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24 Mercedes-Benz eCitaro Elektrobusse für Darmstadt

Demonstration trip to the city centre: eCitaro G no. 425 at Schlossgraben | © Christian Marquordt

„HEAG mobilo“, das Nahverkehrsunternehmen der „Wissenschaftsstadt“ Darmstadt, lud am 27. August 2021 zur Präsentation von 24 Elektrobussen aus dem Haus Mercedes-Benz auf den Betriebshof Böllenfalltor ein. Bei diesen neuen Wagen handelt es sich um 11 Solowagen mit einer Länge von 12 Metern des Typs „Mercedes-Benz eCitaro“ (Wagennummern 333 bis 343) und um 13 Gelenkwagen mit einer Länge von 18 Metern (Wagennummern 415 bis 427). Nebenbei: mit den neuen Elektro-Gelenkbussen wächst der Anteil der Gelenkbusse am Wagenpark. HEAG mobilo-Chef Dirmeier: „Mit den neuen Gelenkwagen bieten wir unseren Fahrgästen mehr Komfort, indem wir ihnen mehr Platz bieten.“ Die Entscheidung für die Busse aus dem Haus Mercedes-Benz fiel aufgrund einer europaweiten Ausschreibung.

Bei der Präsentation von links nach rechts: Thomas Schmidt (Geschäftsführer Entega), Michael Kolmer (Mobilitätsdezernent der Stadt Darmstadt), Michael Dirmeier (Geschäftsführer HEAG mobilo) und Jochen Partsch (Oberbürgermeister Darmstadt) | © Christian Marquordt

Und auch wenn die öffentliche Vorstellung erst am 27. August war, sind die neuen Busse doch schon seit dem 23. August im Einsatz.

Zusammen mit den schon im vergangenen Jahr in Dienst gestellten sechs Mercedes eCitaro Wagen 327 bis 332 hat HEAG mobilo damit schon 30 Elektrobusse auf Linie. Damit verfügt Darmstadt über eine der zurzeit größten Elektrobus-Flotten in Deutschland. Oder anders: insgesamt verfügt die HEAG mobilo aktuell über 88 Busse. 30 von denen – und damit etwas mehr als 33 % oder ein Drittel – sind schon heute Elektrobusse. Darauf ist man bei HEAG mobilo stolz.

Wagen 332, eCitaro aus der Lieferung von 2020, wirbt mit einer Totalwerbung für die Batterien, die ihn antreiben: Akasol. Dirmeier: „Die Batterien kommen aus unserer Stadt.“ | © Christian Marquordt

Michael Dirmeier, der Geschäftsführer der HEAG mobilo, betonte bei der Vorstellung der neuen Elektrobusse, dass sie nicht nur auf den innerstädtischen Linien Darmstadts eingesetzt werden sollen, sondern auch auf die Linien ins Umland kommen werden. Was der Verfasser bestätigen kann: am Tag der Präsentation lief einer der neuen Elektro-Gelenkwagen auf Linie O in die Nachbargemeinde Ober Ramstadt. (Anmerkung: Darmstadt hält bis heute an einer Besonderheit fest, die auf eine Empfehlung für die öffentlichen Verkehrsbetriebe aus den dreißiger Jahren zurückgeht: Straßenbahnlinien haben Liniennummern, während Buslinien mit Buchstaben bezeichnet werden. Schon damals haben die wenigsten Verkehrsbetriebe das auch tatsächlich umgesetzt …)

Jochen Partsch, Darmstadts Oberbürgermeister: „Die Auswirkungen der Elektromobilität auf die Umwelt sind auch vor Ort zu spüren. Darmstadt wächst, Darmstadt braucht mehr Mobilität, aber die muss modern und umweltverträglich ein. Mit den 24 neuen Fahrzeugen leistet die HEAG mobilo einen großen Beitrag zu einem besseren Stadtklima. Außerdem sinkt durch die Elektrobusse die Lärmbelastung.“

Michael Kolmer, der Mobilitätsdezernent der Darmstädter Stadtverwaltung, hob hervor, dass von den neuen Bussen auch die Fahrgäste profitieren. Und das sei auch gut für die Mobilitätswende, denn „nur mit attraktiven Angeboten können wir die Menschen auch weiterhin für den ÖPNV begeistern.“ Er freue sich besonders, dass bei der Umstellung des Busverkehrs auf Elektromobilität zwei Unternehmen der Stadtwirtschaft zusammenarbeiten, nämlich der Verkehrsbetrieb und der städtische Elektrizitätsversorger Entega.

Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Entega, sagte: „Entega hat im Stromnetz die Voraussetzung dafür geschaffen, das Projekt Ladestation für Elektrobusse in Darmstadt umzusetzen.“ Zurzeit sei ein intelligentes System für das Lademanagement der Busse in Planung. Damit solle erreicht werden, die Busse optimal auf die einzelnen Ladegeräte zu verteilen und einsatzbereit zu halten. Zugleich sorge das Lademanagement dafür, dass das Stromnetz möglichst wenig belastet wird und die Stromkosten gesenkt werden.

Betriebshof Böllenfalltor, Transformatorenstation (links) und Wechselrichter | © Christian Marquordt

Die Elektrobusse der HEAG mobilo sind so genannte „Depotlader“. Sie werden während der nächtlichen Betriebspause in ihrer Abstellhalle am Böllenfalltor aufgeladen – übrigens mit 100 % Ökostrom – fahren dann auf ihre Linie aus und kehren erst am Abend auf den Betriebshof zurück, ohne dass unterwegs auf der Linie hätte nachgeladen werden müssen. Der Vorteil dieses Ladekonzepts liegt auf der Hand: da die Wagen nicht nur auf Linien laufen können, in deren Verlauf es Nachladestation(en) gibt, können sie freizügig im gesamten Netz auf jedem Kurs eingesetzt werden.

Im Betriebshof Böllenfalltor gibt es eine Halle, in der die Ladeinfrastruktur für die Elektrobusse konzentriert ist. Von einer zentralen Einheit unter der Decke werden die zurzeit 56 Ladeplätze für die einzelnen Busse versorgt. 56 Ladeplätze? Ja, richtig, denn schon im kommenden Jahr 2022 sollen weitere 22 Elektrobusse in Darmstadt in Betrieb gehen.

Die Ladeplätze für die einzelnen Busse sehen so aus, dass von der Hallendecke ein langes Kabel herabhängt, das einfach über Combo-Stecker an den Bus angeschlossen wird.

Von der Decke der Halle hängen die Kabel für die einzelnen Ladeplätze herab | © Christian Marquordt
Ladekabel über Combo-Stecker verbunden mit dem Bus | © Christian Marquordt

Die neuen Wagen haben eine Batteriekapazität von 384 kWh, die den Solowagen eine Reichweite von 220 Kilometern und den Gelenkwagen eine solche von 170 Kilometern ermöglicht. (Anmerkung: Mercedes ist bei den Angaben zu den Reichweiten seiner Elektrobusse eher zurückhaltend.) Gekostet haben die 24 neuen Busse rund 16 Millionen Euro, wobei das Bundes-Umweltministerium die Anschaffung gefördert hat.

Nie zuvor in ihrer Unternehmensgeschichte hat die HEAG (mobilo) gleich 24 Busse auf einmal beschafft. Dass es jetzt anders kommt, führt sich auf betont ehrgeizige Pläne des Betriebs zurück: schon 2025 (also in wenig mehr als drei Jahren) sollen in Darmstadt nur noch Elektrobusse unterwegs sein. Bis dahin sind noch zwei Drittel des Fuhrparks auszutauschen. Da muss man schon mal „ranklotzen“ … HEAG mobilo-Chef Dirmeier: „Wir mustern jetzt in größerer Zahl ältere Dieselbusse aus. Die ältesten Dieselwagen, die wir noch im Einsatz haben, sind vom Jahrgang 2014. Das ist für einen modernen Bus „kein Alter“, die Wagen sind absolut fit, haben für Gebrauchtwagen eine sehr geringe Laufleistung, und entsprechend begehrt sind sie auf dem Gebrauchtbusmarkt. Sie werden uns „aus der Hand gerissen.“

Den Abschluss der Präsentation bildete eine Demonstrationsfahrt mit Wagen 425, einem der viertürigen Gelenkwagen, in die Stadtmitte. Dabei ist die Fahrbahndecke der Straße, die vom Betriebshof Böllenfalltor stadteinwärts führt, derzeit in einem eher schlechten Zustand. Um so besser: Wagen 425 konnte eindrucksvoll vorführen, dass er gut gefedert ist …      

Daten zu den neuen Elektrobussen der HEAG mobilo

Länge:  12.000 mm (Solowagen) bzw. 18.000 mm (Gelenkwagen)

Fahrgastkapazität: 72 Fahrgäste (Solo) bzw. 136 Fahrgäste (Gelenk)

Batteriekapazität: 384 kWh

Ladezeit: ca. 3 Stunden

Strom: Ökostrom

Reichweite: 220 km (Solo) bzw. 170 km (Gelenk)

V/max: 80 km/h

Fahrgeräusch: 72 dBA

Anschaffungspreis: 580.000 Euro (Solo) bzw. 720.000 Euro (Gelenk)

Diesel-Kraftstoff-Einsparung für alle Wagen pro Jahr: 2,5 Mio Liter

CO2-Einsparung für alle Wagen pro Jahr: 6.600 to

Werkfoto von Mercedes-Benz von einem der neuen Elektro-Gelenkbusse (Nr. 423)
Schon auf Linie: Wagen 340, wie alle anderen Solowagen auch ein Dreitürer | © Christian Marquordt
06.09.2021
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