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Die Straßenbahn Nordhausen nach der Wende

Ex-Erfurter Gelenkwagen 54 in der Oberstadt auf Linie 1 | © Dirk Budach

Während in Westdeutschland die Straßenbahn nur in Großstädten überlebte, gab es auf dem Gebiet der DDR zur Zeit der politischen Wende im November 1989 noch eine Anzahl von Kleinstadtbetrieben, die sich über die Zeit retten konnten. Dazu gehörte auch die Stadt Nordhausen am Südrand des Harzes. Sie zählte 1989 rund 52.000 Einwohner, heute sind es gut 41.000.

Auf gerade einmal fünf Kilometer Meterspurgleisen fuhren damals zwei kurze Linien. Sie unterschieden sich dabei hinsichtlich ihrer Infrastruktur und der Betriebsabwicklung recht deutlich: Die 3,2 km lange „Hauptlinie“ 1 verkehrte vom Bahnhof zum Krankenhaus im Norden der Stadt, durchgehend zweigleisig und mit Wendeschleifen an beiden Endpunkten für den Einsatz von Gotha G4-Gelenkwagen mit schwebendem Mittelteil. Auf der nur 1,7 km langen Linie 2 vom Abweig Arnoldstraße zur Parkallee pendelten dagegen Zweirichtungs-Zweiachser der Bauart Gotha auf der durchweg eingleisigen Strecke.

Der Fahrzeugpark bestand ganz überwiegend aus Gebrauchtwagen von anderen Betrieben. So stammten alle Gotha G4 -Gelenkwagen aus Erfurt, und auch bei den Gotha-Zweiachsern waren die meisten zuvor bei anderen Betrieben im Einsatz. Beiwagen gab es keine, die neuesten Triebwagen stammten vom Ende der sechziger Jahre.

Unser Bildbericht zeigt den Betrieb im Jahre 1990, bevor die ersten Gebrauchtwagen aus Stuttgart (und später Freiburg) den Wagenpark ersetzten. Inzwischen wurde das Netz erweitert, sogar ein Gemeinschaftsverkehr mit Zweisystemtriebwagen wurde auf der Teilstrecke der Harzer Schmalspurbahnen eingerichtet, und schon vor etlichen Jahren ersetzten moderne Niederflur-Triebwagen vom Siemens-Typ Combino alle Gebrauchtwagen. Wer die Bahn zuletzt 1990 besucht hat, für den ist sie heute – 30 Jahre später – kaum wiederzuerkennen.

Bildergalerie (Öffnen durch Klick):

Alle Bilder: © Dirk Budach im Januar, Juni und November 1990

11.04.2020