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Barrierefreie Zugänge und noch mehr Pläne in Bielefeld

Neue Station Markstraße mit Hochbahnsteige | © D. Budach

Bielefeld ist etwas Besonderes – ja, das werden wohl viele Bielefelder sagen, die an die angenehme Lebensqualität in ihrer nach außen eher unscheinbaren Stadt denken. Besonders ist die Stadt aber auch wegen ihres urbanen Schienenverkehrs: Hier gibt es die einzige schmalspurige Stadtbahn mit Hochbahnsteigen im Land. Sie entstand Schritt für Schritt aus der früheren, meterspurigen Straßenbahn und fährt im Zentrum durch einen 4 km langen Tunnel.

Die Linie 4 von der neuen Endstelle Dürkopp Tor 6 mündet nahe der neuen Haltestelle Markstraße in die Linie 3 ein | © UTM/db

Mehr Hochbahnsteige

Doch konnten bis heute nicht an allen Stellen im Netz Hochbahnsteige auch tatsächlich errichtet werden. Um den barrierefreien Zugang überall umsetzen zu können, entstehen nach und nach weitere Hochbahnsteige, auch wenn die städtebauliche Integration nicht an allen Stellen leicht umzusetzen ist. Letzte „Neuzugänge“ waren die ganz neu gestalteten Haltestellen Krankenhaus Mitte und Marktstraße im Zuge der Linie 3, in Betrieb seit 2. Dezember 2019. Die Station Marktstraße ersetzte dabei die bisherigen Haltestellen August-Schröder-Straße und Ravensberger Straße und befindet sich ganz in der Nähe der ebenfalls 2019 in Betrieb genommenen, neuen Endstelle Dürkopp Tor 6 der Linie 4, siehe unser Bericht vom Mai vergangenene Jahres: https://www.urban-transport-magazine.com/strassenbahn-zum-tor-6-in-bielefeld/. Der Umbau der Haltestelle Sieker-Mitte im weiteren Verlauf der Linie 3 soll im Herbst beginnen zur Fertigstellung in 2021, die neue Anlage wird auch zur Aufgabe der nahen Station Hartlager Weg führen, was allerdings zu kontroversen Diskussionen geführt hat. Es verbleiben damit noch die Stationen August-Bebel-Straße und Teutoburger Straße (Li. 2) und Langestraße (L.3) als letzte nicht barrierefreie Anlagen für den Planverkehr, deren Umbau noch aussteht. Die Haltestellen August-Bebel-Straße und Teutoburger Straße sollen durch Hochbahnsteige für mobilitätseingeschränkte Personen in Zukunft besser nutzbar sein. Hier befindet sich moBiel in der Planungsphase.

Im darauffolgenden Jahr 2022 ist auch der Umbau der beengten Hauptstraße im Stadtteil Brackwede vorgesehen, im Rahmen eines weitergehenden Umgestaltungsprojekts des Stadtviertels. Da aber die Gleise hier schon jetzt dringend erneuerungsbedürftig waren, musste der Verkehrsbetrieb „moBiel“ schon in diesem jahr zweimal den Betrieb unterbrechen und Gleisbauten einleiten. Die Stadtbahnlinie 1 endete derweil im Frühjahr an der Gaswerkstraße und jetzt im Sommer an der ansonsten nicht bedienten Endstelle Obernstraße, die Fahrgäste mussten auf die verlängerte Buslinie 135 bis Senne umsteigen, zuletzt vom 27.Juli bis 9.August 2020.

Hauptstraße in Brackwede vor dem Ausbau in 2018 | @ D. Budach

Zwischenendstation Obernstr. mit Niedrigbahnsteig | © D. Budach

Schienenersatzverkehr mit der Buslinie 135 am Brackweder Bahnhof | © D. Budach

Umbauten im Zentrum betreffen seit Juli 2020 auch den zentralen Jahnplatz, um künftig das Umsteigen zwischen Bus und Bahn zu erleichtern.

Streckenausbauten

Neben der Verbesserung des bestehenden Netzes gibt es in Bielefeld aber noch verschiedene Pläne für Streckenverlängerungen von unterschiedlichen Endpunkten aus. Schon seit Jahrzehnten gibt es Pläne, von der erwähnten Endstelle Senne aus die in den 1960ern entstandene Trabantenstadt Sennestadt an die Bahn anzuschließen. Hier ist für den ersten Bauabschnitt bis zur Kreuzkirche in Sennestadt die Vorplanung angelaufen. Für den weiteren Streckenverlauf und das begleitende Nahverkehrskonzept hat moBiel gerade eine Bürgerbeteiligung durchgeführt. Da wegen der Corona-Lage keine Live-Veranstaltungen durchführen konnten, lief die Beteiligung digital. Mit gutem Erfolg – es gab über 500 Vorschläge. Die Entwurfsplanung mit mehreren Varianten zur Realisierung der Strecke wird nun im Detail angepasst. Mit der Durchführung der Planfeststellung ist erst nach dem Abschluss der Genehmigungsplanung im Jahr 2021/ 2022 zu rechnen, die Inbetriebnahme nicht vor 2025.

Trassenvarianten der Verlängerung der Linie 1 | © moBiel
Von hier aus soll es künftig weiter zum Hochschulcampus Nord gehen: Endstelle Lohmannshof der Linie 4 | © D. Budach

Deutlich weiter gediehen sind die Planungen zur Verlängerung der Linie 4 vom Lohmannshof aus über 1,3 km bis zum neuen Hochschulcampus II Nord an der Schlosshof-/Dürerstraße. Hier wird mit einem Baubeginn in 2021 gerechnet.

Der Anschluss des Stadtteils Hillegossen an das Netz ist Gegenstand einer Machbarkeitsstudie, in der der Verlauf unterschiedlicher Trassenvarianten geprüft wird. Denkbar ist eine Verlängerung der Linie 3 von Stieghorst aus oder der Linie 2 entlang der Detmolder Straße als Alternative. Dabei wird auch die mögliche Nachnutzung der früheren »Catterick-Kaserne« und das dadurch mögliche, zusätzliche Fahrgastpotential mit untersucht. Voraussichtlich im Januar 2021 soll eine Vorzugsvariante für die Stadtbahn-Verlängerung nach Hillegossen als Basis für das Planfeststellungsverfahren vorliegen.

Weitere Ausbaupläne, u.a. nach Theesen-Jöllenbeck und nach Heepen, sind derzeit nicht konkret, vorgeschlagen sind sind außerdem längerfristig Neubauabschnitte nach Brackwede Süd und vom künftigen Hochschulcampus Nord zur Endstelle Babenhausen Süd der Linie 3.

Neue Wagen

Die Beschaffung weiterer 24 neuer VAMOS-Stadtbahnwagen von HeiterBlick führt ab 2021 zur Ablösung aller Altwagen vom Typ Düwag M8C aus den Jahren 1982-1987. Ein Teil von ihnen konnte ins polnische Łódź abgegeben werden. Die neuen VAMOS werden übrigens zum Teil keine Klapptrittstufen mehr haben, sie können also nur auf Strecken mit Hochbahnsteigen eingesetzt werden, ein Einstieg an Haltestellen auf Straßenniveau ist dann nicht möglich. Aber die wird es künftig ja ohnehin kaum noch geben.

VAMOS Triebwagen aus der ersten Lieferung mit Klapptrittstufen an der Stelle der künftigen Haltestelle zwischen den heutigen Stationen Hartlager Weg und Sieker-Mitte | © UTM/db

02.09.2020

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