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Straßenbahn Athen in Piräus verlängert

von Erik Buch
Die neuen Trams entlang der Küste auf der Strecke nach Piräus | © Alstom Press

Pünktlich zu den Olympischen Spielen 2004 nahm Athen den regulären Betrieb seines damals nagelneuen Straßenbahnnetzes mit gleich drei Linien auf. Wie so viele andere Städte in der Welt hatte auch die griechische Hauptstadt ihr altes Netz 1960 vollständig aufgegeben und es einige Jahrzehnte später mit modernen Niederflur-Straßenbahnen wieder in Betrieb genommen.

Die neue Straßenbahn hatte es schwer, von den Einheimischen voll akzeptiert zu werden, vor allem weil sie als zu langsam angesehen wurde und nur nicht immer günstige Anschlussmöglichkeiten an andere Schienenverkehrsmittel bot. Dennoch ist sie heute ein fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrsnetzes der griechischen Hauptstadt.

Um einem Teil der Kritik entgegenzutreten, plante der Betreiber schon bald eine Erweiterung in das Zentrum der nahe gelegenen Hafenstadt Piräus. Nach langen Verzögerungen, die vor allem auf die immer noch instabile Finanzlage der öffentlichen Verwaltung zurückzuführen waren, begann in 2015 endlich der Bau. Der Probebetrieb konnte Anfang 2019 aufgenommen werden. Die 5 km lange Strecke beginnt an der bisherigen Endstation der Stadion/S.E.F. und führt in einer großen Schleife durch parallele Straßen in Piräus, wo sie in einem kurzen Abzweig zum alten Hafengebiet bei Akti Poseidonos ihren künftigen Endpunkt haben soll. Sie bietet Anschluss an die Metrolinie 1 und in Zukunft auch an die Metrolinie 3, die von der derzeitigen Endstation Aghia Marina bis zum Dimotiko Theatro verlängert werden wird.

Die Verlängerung in Piräus | © Attiko Metro S.A.
Breda „Sirio“ im Einsatz auf der bisherigen Linie 5 | © UTM/bu

Während bisher 35 Breda-„Sirio“-Straßenbahnen verkehren, lieferte für die Erweiterung Alstom 25 neue Niederflur-Straßenbahnen des Typs Citadis X05. Sie bestehen aus fünf Modulen, haben sechs Türen auf jeder Seite und erlauben eine Fahrgastkapazität von bis zu 294 Mitfahrern. Die Außenlackierung wurde nach einer öffentlichen Abstimmung unter der lokalen Bevölkerung in orange festgelegt, abweichend von der silber-blauen Lackierung der bisherigen Breda-Fahrzeuge. Diese bedürfen mittelfristig einer Grundsanierung, ihr Erscheinungsbild ist schon längere Zeit nicht mehr in bester Verfassung.

Mit deutlicher Verspätung wurde die Tram-Verlängerung in Piräus schließlich am 15. Dezember 2021 eingeweiht – allerdings vorerst ohne die Endstation Akti Poseidonos. Hier ist die Inbetriebnahme in den kommenden Monaten vorgesehen. Statt drei Linien, die seit 2004 auf dem Netz fuhren, gibt es jetzt nur noch zwei: Die Linie 6 fährt vom zentralen Syntagma Platz nach Pikrodafni an der Küste, wo sie Anschluss an die Linie 7 bietet, die entlang der Küste von Piräus nach Asklipio Voulas führt. Der aktuelle Netzplan ist abrufbar unter: http://www.urbanrail.net/eu/gr/athens/tram/athens-tram.htm .


Die neuen Alstom-Züge
(Bildergalerie zum Öffnen bitte anklicken):

19.12.2021
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