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Lyon eröffnet sechste Straßenbahnlinie T6 und investiert 1,2 Mrd. Euro in den ÖPNV

Lyon hat am 22. November 2019 seine sechste Straßenbahnlinie eröffnet I © Yvon Brument

Jahrelang war Straßburg die einzige französische Stadt, die über ein Straßenbahnnetz mit sechs Linien verfügte. In Paris und im Pariser Umland gibt es zwar insgesamt acht Straßenbahnlinien, die jedoch nicht miteinander verbunden sind. Mit der Einweihung der sechsten Straßenbahnlinie am 21. November 2019 hat Lyon nun sechs Tramlinien. 

Seit der Rückkehr der Straßenbahn in den Ballungsraum Lyon im Jahr 2001 ist das Straßenbahnnetz in Lyon erheblich gewachsen. Mittlerweile hat das Straßenbahnnetz eine Länge von 66 km und es werden täglich mehr als 365.000 Fahrten mit der Straßenbahn durchgeführt. Darüber hinaus gibt es den 22 km Rhônexpress. Eine Express Straßenbahnlinie zum Flughafen Lyon St. Exupéry.

Mit mehr als 140 U-Bahn-, Bus-, Straßenbahn-, Seilbahn- und Oberleitungsbuslinien ist das Lyoner Verkehrsnetz mit 1,8 Millionen Fahrten pro Tag das größte in Frankreich (nach der Ile de France, der Region Paris). SYTRAL, die örtliche Verkehrsbehörde, verfolgt eine Strategie zur Reduzierung der Autonutzung in Lyon und investiert im Zeitraum 2015-2020 insgesamt 1,2 Milliarden Euro in den ÖPNV. Dazu gehören drei große Infrastrukturprojekte, wovon eines der Bau der Straßenbahnlinie T6 ist. Weitere Projekte sind:

  • Die Verlängerung der U-Bahn Linie B nach Hôpitaux Sud (2,4 km)
  • Eigene Busspuren für die O-Buslinie C3 
  • Verlängerung der Straßenbahnlinie T3 zum Grand Stade (eröffnet im Jahr 2016)
  • Bau eine Park + Ride Parkplatzes in Mermoz
  • Bau eines Busdepots am Bahnhof Perrache

Die Linie T6

Die öffentliche Befragung für die Linie begann im Februar 2015. Die Bauerklärung für die Straßenbahnlinie wurde im November 2016 gegeben und kurz darauf, im Januar 2017 wurde dem Projekt die in Frankreich notwendige „Déclaration d’utilité publique“ (Erklärung der öffentlichen Notwendigkeit) bescheinigt. Die Bauarbeiten begannen im September 2019 und die neue Strecke wurde bereits zwei Jahre später, im Sommer 2019, fertiggestellt. Im Rahmen einer Veranstaltung am Abend des 21. November 2019 wurde die neue Linie nun feierlich in Betrieb genommen. Der Planbetrieb begann am 22. November 2019 mit einer weiteren offiziellen Eröffnungsfahrt.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 161 Millionen Euro, einschließlich 12,7 Millionen Euro für neue Fahrzeuge (siehe unten). Die Linie T6 hat eine Länge von 6,7 km mit 14 Stationen zwischen Debourg und Hôpitaux Est Pinel. Die Fahrzeit von einem Ende zum anderen der Linie beträgt 22 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 19 km/h entspricht.

Der Bau der Strecke ermöglichte es, die Raumnutzung zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern (Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, Verkehrsteilnehmer) neu zu gestalten und so die Lebensqualität zu verbessern. Auf der gesamten Strecke wurde das Projekt von einer Sanierung des öffentlichen Raums mit einer erheblichen Anzahl von Pflanzen, Parks und weitern „Verschönerungen“ begleitet. Fußgängerflächen wurden maximiert und Radwege angelegt.

Die ÖPNV Strategie

Die neue Linie durchquert das 3., 7. und 8. Arrondissement von Lyon sowie die Städte Bron und Vénissieux. Linie T6 nach Debourg ist eine Fortsetzung der im Februar 2014 in Betrieb genommenen Erweiterung der Straßenbahnlinie T1 im Stadtteil Confluence von Debourg. Mit dieser Ringlinie durch dicht besiedelte Gebiete und Stadtteile, die einem tiefgreifenden Wandel unterworfen sind, soll die T6 die ÖPNV Nutzung fördern und insbesondere als Tangente fungieren. Somit sollen nicht alle Wege über das Stadtzentrum führen.

Streckenkarte der Linie T6, die als Tangente fungiert – bei den grün markierten Bereichen handelt es sich um Rasengleisabschnitte I © SYTRAL

SYTRAL hat zum Ziel, ein dichtes ÖPNV-Netzwerk aufzubauen. Daher kann von der T6 auf die Straßenbahnlinien T1, T2, T4 und T5, den U-Bahnlinien B und D sowie zum Mermoz-Pinel Park & Ride mit 418 Stellplätzen umgestiegen werden. Mit dem neuen T6 werden wichtige Unternehmenscluster sowie zahlreiche öffentliche und private Einrichtungen direkt und schnell miteinander verbunden. Es ist geplant, die Linie T6 in Zukunft über Villeurbanne im Norden um 6 km nach Doua zu verlängern.

Mit der Einführung von T6 wird erwartet, dass das TCL-Netzwerk zusätzlich 1,5 Millionen Fahrgäste gewinnen wird. Auf der Linie T6 wird mit 24.000 Fahrgästen pro Tag gerechnet. SYTRAL geht davon aus, dass durch die Verlagerung zugunsten des ÖPNV’s ab 2020 etwa 70 000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden.

Der Wagenpark

Anlässlich der Einweihung wurde die neue Straßenbahnlackierung von Lyon eingeführt. Alle Lyoner Straßenbahnen werden diese Lackierung ab 2025 erhalten. Die Grundlackierung ist immer noch weiß mit roten und grauen Grafiken der Stadt Lyon unterhalb des Fensterbandes. Die Linie T6 wird mit sieben fünfteiligen Citadis 302 Alstom-Straßenbahnen mit einer Länge von 32,4 Metern betrieben. Bisher wurden diese auf der Straßenbahnlinie T4 eingesetzt, wo sie durch längere siebenteilige Citadis 402 ersetzt werden. Derzeit sind in Lyon 70 Citadis-Straßenbahnen im Einsatz.

Die Begrünung der Linie

70% der Strecke verlaufen auf Rasengleis. Darüber hinaus wurde die Linie mit vielen Bäume und Pflanzen begrünt. Insgesamt wurden 650 Bäume von 40 verschiedenen Arten entlang der Linie gepflanzt. Jede Straße hat ihre eigene „Pflanzenidentität“: Ahornbäume in der Simon Fryd Avenue, Eichen in der Challemel Lacour Street, Ulmen neben der Platanenlinie in der Professor Beauvisage Street, Hackberry-Bäume auf dem Michelet Boulevard, Platanen in der Avenue Mermoz, Linden auf dem Pinel South Boulevard und gemischte Bäume auf dem Pinel North Boulevard.

SYTRAL hat außerdem eine neues Regenwasser eingeführt. Entlang der Linie T6 wurden sogenannte Infiltrationsgräben ausgehoben. Sie sind mit Kieselsteinen oder anderen porösen Materialien gefüllt und ermöglichen es dem Regenwasser, direkt in den Boden zu gelangen, ohne die sanitären Netze zu passieren. Diese Lösung vermeidet die Sättigung der Kläranlage und begrenzt auch das Hochwasserrisiko bei starken Gewittern.

30.11.2019

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