
Am 22. November 2025 wurde der Abschnitts der Straßenbahnlinie 21 zwischen Holteistraße und Marktstraße stillgelegt. Kurz nach Mitternacht hat der letzte reguläre Zug diesen Teilabschnitt befahren — in den kommenden Jahren wird die Linie in zwei getrennte Strecken aufgeteilt. Hintergrund sind erhebliche Gleisabnutzungen entlang der Boxhagener Straße und Marktstraße sowie die langfristige Planung einer neuen Tramtrasse über den Bahnhof Ostkreuz, die sich aber seit über einem Jahrzehnt auf sich warten lässt.
Ersatzverkehr – Übergangslösung mit Bus & neue Struktur
Die Verkehrsleistung im betroffenen Abschnitt wird durch Busse ersetzt: Die neue Linienführung sieht vor, dass die 21 ab sofort nicht mehr durchgängig fährt. Stattdessen endet die nördliche Linie am Bersarinplatz; von dort fahren Ersatzbusse bis zur Haltestelle Hegemeisterweg an der Treskowallee. Fahrgäste Richtung Schöneweide müssen dort auf andere Linien umsteigen. Im südlichen Teil südlich der Marktstraße bleibt der Straßenbahnbetrieb zumindest zwischen Blockdammweg und Schöneweide bestehen.

Ab 14. Dezember soll der Betrieb wieder regulärer laufen: Die Linie 21 Nord fährt dann zwischen Bahnhof Lichtenberg und Holteistraße, die Linie 21 Süd zwischen Marktstraße und Schöneweide. In diesem neuen Zustand entfällt der Ersatzverkehr, aber die Verbindung zwischen Ost‑ und Rummelsburger Abschnitten bleibt unterbrochen — bis der geplante Lückenschluss über das Ostkreuz realisiert ist.
Gründe für die Teilstilllegung – Alternde Gleise und fragliche Rentabilität
Laut der für den Betrieb und die Strecke verantwortliche BVG lasse der schlechte Gleiszustand der Strecke keinen sicheren Straßenbahnbetrieb mehr zu. Zuletzt sind die Straßenbahnen auf diesem Abschnitt in Schrittgeschwindigkeit unterwegs gewesen. Die Beschädigungen und der Sanierungsbedarf seien so gravierend, dass eine Sanierung wirtschaftlich kaum tragbar erscheine — vor allem vor dem Hintergrund, dass ohnehin eine neue, direkt an den Ostkreuz angebundene Trasse geplant sei.

Diese Argumentation stößt allerdings bei vielen Nutzerinnen und Nutzern, Anwohnenden und Interessensvertretungen auf Kritik: Der Ersatz durch Busse und die langjährige Unterbrechung der Verbindung werden als Rückschritt empfunden, der insbesondere die Nahmobilität und Erreichbarkeit im Osten Berlins schwächt.
Perspektive & Risiken – Hoffnung auf Neubau
Das große Ziel bleibt der Bau der 1,2 km langen Neubaustrecke über das Ostkreuz — mit Anschluss der beiden bisherigen Endpunkte der Linie 21. Doch auch hier ist der Zeitplan fraglich. Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren mussten bereits mehrfach neu ausgelegt werden, zuletzt mit Änderungsbedarf wegen Einwendungen und Auflagen. Wann der Baubeginn tatsächlich startet, ist weiter offen.

Sollte der Bau verzögert oder erneut verschoben werden, droht die aktuelle Teilstilllegung längerfristig zu einer dauerhaften Schwächung der ÖPNV‑Anbindung im Osten Berlins zu werden. Ohne verbindliche Übergangsstrategie – etwa ausreichender Ersatzverkehr, Ersatztrassen oder ein klarer Zeitplan – könnte das viele Fahrgäste verärgern und mittelfristig das Vertrauen in die Verkehrspolitik schwächen.
Zwischen pragmatischem Umbau und verpasster Chance
Die Entscheidung für eine Teilstilllegung der Linie 21 und die geplante Neubaustrecke über das Ostkreuz kann als strategisch sinnvoll gelten: Alternde Infrastruktur abzulösen und langfristig zukunftsfähige Trassen zu schaffen, entspricht einem modernen Ansatz in der Stadt‑ und Verkehrsplanung. Zugleich darf der Schritt nicht einfach als Kosten-Nutzen-Abwägung gesehen werden: Soziale Erreichbarkeit, Mobilitätsgerechtigkeit und Alltagstauglichkeit müssen unbedingt berücksichtigt werden.

Ohne klaren Zeitplan, verlässliche Übergangslösungen und transparente Kommunikation besteht die Gefahr, dass die Maßnahme als Zeichen mangelnden Engagements für Ost‑Berlin wahrgenommen wird. Die historischen Sonderfahrten bieten eine symbolische Würdigung der Vergangenheit — aber ohne zügigen Neubau droht die Linie 21 mittelfristig zu einer „fernen Erinnerung an bessere Zeiten“ zu werden.
Historischer Abschied und symbolische Sonderfahrten
Als letzten Gruß an die alte Route hat der Verein Nahverkehr Berlin (DVN) eine Reihe von Sonderfahrten mit historischen Triebwagen des Typs Tatra T6A2 organisiert. Diese Fahrten dienen zugleich als Erinnerung an die Vergangenheit der Strecke und sollen eine breite Öffentlichkeit einladen, Abschied zu nehmen, bevor das dieselbe Strecke „für gute Jahre“ nicht mehr befahrbar sein wird.
28.11.2025

