Tranvía Jaén: Betreibervertrag vergeben – beginnt nun wirklich im Herbst 2026 der Fahrbetrieb?

von Erik Buch
Testfahrt mit Tw 01 | © Junta Andalucia press release

Nach mehr als 15 Jahren Verzögerungen nähert sich der Tranvía de Jaén voraussichtlich seiner lang erwarteten Inbetriebnahme. Mit der endgültigen Vergabe des Betriebsvertrags, laufenden Testfahrten auf der Gesamtstrecke und der Vorbereitung des Betriebspersonals befindet sich das Projekt in seiner entscheidenden Abschlussphase. Die Regionalregierung Junta de Andalucía sieht die Voraussetzungen für die Aufnahme des Fahrgastbetriebs inzwischen als weitgehend geschaffen an.

Einen wichtigen Meilenstein stellte die Vergabe des Betriebsvertrags dar. Die Junta de Andalucía hat die Betriebsführung des Systems an die UTE (Unión Temporal de Empresas) aus der spanischen Grupo Ruiz und der portugiesischen Barraqueiro vergeben. Der Vertrag umfasst die operative Führung des Straßenbahnsystems für zunächst vier Jahre mit einer möglichen Verlängerung um ein weiteres Jahr. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund 13,2 Millionen Euro. Neben dem Fahrbetrieb umfasst der Vertrag auch Kundenservice, Sicherheitsleistungen, Reinigung, Betriebsplanung sowie die Verwaltung des Park-and-Ride-Angebots.

Mit der Vertragsunterzeichnung Mitte Mai 2026 wurde zugleich die nächste Projektphase eingeleitet. Das Betreiberkonsortium kündigte an, rund 60 Mitarbeiter für den künftigen Betrieb einzustellen. Dazu zählen Triebfahrzeugführer, Leitstellenpersonal, Sicherheitskräfte sowie Mitarbeiter für Kundenservice und technische Betriebsabläufe. Die Personalgewinnung und Ausbildung läuft bereits und gilt als zentrale Voraussetzung für die Betriebsaufnahme.

Parallel dazu werden die technischen Testfahrten weiter intensiviert. Die Fahrzeuge verkehren auf der gesamten 4,7 Kilometer langen Strecke, um sämtliche Systeme unter realen Betriebsbedingungen zu überprüfen. Getestet werden unter anderem die Signaltechnik, die Energieversorgung, die Kommunikationssysteme sowie die Vorrangschaltung an Kreuzungen. Darüber hinaus dienen die Fahrten der Validierung von Fahrzeiten, Sicherheitsabläufen und Betriebsprozessen. Die laufenden Tests bauen auf den umfangreichen Probefahrten der vergangenen Monate auf, die bereits seit Ende 2025 schrittweise ausgeweitet wurden.

Der Weg bis zu diesem Punkt war lang und von zahlreichen Rückschlägen geprägt. Obwohl die Infrastruktur bereits 2011 fertiggestellt worden war, verhinderten kommunalpolitische Konflikte, Finanzierungsfragen und organisatorische Probleme über Jahre hinweg die Inbetriebnahme – trotz bereits getätigter Investitionen von mehr als 110 Mio. EUR! Zwischen 2012 und 2021 fand praktisch gar keine nenneswerte Aktivität statt, die fünf Alstom Citadis 302 Niederflurtrams (ex Madrid, Baujahr 2007) standen ungenutzt im Depot, die Infrastruktur verkam und machte nun umfangreiche Erneuerungsarbeiten unumgänglich.

Testfahrten am Bahnhof im Sommer 2012. Danach herrschte viele Jahre Betriebsruhe | © Dirk Budach

Auch das Vergabeverfahren für den Betriebsvertrag führte zu erheblichen Verzögerungen. Zunächst war eine UTE unter Beteiligung von Alsa als Betreiber vorgesehen, wurde jedoch wegen formaler Mängel bei der Einreichung von Unterlagen ausgeschlossen. Anschließend scheiterte auch die zweitplatzierte Bewerbung der Avanza-Gruppe. Erst danach konnte die UTE Ruiz-Barraqueiro den Zuschlag erhalten. Mehrere Nachprüfungsverfahren und gerichtliche Beschwerden verlängerten den Prozess zusätzlich.

Nach Angaben der Betreiber und der Regionalregierung soll der Tranvía de Jaén im Herbst 2026 erstmals regulär Fahrgäste befördern. Damit würde eines der bekanntesten Infrastrukturprojekte Andalusiens nach anderthalb Jahrzehnten Stillstand endlich in den kommerziellen Betrieb übergehen. Das Straßenbahnsystem verbindet auf einer Strecke mit zehn Haltestellen zentrale Bereiche der Stadt, darunter den Bahnhof, den Busbahnhof, die Universitätszone sowie wichtige Wohn- und Gewerbegebiete. Die Verantwortlichen sehen darin einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität und zur Modernisierung des öffentlichen Verkehrs in Jaén.

Trotz der inzwischen sichtbaren Fortschritte bleibt die öffentliche Wahrnehmung von Vorsicht geprägt. Mehrfach angekündigte Starttermine konnten in der Vergangenheit nicht eingehalten werden – wir hatten hier zuletzt in optimistischer Erwartung 2023 darüber berichtet: https://www.urban-transport-magazine.com/jaen-die-tram-soll-endlich-fahren-aber-erst-in-2024/ . Bemerkenswert ist zweifellos auch die Tatsache, dass zum Bau des kompletten Systems bis zur provisorischen Inbetriebnahme mit kostenlosen Mitfahrgelegenheiten im Mai 2011 gerade einmal 2 Jahre benötigt wurden, während seit dem Beschluss zur endgültigen Inbetriebnahme durch die Junta de Andalucía bis heute schon mehr als 6 Jahren vergangen sind, ohne dass die Bahnen bisher im öffentlichen Fahrbetrieb eingesetzt werden. Die nun abgeschlossene Betreibervergabe, die laufenden Systemtests und die Vorbereitung des Betriebspersonals gelten jedoch als die bislang deutlichsten Anzeichen dafür, dass die Inbetriebnahme tatsächlich bevorsteht. Drücken wir die Daumen!

Probefahrten im Dezember 2025 | © Junta Andalucia press release
02.06.2026