um 17 Uhr, zu anderen Zeiten können nur die Stadtbusse passieren.
Auf diesem Grundstück werden die Busse nicht nur während der nächtlichen Betriebsruhe abgestellt, hier werden sie vor allem auch nachgeladen. Das geschieht über Kabel und CCS-Combo-Stecker.
Der Ladepark wird betrieben von der ENSEV GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Bad Nauheim GmbH. Die Anlage wurde von der finnischen Firma Kempower geliefert. Und von Montag bis Freitag steht sie von 7 bis 17 Uhr nicht nur den Bussen, sondern auch allgemein der Öffentlichkeit zum Nachladen ihrer Pkw, Lieferwagen und Lastwagen zur Verfügung. Das ist vernünftig, denn zu dieser Zeit sind die Busse des Stadtverkehrs ja auf ihren Linien unterwegs, zu dieser Zeit blockieren also „fremde“ Fahrzeuge nicht die Ladeplätze der Stadtbusse.
Auf der Mittelinsel der Anlage gibt es drei Ladesäulen mit je zwei Ladeplätzen, die nicht nur von den Stadtbussen, sondern auch von privaten Fahrzeugen bis 7 Meter Länge genutzt werden können. Zwei weitere Ladesäulen mit jeweils nur einem Ladeplatz sind ausschließlich den Stadtbussen vorbehalten. Für die es also zusammen acht Ladeplätze gibt – die Elektrobus-Flotte kann noch etwas wachsen. – Die Ladeleistung beträgt bis zu 150 kW.


Bei der Vorstellung der Anlage machte der Geschäftsführer der ENSEV auf ein interessantes Detail aufmerksam. „Eine Batterie von 20 % auf 80 % aufzufüllen dauert nur 20 Minuten. Aber was macht der Autofahrer in diesen 20 Minuten?“ Die ENSEV hat sich etwas Cleveres einfallen lassen: es gibt zwei Autostaubsauger bei den Ladesäulen, an denen mit Karte bezahlt werden kann. „Während das Auto nachgeladen wird, kann sein Fahrer die Zeit nutzen und seinen Wagen ein bisschen sauber machen.“ Und Nauheims Bürgermeister Klaus Kreß ergänzte: „Gleich nebenan ist der Greifvogelpark. Wie wäre es mit einem kleinen Spaziergang durch den Park, während das Auto hier lädt?“


