Gleich an zwei Orten außerhalb Europa fanden in diesen Tagen Eröffnungszeremonien für neue, oberirdisch über aufgeständerten Fahrwegen geführte Einschienenbahnen statt. Beide Strecken bedienen unterschiedliche Verkehrsbedürfnisse, die technische Ausstattung stammt von verschiedenen Herstellern – und doch gibt es diverse Gemeinsamkeiten. Doch dazu mehr im Einzelnen.
Einweihung der Monorail in Kairo
Am 20. März 2026 wurde in Kairo die erste Linie des neuen Monorailsystems feierlich eröffnet. Die Einweihung fand im Beisein des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi statt und stellt einen bedeutenden Meilenstein für die Verkehrsinfrastruktur des Landes dar. Mit dem Projekt verfolgt die Regierung das Ziel, die zunehmenden Verkehrsprobleme der Millionenmetropole zu entschärfen und gleichzeitig die neu entstehende Verwaltungshauptstadt effizient an das bestehende Stadtgebiet anzubinden.
Die in Betrieb genommene Ostlinie hat eine Länge von 56,5 Kilometern und umfasst 22 Stationen. Sie verläuft vom Bereich des Stadions im Osten Kairos bis tief in die neue Hauptstadt hinein. Der Fahrbetrieb läuft vorläufig noch in eingeschränkter Form, um den Betriebsablauf zu stabilisieren. Eine zweite Linie im Westen der Stadt befindet sich weiterhin im Bau und soll nach ihrer Fertigstellung das Netz auf knapp 100 Kilometer erweitern. Wir hatten hier zuletzt über die Bahn berichtet: https://www.urban-transport-magazine.com/baufortschritt-bei-kairos-monorail-linien/ .



Alle Strecken sind als aufgeständerte Hochbahn ausgeführt, wodurch sie unabhängig vom Straßenverkehr betrieben werden können und eine hohe Zuverlässigkeit gewährleisten sollen.
Die Monorail ist vollständig automatisiert und nutzt moderne Signaltechnik, die fahrerlosen automatischen Betrieb ermöglicht. Mit einer maximalen Geschwindigkeit von rund 80 km/h und einer sehr hohen Beförderungskapazität stellt sie eine leistungsfähige Ergänzung zum bestehenden U-Bahn- und Busnetz dar. Insgesamt gilt das Projekt als aktuell größtes Monorail-Vorhaben mit der längsten Strecke weltweit und als zentraler Bestandteil der ägyptischen Strategie zur Modernisierung des öffentlichen Verkehrs. Alstom als Nachfolger von Bombardier ist der Systemlieferant.


Technische Daten der Fahrzeuge (Kairo)
- Fahrzeugtyp: Alstom (ehemals Bombardier) Innovia 300 Monorail
- Anzahl: 70 Züge (je 4 Wagen)
- Betrieb: vollautomatisch (fahrerlos, CBTC-System)
- Höchstgeschwindigkeit: ca. 80 km/h
- Kapazität: bis zu 45.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung
Eröffnung der Monorail-Linie 17 in São Paulo
Am 31. März 2026 wurde in São Paulo die Monorail-Linie 17 (Linha 17–Ouro) nach jahrelangen Verzögerungen offiziell eröffnet. Ursprünglich war das Projekt bereits für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 vorgesehen, doch technische, finanzielle und organisatorische Herausforderungen führten zu einer erheblichen Verschiebung der Fertigstellung.


Die nun eröffnete erste Ausbaustufe umfasst eine Strecke von etwa 7,5 Kilometern mit acht Stationen. Sie verbindet wichtige Stadtteile im Süden der Metropole und stellt insbesondere eine direkte Anbindung an den Flughafen Congonhas her. Darüber hinaus bestehen Verknüpfungen zu mehreren bestehenden Metro- und Vorortbahnlinien, wodurch die neue Strecke eine wichtige Rolle im integrierten Nahverkehrssystem der Stadt einnimmt. Vorerst findet eine zeitlich eingeschränkter Fahrbetrieb statt, um Fahrzeuge und Anlagen im „Live-Betrieb“ zu erproben.
Langfristig ist ein Ausbau auf nahezu 18 Kilometer mit insgesamt 18 Stationen vorgesehen. Wie in Kairo handelt es sich auch hier um eine vollständig aufgeständerte Monorail, die unabhängig vom Straßenverkehr betrieben wird. Die Linie wird vollautomatisch gesteuert und bietet eine moderne, klimatisierte und barrierefreie Transportlösung für den städtischen Verkehr.


In Südosten São Paulos besteht schon seit 2014 eine weitere Monorail-Strecke als Linie 15, die von Bombardier technisch ausgestattet und seither mehrfach verlängert wurde. Sie hat allerdings keine Verbindung zur neuen Linie 17.
Technische Daten der Fahrzeuge (São Paulo Linie 17)
- Fahrzeugtyp: BYD SkyRail
- Anzahl: 14 Züge
- Zuglänge: 5 Wagen pro Zug
- Kapazität: ca. 600 Fahrgäste pro Zug
- Automatisierung: GoA4 (vollautomatisch, fahrerlos)
- Energieversorgung: 750 V Gleichstrom (Stromschiene + Batterien)
- Höchstgeschwindigkeit: ca. 80 km/h
Vergleich und Einordnung
Beide Projekte verdeutlichen die wachsende Bedeutung moderner Monorail-Systeme im urbanen Verkehr. Während in Kairo ein großflächiges, leistungsstarkes Netz entsteht, das eine strukturelle Entlastung der gesamten Metropolregion bewirken soll, handelt es sich in São Paulo eher um eine gezielte Ergänzung des bestehenden Verkehrsnetzes mit Fokus auf spezifische Verbindungen wie die Flughafenanbindung.
Gemeinsam ist beiden Systemen die automatisierter Betriebsführung und die Führung als aufgeständerte Trassen, wodurch eine hohe Unabhängigkeit vom Straßenverkehr erreicht wird. Die Entwicklungen in beiden Städten, aber auch an diversen anderen Orten auf der Welt, lassen erkennen, dass Monorails zunehmend als zukunftsfähige Lösung für die Verkehrsprobleme wachsender Großstädte betrachtet werden – zumindest außerhalb Europas.


