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Erneuter Bürgerentscheid zur Stadt-Umland-Bahn Nürnberg-Erlangen-Herzogenaurach

von Erik Buch
© Claus Hirche / Zweckverband StUB

Schon seit langen Jahren ist sie geplant, und nach nahezu endlosen und immer wieder neuen Diskussionen vor allem auf politischer Ebene sollte nun endlich zeitnah mit dem Bau begonnen werden. Die Rede ist von der rund 26 km langen Verbindung der drei Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach in diesem dichtbesidelten Teil Mittelfrankens durch eine moderne Überlandstraßenbahn, die gleichzeitig wichtige Funktionen auch im Stadtverkehr wahrnimmt. Stadt-Umland-Bahn (StUB) wird das Großprojekt genannt. Doch es gilt, noch eine weitere Hürde zu nehmen: In Erlangen steht am 9. Juni 2024 erneut ein Bürgerentscheid pro oder contra StUB an, am gleichen Tag findet auch die Europawahl statt. Die politischen Parteien im Stadtparlament haben sich dazu unterschiedlich positioniert, insbesondere die CSU spricht sich aktuell gegen das Projekt aus.

© Zweckverband StUB
Erlangen Süd | © Claus Hirche / Zweckverband StUB

Schon einmal hatten sich die Erlanger für die Realisierung der Bahn ausgesprochen, im Jahr 2016. In der Kooperationsvereinbarung zwischen CSU und SPD wurde seinerzeit festgehalten, dass erneut über die StUB abgestimmt werden soll, sobald die wichtigsten Fakten für das Straßenbahnprojekt auf dem Tisch liegen. Nun ist es also soweit.

Als leistungsfähige und nachhaltige Verkehrsalternative soll die StUB dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen und Mobilitätsbedürfnis gerecht werden und dabei Wohn-, Ausbildungs- und Wirtschaftsstandorte in der Region miteinander verbinden. Im Rahmen eines mehrjährigen intensiven Beteiligungsprozesses hat der eigens für die Projektrealisierung gegründete Zweckverband Stadt-Umland-Bahn gemeinsam mit den beteiligten Städten eine unter Abwägung sämtlicher Kriterien optimierte Streckenführung erarbeitet. Der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn (ZV StUB), mit seiner Geschäftsstelle in Erlangen, ist für die Planung, den Bau und Betrieb der StUB zuständig. Mitglieder des ZV StUB sind die drei Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach. Verbandsvorsitzender ist derzeit Dr. Florian Janik, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen.

Die Finanzierung des Millionen-Projekts ist ebenfalls schon geklärt: Bund und Land übernehmen 90% der förderfähigen Bau- und Planungskosten. Damit ergeben sich nach aktueller Kostenschätzung Städteanteile von rund 27 Millionen Euro für Nürnberg, 82 Millionen Euro für Erlangen und 22 Millionen Euro für Herzogenaurach. Mit Gesamtkosten von rund 635 Millionen Euro Bau- und rund 95 Millionen Euro Planungskosten fließen damit mehr als eine halbe Milliarde Euro zweckgebundener – d.h. ausschließlich an das Projekt StUB gekoppelter – Fördergelder in die Region. Auch hinsichtlich der zukünftigen Betriebs- und Unterhaltskosten für die StUB herrscht Klarheit: Diesen stehen Fahrgasteinnahmen und Einsparungen im Busnetz gegenüber. Aktuellen Berechnungen zufolge, kostet die StUB der Stadt Erlangen damit ca. 10% des Verlustausgleichs für den Stadtverkehr. 2022 lag dieser bei ca. 12 Millionen Euro, somit entsprechen 10% rund 1,2 Mio. Euro.

Heute steigen die Fahrgäste am Nürnberger Stadtrand an der Endstelle „Am Wegfeld“ der Tram auf Busse nach Erlangen um. Die künftige Verlängerung als Stadtbahn nach Erlangen beginnt hier | © Budach

Doch was bringt die StUB? „Es geht nicht darum, mit der StUB künftig die schnellste Verbindung von der Endhaltestelle in Herzogenaurach bis zum Hauptbahnhof in Nürnberg zu realisieren“, erklärt Mandy Guttzeit, Geschäftsleiterin des Zweckverband Stadt-Umland-Bahn, „sondern darum, attraktive und barrierearme Umsteigebeziehungen zu bestehenden Verkehrssystemen, wie Bus und Bahn, aber auch Fahrrad und Auto, zu schaffen. Am Beispiel der neuen Wöhrmühlbrücke wird das besonders deutlich: So können bspw. Mitarbeitende des Klinikums am Europakanal künftig mit der StUB in ca. zehn Minuten den Bahnhof in Erlangen erreichen, um dort in den Zug nach Nürnberg einzusteigen – das entspricht einer Fahrzeitverkürzung von rund 60 %.“ Von der neuen Regnitzquerung werden darüber hinaus auch das Erlanger Busnetz sowie Einsatz- und Rettungsfahrzeuge profitieren.

Besonderes Interesse an der Umsetzung der Pläne haben neben den Bürgern auch diverse Großunternehmen wie Siemens, Adidas, Puma und Schaeffler, die ihre Standortplanung darauf mit ausgerichtet haben, ebenso wie die Universität.

Es bleibt also spannend zu boebachten, wie die Wähler im Juni entscheiden werden und ob es gelingt, für ein solch großes Infrastrukturprojekt den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung der Großstadt Erlangen mit ihren rund 118.000 Einwohnern zu bekommen.

11.03.2024
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Michael Kujawa
Michael Kujawa
3 Monate zuvor

Prima – aber beileibe nicht zu ersten Mal dauert es in Deutschland viel zu lange, bevor ein gutes Projekt umgesetzt ist. Wieder einmal wiehert fröhlich der Amtsschimmel, und der Paragraphenreiter reitet durch Nacht und Wind.