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Gera darf (nur) sechs neue Niederflurstraßenbahnen bestellen

Die Geraer Verkehrsbetriebe verfügt nach wie vor über 22 hochflurige KT4D I © Yannick Albert

Bei zahlreichen Verkehrsbetrieben in den neuen Bundesländern steht der Ersatz der betagten Hochflur Tatra Bahnen an. Auch Gera plant den Ersatz der Tatrawagen, von denen derzeit noch 22 KT4D der Baujahre 1981 – 1983/ 1990 sowie sechs KTNF8 mit Niederflurmittelteil aus dem Jahr 1990 im Einsatz stehen. Darüber hinaus gibt es 12 Alstom LHB Niederflurbahnen aus den Jahren 2006 – 2008.

Im Stadtrat haben die Parteien monatelang über die Straßenbahnbeschaffung diskutiert. Dabei ging es im Wesentlichen um die Finanzierung der neuen Flotte. Laut eines MDR Berichtes entschied sich die Mehrheit aus AfD und CDU gegen einen Vorschlag von Linken, SPD und Grünen durch, der den Kauf von bis zu 12 neuen Straßenbahnen vorsah. Aufgrund des Entscheids kann Gera jetzt nur sechs neue Niederflurstraßenbahnen beschaffen. Linke, SPD und Grüne wollten gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe, Torsten Rühle, doppelt so viele neue Bahnen beschaffen, um die alten Hochflurbahnen zu ersetzen.

Nicht nur aus Kundensicht, sondern auch aus einer betriebs- und volkswirtschaftlichen Perspektive ist diese Entscheidung durchaus zweifelhaft. Bekanntlich sind die Anpassungs- und Produktionskosten für maßgeschneiderte Niederflurstraßenbahnen relativ hoch, so dass sich eine Kleinserie sehr wahrscheinlich in einem dementsprechend hohen Preis führen wird. Hinzu kommt, dass der Neukauf durch das Land Thüringen zu 50 % gefördert würde. Ein weiteres Argument der Verkehrsbetriebe ist die steigende Wartungsanfälligkeit der bis zu 40 Jahre alten Tatrabahnen.

Wie geht es weiter?

Laut MDR-Artikel verwiesen die Grünen Politiker auf das Landesverwaltungsamt, da eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für die Beschaffung von sechs Fahrzeugen fehlt. Da die Frist für den Fördermittelantrag jedoch am vergangenen Freitag, 5. Juni endete, war Zugzwang erforderlich. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass tatsächlich lediglich sechs Fahrzeuge ausgeschrieben werden, obwohl die Verkehrsbetriebe 10 – 12 Neufahrzeuge benötigen, um die Flotte aus 22 KT4D, die jeweils in Doppeltraktion verkehren, zu ersetzen. Geplant ist, 30 Meter lange Niederflurstraßenbahnen zu beschaffen, die ab dem Jahr 2024 ausgeliefert werden sollen.

13.06.2020

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