
Die Škoda-Gruppe hat am 8. April 2026 offiziell den ersten neuen Batterie-Trolleybus für Tallinn vorgestellt und dabei erste Probefahrten mit dem neuen Fahrzeug angeboten. Die Fahrzeugauslieferung ist Teil des Projekts zur Wiederbelebung des Oberleitungsbusnetzes der Stadt, das seit November 2024 stillgelegt war.
Die Initiative zur Erneuerung des Oberleitungsbussystems in der estnischen Hauptstadt wurde 2023 offiziell vorgestellt und hob damit eine frühere Entscheidung zur vollständigen Stilllegung des Systems auf. Oberleitungsbusse verkehren in Tallinn seit 1965 – das Netz umfasste einst bis zu acht Linien, wurde jedoch zwischen 2012 und 2017 schrittweise auf nur noch vier reduziert.
Die Škoda-Gruppe wird in diesem Jahr eine Flotte von 40 neuen Batterie-Oberleitungsbussen nach Tallinn liefern – 22 achtzehn Meter lange Gelenkbusse vom Typ Škoda 33Tr und 18 zwölf Meter lange Škoda 32Tr, alle mit Karosserien des tschechischen Herstellers SOR. Die Modelle 32Tr und 33Tr stellen eine zeitgemäße Lösung für die Elektromobilität dar, die die Vorteile herkömmlicher Trolleybussysteme mit der betrieblichen Flexibilität von rein batteriebetriebenen Bussen verbindet. Dank „In-Motion-Charging“ (IMC) können die Fahrzeuge bis zu 25 Kilometer unabhängig von Oberleitungen fahren, wodurch die Oberleitungsbusse den Städten mehr Freiheit bei der Routenplanung und im täglichen Betrieb bieten. Die Batterien werden während der Fahrt unter der Oberleitung „in motion“ wieder aufgeladen.




Die Fahrzeuge sind mit Schiebetüren und einer elektrischen Rampe ausgestattet, die das Einsteigen von Fahrgästen im Rollstuhl und mit Kinderwagen ermöglicht. Die Gelenk-Oberleitungsbusse vom Typ Škoda 33Tr verfügen über zwei Antriebsachsen, was eine bessere Traktion bei winterlichen Bedingungen gewährleistet und die Manövrierfähigkeit des Fahrzeugs verbessert. Der Antrieb erfolgt über moderne und sparsame elektrische Ausrüstung auf Basis von IGBT-Elementen, die mit Diagnosefunktionen und Fernzugriff auf die Fahrzeugsysteme ausgestattet ist.
Die Wagen sollen den Verkehr auf den zuletzt betriebenen vier Linien 1, 3, 4 und 5 wieder aufnehmen (jetzt als Linien 81, 83, 84 und 85 bezeichnet), außerdem ist auch ein Einsatz auf der bereits 2017 eingestellten früheren Linie 9 (jetzt Linie 72) geplant, wobei etwa die Hälfte der Linie im Batteriemodus ohne Fahrleitung befahren werden soll.
Eine vereinbarte Option über 30 weitere Fahrzeuge, mit denen weitere Linien elektrisch befahren werden sollten, konnte aufgrund fehlender Zustimmung des Stadtverwaltung zur Finanzierung bisher noch nicht eingelöst werden. Der Auftragswert, der umfassende Service- und Wartungsleistungen sowie die Option auf die Lieferung von 30 weiteren Oberleitungsbussen umfasst, beläuft sich auf über 50 Millionen Euro.


