
Nach mehr als einem Jahrzehnt Stillstand erlebt die Stadt La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg, Schweiz, eine Renaissance des elektrischen Stadtverkehrs: Am 20. Februar 2026 wurde der reguläre Betrieb der Trolleybusse auf der Linie 302 (Tourbillon – Gare – Combe-à-l’Ours) offiziell wieder aufgenommen.
Historischer Kontext und Hintergrund
Das erste Trolleybusnetz in La Chaux-de-Fonds wurde 1949 eröffnet und ersetzte schrittweise das städtische Straßenbahnnetz. In den folgenden Jahrzehnten spielte der elektrische Oberleitungsbus eine zentrale Rolle im lokalen ÖPNV. Jedoch wurde der Betrieb 2014 eingestellt, nachdem in Zusammenhang mit dem Umbau des Busbahnhofs die Oberleitungen entfernt wurden und die älteren Fahrzeuge das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatten.

Ein neuer Ansatz: Trolleybusse mit Batterie
Der neue Trolleybusbetrieb basiert auf modernen Gelenk-Oberleitungsbussen mit Batterieantrieb. Diese Fahrzeuge können sowohl unter Oberleitung als auch auf Batteriebetrieb ohne Kontakt mit der Fahrleitung fahren – eine wichtige Flexibilität, etwa bei Bauarbeiten oder Streckenabschnitten ohne Oberleitung.
Im Jahr 2022 genehmigte der Kanton Neuenburg (Neuchâtel) den Kauf von 30 dieser Fahrzeuge vom Typ „lighTram® 19 DC“, die von der Schweizer Firma HESS AG gefertigt werden. Nur ein Teil der Wagen kommt allerdings in La Chaux-de-Fonds zum Einsatz, die übrigen in Neuchâtel. Die Gesamtinvestition für die Fahrzeuge sowie für die Anpassung der Infrastruktur – einschließlich Oberleitungen und Unterwerken – beläuft sich auf rund 31 Millionen Schweizer Franken. TransN, die regionale Verkehrsbetreiberin, finanziert den Großteil über Fremdkapital, während der Kanton und die Gemeinden die Abschreibungen tragen.

Infrastruktur & Betrieb
Die Reaktivierung erforderte umfangreiche Vorarbeiten: Stromversorgung, Unterwerke und Oberleitungsabschnitte mussten erneuert, erweitert oder zum Teil neu konzipiert werden. Zudem wurde das Personal geschult, denn die Umstellung auf neue Fahrzeugtechnologie bringt auch neue Anforderungen an die Fahrer- und Werkstattteams mit sich.

Für die Saison 2026 ist zunächst der Betrieb der Linie 302 vorgesehen. Die Linie dient einer wichtigen urbanen Verbindung zwischen Wohn- und Gewerbegebieten, dem zentralen Bahnhof sowie dem Stadtteil Charrière. Die Erweiterung des Trolleybusbetriebs auf die Linien 301 (Recorne – Gare – Arêtes) und 304 (Eplatures Nord – Gare – Hôpital) ist für die Jahre 2028 und später geplant, sobald zusätzliche Fahrzeuge geliefert und sämtliche Infrastruktur- und Schulungsprogramme abgeschlossen sind.
Technische Daten und Fahrzeugflotte
Die neuen Batterie-Trolleybusse lighTram® 19 DC sind etwa 18,7 Meter lang, haben Batteriepakete mit ca. 70 kWh Kapazität, vier Türen sowie eine Kapazität von rund 140 Fahrgästen (inkl. Sitz- und Stehplätzen). Diese deperchablen Fahrzeuge bieten barrierefreien Zugang und entsprechen den neuesten Sicherheits- und Komfortstandards. Die Bestellung erfolgte durch Trans N gemeinsam für Neuchâtel und La Chaux-de-Fonds. Wir berichteten hier:
Strategischer Kontext
Die Wiederinbetriebnahme ist Teil einer größeren Strategie zur Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs im Kanton Neuenburg. Elektrisch betriebene Trolleybusse tragen dazu bei, lokale Emissionen zu reduzieren, den Lärmpegel in städtischen Quartieren zu senken und die langfristige Energieeffizienz zu steigern. Diese Entwicklung entspricht sowohl kantonalen Klimazielen als auch nationalen Bemühungen der Schweiz, den Verkehrssektor nachhaltiger zu gestalten.

Bedeutung für den urbanen Verkehr
Nach über 12 Jahren ohne elektrischen Oberleitungsverkehr markiert die Rückkehr der Trolleybusse nicht nur eine kulturelle und historische Wiederbelebung, sondern auch einen modernen Schritt in Richtung emissionsfreier Mobilität. Die Etablierung eines flexiblen Systems mit Batterie-Hybridtechnologie verbindet das traditionelle Konzept der Oberleitungsbusse mit moderner Elektromobilität – ein Modell, das auch für andere Mittelstädte mit anspruchsvoller Topographie interessant sein dürfte.
25.02.2026
