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Indien: Batterie-Trolleybusse auf Eigentrasse als Alternative zum Metrobau

Konzeptbild Haltestelle auf Hochtrasse | © Maha Metro for Nashik / @metrorailpune on Twitter

SCHWERPUNKTTHEMA: Alternative Antriebe

Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist in vielen indischen Städten dringend nötig, doch der bislang forcierte Bau von Metros und Schnellbahnen stößt oft an Grenzen: Der Bau dauert lang und ist sehr kostenintensiv. Für schnelle Fortschritte speziell in diversen mittelgroßen Städten gibt die indische Zentralregierung nun einem anderen Verkehrssystem den Vorrang.

Eine politische Entscheidung

Sie hat Ende Oktober 2020 den Beschluss gefasst, die Einführung von Batterie-Trolleybussen auf Eigentrasse, in der Regel aufgeständert oder in Hochlage, umfassend zu fördern. Damit soll eine ernsthafte Alternative zum Bau von Metrolinien angeboten werden. Die Anlagekosten solcher BRT-Trolleybussysteme werden mit nur einem Zehntel der Kosten für die Neuanlage von Metrosystemen und nur einem Drittel derer für den Bau von Stadtbahnen/Light Rail Systemen. Zudem sind die Anlagen durch die kombinierte Mitnutzung durch herkömmliche Buslinien im Zulauf viel leichter skalierbar – der Aufbau integrierter System geht deutlich schneller als bei alternativen Verkehrssystemen.  Eine entsprechende Erklärung wurde vom Secretary of the Ministry of Housing & Urban Affairs veröffentlicht.

Unter mittelgroßen Städten verstehen die Behörden Ballungsräume von bis zu einer Millionen Einwohnern. Aber auch Vorstädte in noch größeren Agglomerationen könnten dafür in Frage kommen. Als geeigneten Linien werden solche mit weniger als 15.000 Passagieren “Peak Hour Per Direction Traffic” (PHPDT) angesehen.

Metro Neo Nashik

Ein erstes Anwendungsbeispiel befindet sich im Großraum Nashik im Bau, in der Provinz Maharashtra rund 150 nordöstlich von Mumbai gelegen. Zwei zusammen 32 km lange Linien, die weitgehend aufgeständert auf Hochtrasse verlaufen werden, sind dort vorgesehen, die entsprechenden Genehmigungen wurden seit 2019 erteilt und im Januar 2021 konnte auch die Finanzierung durch die Bewilligung öffentlicher Mittel abgesichert werden. Bauvorleistungen wurden erbracht, die wesentlichen Hochbauarbeiten starten. 2023 ist die Betriebsaufnahme den ersten Teilstrecken vorgesehen.

Zwei Hauptlinien sind für die “Metro Neo Nashik” in der ersten Ausbauphase geplant, die erste führt von Gangapur nach Mumbai Naka über 10 km Länge und 10 Stationen (Gangapur, Jalapur, Ganpat Nagar, Kale Nagar, Jehan Circle, Thatte Nagar, Shivaji Nagar, Panchavati, CBS, Mumbai Naka). Die zweite Hauptlinie führt von Gangapur bis Nashik Road Über 22 km und 15 Stationen (DHRUV Nagar, Shramik Nagar, Mahindra, Shaneshwar Nagar, Satpur Colony, MIDC, ABB Circle, Parijat Nagar, MICO circle, CBS, Sharda Circle, Dwarka Circle, Gayatri Nagar, Samta Nagar, Gandhi Nagar, Nehru Nagar, Datta Mandir, Nashik Road). CBS wird Umsteigepunkt zwischen beiden Linien. Ergänzt werden sie durch zwei Haupt-Zulauflinien, die ebenfalls auf Teilstrecken die Hochtrasse mitbenutzen werden: a) Satpur colony – Garware – Mumbai Naka und b) Nashik Road – Nandur Naka – Shivaji Nagar.

Streckenplan | © Maha Metro for Nashik
Fahrzeugkonfiguration

Zum Einsatz kommen werden Gelenk- und Doppelgelenk-Trolleybusse mit ausreichend starken Traktionsbatterien für Fahrten abseits der Fahrleitung auf den Hauptlinien. Deren Batterien werden bei der anschließenden Fahrt auf Abschnitten unter der installierten, zweipoligen Trolleybus-Oberleitung mit 750V= wieder aufgeladen – es entsteht damit kein Zeitverlust durch Nachladen an den Endstationen, der zu zusätzlichem Fahrzeug- und Personalbedarf und damit Kosten führt. Für die Zulauflinien sind wahlweise ebenfalls Batterie-Trolleybusse als Solo- oder Gelenkwagen vorgesehen oder alternativ reine Batteriebusse.

Eine erste Ausschreibung über die Beschaffung der ersten 50 Fahrzeuge bekanntgegeben: Bis Anfang Mai müssen die Interessenten die sogenannte „Expression of Interest“ (EOI) abgeben, angeschafft werden zunächst 36 Doppelgelenkwagen und 14 Gelenkwagen. Ausschreibende Stelle ist die Maharashtra Metro Rail Corporation Limited (MAHA-METRO), die vollständig im Besitz der öffentlichen Hand ist.

Die gesamten Anlagekosten werden mit rund 25 Mio. EUR ohne Fahrzeugbeschaffung angegeben – zweifellos ein attraktiver Wert im Vergleich zu jeder Art von Schienenverkehrsanlage, bei geringerer Kapazität, aber größerer Flexibilität bei der Integration bestehender Busverkehrsnetze.

© Maha Metro for Nashik / @metrorailpune

Weitere Projekte auf dem Weg

Nach Nashik wird aktuell auch schon die zweite neue Batterie-Trolleybus-Anlage nach BRT-Standard auf den Weg gebracht. Bei der Zentralregierung wurde Anfang April 2021 das Detailprojekt für den Bau einer solchen Anlage in der Stadt Warangal vorgelegt, mit dem Ziel, Fördermittel beantragen zu können. „Warangal Metro Neo“ ist der Projektname für die Anlage, die im ersten Schritt den Bau einer 15,5 km langen Trasse mit 21 Stationen vorsieht, davon 8,4 km aufgeständert. Sie soll zwischen den Bahnhöfen Kazipet und Warangal verkehren, 2024 könnte die Inbetriebnahme der ersten Teilstrecke sein. Vorgesehen sind auch hier Gelenk- und Doppelgelenk-Batterie-Trolleybusse. Auf der Eigentrasse soll ein ATP (Automated Train Protection) System installiert werden. Maharashtra Metro Rail Corporation Limited tritt als Berater bei dem Projekt auf. Ein weiteres, ähnliches Projekt ist für den Raum Dehradun / Rishikesh / Haridwar in Planung.

Es bleibt mit Spannung abzuwarten, inwieweit sich diese ersten Systeme bewähren und als Vorbild für weitere Anlagen dienen können, wie von der Regierung geplant.

Informationen zu den neuen Projekten auch unter: https://www.trolleymotion.eu/trolleynews/beitrag/?id=9382.

16.04.2021
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Berufshobbyist
Berufshobbyist
3 Monate zuvor

Ist man weitsichtig genug, die „Hochbahnabschnitte“ so zu dimensionieren, daß später auch ein Rad-Schiene-System auf der Trasse untergebracht werden könnte, ohne daß man alles mehr oder weniger neu aufbauen muß?