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SWB Bonn: Mercedes-Benz eCitaro – und Daimler Buses liefert auch die Ladeinfrastruktur

© Christian Marquordt

Großer Termin am 20. August 2025 auf dem Busbetriebshof Friesdorf der Bonner SWB (Stadtwerke Bonn Verkehrs GmbH): Daimler Buses übergibt zehn Mercedes-Benz eCitaro an die SWB (Wagen 2501 bis 2510).

Sie sind zwar nicht die ersten batterie-elektrischen Busse der SWB, denn es gibt schon vier 12-Meter-Wagen von Ebusco und drei Gelenkwagen von Solaris. Zudem haben die SWB schon mal sechs 12-Meter-Elektrobusse des Herstellers Sileo aus Salzgitter gehabt (Wagen 1501 bis 1506) , die aber schon wieder aus dem Bestand ausgeschieden sind.

Bislang waren die SWB eher zögerlich damit, Batteriebusse in Dienst zu stellen – jetzt allerdings „geht es richtig los“. Schon im kommenden Sommer 2026 sollen fünf weitere eCitaro von Daimler Buses in Bonn eintreffen, und SWB-Chefin Anja Wenmakers berichtete in ihrer Ansprache, dass aktuell eine Ausschreibung über sechs weitere Elektrobusse laufe. Wer diese Wagen liefern wird, ist noch nicht entschieden. Und dann wird ein ganz großer Auftrag „in der Pipeline“ sein: Frau Wenmakers sprach von 35 Wagen.

© Christian Marquordt

Die zehn neuen eCitaro im Detail

Die neuen eCitaro der SWB sind Dreitürer. Die Entscheidung, nur noch dreitürige Solo- und viertürige Gelenkwagen zu beschaffen, haben die SWB schon vor drei Jahren getroffen. Erste Busse, die dem entsprechen, sind die Wagen des Jahrgangs 2022. Zu gross, so die SWB, ist der Vorteil eines zügigen Fahrgastwechsels an der Haltestelle, wenn der Bus eine Tür mehr hat.

Die neuen Elektrobusse mit den Wagennummern 2501 bis 2510 sind 12.135 mm lang, 2.550 mm breit und 3.400 mm hoch. Mit dieser Höhe können sie die niedrige Bahnunterführung an der Rheinallee jedenfalls an den Fahrbahnrändern nicht passieren. „Wir überlegen, eine Ampelanlage einzurichten, die die Durchfahrt durch die Unterführung jeweils nur in einer Fahrtrichtung freigibt. Dann könnten die Busse in der Fahrbahnmitte fahren, und in der Fahrbahnmitte ist die Unterführung hoch genug.“ Bis dahin allerdings ist die Unterführung Rheinallee für Elektrobusse tabu – und auch für die Wasserstoffbusse der Regionalverkehr Köln.

Die Wagen werden vom Elektroantrieb „AxTrax AVE“ von ZF bewegt, der in der Spitze 250 kW leistet und mit einer Spannung von 400 Volt arbeitet. Als Vorderachse baut Mercedes die „ZF RL 82 EC“ mit Einzelradaufhängung ein.

Ein spezieller Hebel am Lenkrad erlaubt es dem Fahrer, gezielt den Retarder einzuschalten. Damit wird der Wagen langsamer, gleichzeitig gewinnt er Strom zurück (Rekuperation).

Der Sicherheit dienen Fahrer-Assistenzsysteme wie der Active-Break-Assist (ABA), der schwierige Situationen erkennt und bremsend eingreift, und der Abbiege-Assistent, der eingreift wenn sich beim Abbiegen Personen (Fußgänger, Radfahrer) oder Sachen im toten Winkel neben dem Bus befinden, 

Bonns neue eCitaro haben zwar noch herkömmliche Rückspiegel, dennoch erlaubt ein Rundum-Kamera-System dem Fahrer einen vollständigen 360° Blick rund um seinen Bus.    

Die SWB nennen eine Reichweite von 290 Kilomtern für ihre neuen Elektrobusse. Damit können sie die weitaus meisten der Kurse im täglichen Auslauf der SWB porblemlos bedienen. Lediglich auf Kursen, die sehr früh vom Betriebshof ausfahren und erst sehr spät zurückkommen, könnte es knapp werden. Und auf der Schnellbuslinie zum Flughafen (Köln/Bonn), auf der die Wagen täglich mehr als 600 Kilometer laufen. Das geht für Elektrobusse – zumindest für solche für Linie – noch nicht. Obwohl auf der Busworld im Oktober in Brüssel erste Elektro-Reisebusse gezeigt werden, die auch das schaffen.   

Die Wagen bieten 31 Sitz- und 51 Stehplätze, können also 82 Fahrgäste befördern. Dazu kann im Mehrzeitbereich bei der Mitteltür ein Rollstuhl (oder Kinderwagen) mitgenommen werden. Eine ausklappbare Rampe an der Mitteltür ist heute selbstverständlich. An der Plattform gibt es vier Klappsitze, zwei Einzelsitze, auf denen der Fahrgast mit dem Rücken zum Fenster sitzt, und eine klappbare Bank mit zwei Plätzen, die entgegen der Fahrtrichtung angeordnet ist.

Die fest installierten Sitze sind vom Typ „Mercedes-Benz City Star Function“. Alle Wagen haben die Klimaanlage “EvoThermatic basic“ , die ihren Platz auf dem Dach der Wagen gefunden hat. Sie arbeitet mit Wärmepunpe und antiviralem Aktivfilter. Es ist gelungen, ihren Energieverbrauch gegenüber bisherigen Kliimaanlagen um beachtliche 40 % zu senken.

Zwölf USB-Sterckdosen ermöglichen es den Fahrgästen, ihre Mobilgeräte zu nutzen und auch aufzuladen.

Damit sehbehinderte Fahrgäste sich besser im Bus zurecht finden, sind die Haltestangen im Wagen in leuchtendem Gelb gehalten und haben zudem eine geriffelte Oberfläche.

Für den Fahrer gibt es einen drehbaren Fahrersitz, der klappbare Armlehnen und Sitzheizung hat. Der Fahrerplatz lässt sich unabhängig vom übrigen Innenraum klimatisieren. Und der Fahrer wird durch eine Fahrerkabine geschützt, die aus ESG-Sicherheitsglas besteht, bis an die Frontscheibe heranreicht und Öffnungen hat, damit Fahrgast und Fahrer miteinander kommunizieren können.

Videoüberwachung des Innenraums ist heute ebenso selbstverständlich wie ein großer Monitor, der über Linie und Fahrtverlauf informiert.


Daimler Buses liefert auch die Ladeinfrastruktur

Daimler Buses hat aber nicht nur die Busse geliefert, sondern auch schlüsselfertig die Ladeinfrastruktur. Die Busse können sowohl über Kabel und CCS-Combo-Stecker als auch über Pantograph nachgeladen werden. Mit der Möglichkeit über Kabel und CCS-Combo-Stecker entsprechen sie dem, was auch die bisherigen Elektrobusse der SWB brauchen. Für Bonn neu ist die Lademöglichkeit über Pantograph. Wobei bei der in Bonn gewählten Version der Pantograph nicht vom Bus zur Ladestation aufsteigt, sondern sich von der Station auf den Bus absenkt („Panto down“). Vor Jahren hat der Verfasser mal bei der Hamburger Hochbahn gehört, „Panto down“ sei sicherer.

Daimler Buses hat acht Ladeplätze für das System „Panto down“ geliefert. Die Ladeplätze simd an Masten installiert, die ihrerseits in Betonsockeln verankert sind. Und da die SWB erwägen, mit ihrem Busbetriebshof umzuziehen, hat man die Betonsockel so ausgeführt, dass sie leicht an den eventuellen neuen Standort versetzt werden können.

Wagen 2502 (rechts vorne) mit anderen unter den neuen „Panto down“-Ladestationen I © Daimler Buses

GO.Rheinland übergibt Förderbescheid über 3,4 Millionen Euro

Der Zweckverband „GO-Rheinland“ ist die zuständige Bewilligungsbehörde für den ÖPNV in Bonn. Ihr stellvertretender Bereichsleiter ÖNPV-Förderung, Christoph Nagel, übergab einen Fördercheque über 3,4 Millionen Euro. Mit diesem Betrag gibt es nicht nur Zuschüsse für die neuen Busse, sondern auch für die neue Ladeinfrastruktur, die auf dem Betriebshof Friesdorf errichtet worden ist.

Die geplanten Einsätze der neuen eCitaro

Voraussichtlich um den 1. November sollen die neuen eCitaro in den Linieneinsatz gehen. Vorher wollen die SWB ihre Fahrer auf den Wagen schulen und die Busse gründlich kennenlernen. Eingesetzt werden sollen die neuen Elektrobusse auf den Linien 600, 605, 607, 631 und 633.

Und Dieselbusse?

Wird es damit keine weiteren Dieselbusse mehr für Bonn geben? Frau Wenmakers sagte: „Noch werden wir  nicht auskommen, ohne auch noch Dieselbusse zu beschaffen. Es wird da allerdings keine farbrikneuen Wagen mehr geben. Wenn wir noch einmal Dieselbusse brauchen, werden wir Gebrauchtwagen kaufen.“  So wie man gerade jetzt zehn gebrauchte Citaro des Jahrgangs 2019 aus Wien übernommen hat, die als Wagen 1902 bis 1911 in den Bestand eingereiht worden sind. Und die mussten auch sein: noch sind Wagen der Jahrgänge 2008 und 2009 in Betrieb, die ausgemustert werden sollen. Und die zehn neuen eCitaro reichen nicht aus, alle alten Wagen zu ersetzen. Eins allerdings bleibt zu bedenken: wenn viele Verkehrsbetriebe dazu übergehen, eventuell noch mal benötigte Dieselbusse in Form von Gebrauchtwagen zu beschaffen, könnte die Nachfrage nach gebrauchten Bussen deutlich steigen. Was Gebrauchtwagen teurer machen dürfte …   

Wagen 1910, einer der kürzlich aus Wien übernommenen Gebrauchtwagen, am 31. Juli im ZOB am Hauptbahnhof I © Christian Marquordt
eCitaro an der neuen Ladestation | © Christian Marquordt
24.08.2025