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1955: Weltpremiere des Setra S 6

Setra S 6 beim sechzigjährigen Jubiläum am 22. September 2015 an Schloss Moritzburg bei Dresden | © Christian Marquordt

Auf dem Automobilsalon im März 1955 in Genf feierte Setra eine Weltpremiere. Der Busbauer aus Ulm zeigte erstmals den kleinsten Bus, der je seine Werkshallen verlassen hat: den Setra S 6. Er war der dritte Bustyp der erst 1951 mit dem Setra S 8 von Kässbohrer aus der Taufe gehobenen neuen Busmarke Setra und gehörte zu deren erster Baureihe, der Baureihe S 10.

Der Setra S 6 war wahrlich ein Kleiner. Bei einer Länge von nur 6,70 Metern konnte er maximal 25 Fahrgäste befördern – heute nennen wir so ein Fahrzeug „Midibus“.

Der kleine Setra war bei den Busunternehmern sehr beliebt. In den neun Jahren, in denen er in Ulm gefertigt worden ist, hat die stattliche Zahl von 1.172 Wagen dieses Typs die Werkshallen an der Kässbohrerstraße verlassen. Und langlebig war und ist er: noch heute sind einige Setra S 6 auf unseren Straßen unterwegs. Zwar sind die wenigsten von ihnen noch richtige Busse, aber als Wohnmobil hat mancher S 6 überlebt.

1984 übernahm Firma Wiedenhoff aus Solingen diesen Setra S 6 als historischen Bus von Firma Lambert aus Saarlouis. Zuvor hatte Wiedenhoff als Wagen 78 einen Setra S 6 gehabt – der Wagen von Lambert wurde jetzt als Wiedenhoff 78 aufgearbeitet. Foto vom 6.7.1984 im Wiedenhoff-Betriebshof in Leichlingen-Witzhelden |© Christian Marquordt

Restaurierter S 6 der Firma Fass aus Wilhelmshaven | © Dirk Budach

Setra S 6 als Wohnmobil | © Dirk Budach

Angesichts der nur geringen Länge des Wagens stand für den Antriebsstrang im Heck des Busses nur wenig Platz zur Verfügung. Die Konstrukteure lösten das Problem, indem sie Motor, Getriebe und Differential zu einem „Block“ zusammenfassten und damit Kraft-Übertragungswege zwischen den Elementen des Antriebsstrangs sparten.

Sogar zum richtigen Linienbus hat der Setra S 6 es gebracht. Die Berliner BVG hatte ein paar dieser Wagen, zum Beispiel für die Linie von Kladow zur „Siedlung Hottengrund“. (Da laufen heute Midibusse des türkischen Herstellers Otokar.)  

Auch nach 1964 hat Setra weiter Midibusse gebaut. Unmittelbarer Nachfolger des S 6 war der Setra S 7, von dem 148 Exemplare gebaut wurden, und nach weiteren zwei Jahren schließlich in leicht veränderter Version das Modell S 80. S 7 und S 80 waren aber doch schon deutlich größer, sie konnten 34 Fahrgäste mitnehmen. Der S 80 blieb von 1968 bis 1977 im Programm, 1.246 Exemplare dieses Typs verließen die Werkshallen.

Einer der wenigen gebauten Setra S 7 bei der Firma Leeker in Borgholzhausen 1985 | © Dirk Budach


Setra S 80 für Linien- und Gelegenheitsverkehr der Firma Gaumann, Sulingen, im Jahr 1988 | © Dirk Budach


Die Firma Hochfellner aus Limburg hatte einen der S 208 H | © Dirk Budach



Im Mai 1979 erschien als nächster Kleiner aus dem Haus Setra der S 208 H. Mit ihm wurden die Midibusse von Kässbohrer schon deutlich „erwachsener“. So gab es den S 208 H schon mit richtigen Schlafsesseln – ganz wie bei einem „ausgewachsenen“ Bus.

1983 folgte mit dem S 210 HD der erste Hochdecker unter den Midibussen von Setra. Seine Länge betrug 9.340 mm – im Vergleich zum Setra S 6 fast ein Drittel mehr. 1994 kam mit dem S 309 HD der Midibus der Setra-Baureihe 300 auf den Markt. Bei einer Länge von 8.870 mm konnte er 33 Fahrgäste befördern. Mit der Baureihe 400 kam als Kleinster der S 411 HD, der schon 10.166 mm lang war.

Und aktuell ist der kleinste Setra-Bus der 10.465 mm lange S 511 HD. Ihn gibt es auf Wunsch mit allem erdenklichen Luxus. So kann zum Beispiel auch eine richtige Bordküche geliefert werden. Aber mit einer Länge von zehneinhalb Metern ist der S 511 HD ja auch dem, was man gemeinhin unter einem Midibus versteht, denn doch entwachsen …

Technische Daten zum Setra S 6

Bauzeit:  1955 bis 1964
Insgesamt gebaut: 1.172 Wagen
Länge:  6.700 mm
Breite:  2.250 mm
Motor:  Henschel
Motor, Getriebe und Differential sind platzsparend in einem „Block“ zusammengefasst, Einzelradaufhängung vorn, Schwingachse hinten
Großzügige Panorama-Verglasung

Literaturhinweis:
Hanke, Dieter: 75 Jahre Omnibusbau bei Kässbohrer, Omnibusspiegel Sonderdruck, Bonn 1986

16.04.2020

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