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Caetano und Toyota feiern Erfolge: erste Aufträge für Brennstoffzellenbusse in Barcelona, Bielefeld und Niebüll

Caetano, bislang bekannt für Flughafenbusse und etablierter Bushersteller in Portugal, liefert jetzt Brennstoffzellenbusse nach Barcelona, Bielefeld und Niebüll I © UTM

Wahrscheinlich ist jeder schon einmal in einem Caetano Bus gefahren – oft unbewusst. Seit Jahrzehnten baut der portugiesische Buslieferant Hochkapazitätsbusse für den Transfer auf dem Flughafen Rollfeld, die wiederum durch die Marke Cobus vertrieben werden. Seit einiger Zeit tummelt sich der in Porto-ansässige Hersteller auch auf dem Markt für Elektro- und Wasserstoffbusse. Erste sogenannte e.City Gold Elektrobusse gingen im Jahr 2017 in Porto und Lissabon in Betrieb und neben der Dieselvariante hat Caetano auch eine Erdgasvariante im Programm. Jetzt geht der Hersteller einen Schritt weiter: gemeinsam mit dem japanischen Hersteller Toyota wurde ein Brennstoffzellenbus entwickelt, der auf den Namen H2.City Gold hört und erstmalig im Jahr 2019 auf der Busworld in Brüssel vorgestellt wurde. Den H2.City Gold gibt es in zwei Längen: 10,7 und 12 Meter. Die Wasserstofftanks finden auf dem Dach Platz und erlauben eine Reichweite von 400 km.

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Erste Aufträge für Barcelona, Bielefeld und Niebüll

In den aktuellen H2-Projekten konnte sich Caetano gemeinsam mit Toyota bereits in drei Städten behaupten: Barcelona bestellte jüngst acht Brennstoffzellenbusse, Bielefeld vier und der Betreiber DB Autokraft für den Einsatz in Niebüll zwei Exemplare. Letztere sollen noch dieses Jahr ausgeliefert werden und als Teil des eFarm-Projekts den aus Windkraft produziertem Wasserstoff betankt werden.

Der Caetano H2.City Gold während der Busworld 2019 in Brüssel I © Caetano

Die Transports Metropolitans de Barcelona (TMB), ist der größte Verkehrsbetrieb im Großraum Barcelona und betreibt eine Flotte von mehr als 1100 Bussen auf 102 verschiedenen Linien. Die Anschaffung von acht 12 m langen Brennstoffzellenbussen wird durch das europäische Programm JIVE 2 zur Förderung von Brennstoffzellenfahrzeugen unterstützt, welches von der Europäischen Union kofinanziert wird.

Darüber hinaus wird die TMB zusammen mit dem Zona-Franca-Konsortium (CZFB) eine Anlage für die Produktion, Speicherung und Betankung von Wasserstoff bauen, die auch für Nutzfahrzeuge ausgelegt ist. Da es sich neben Caetanos Brennstoffzellenbusse um die erste Wasserstofftankstelle dieser Art in Spanien handeln wird, wird die Anlage möglicherweise auch für andere Flotten und private Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge nutzbar sein.

Das Außendesign der H2.City Gold Brennstoffzellenbusse orientiert sich am Standard Caetano Design I © Caetano

Die H2.City Gold für Barcelona sind mit einer Toyota-Brennstoffzelle ausgestattet und verfügen über eine Reichweite von über 400 Kilometern bei einer Kapazität von 94 Passagieren . Die acht dreitürigen Niederflurfahrzeuge werden sowohl im Fahrgastraum als auch in der Fahrerkabine über USB-Anschlüsse verfügen, um das Aufladen der mobilen Geräte während der Fahrt zu ermöglichen.  Darüber hinaus werden die neuen Busse mit verschiedenen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet, die die Aktivität des Fahrers unterstützen und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen, wie z.B. einem Kameraüberwachungssystem, das die herkömmlichen Außenspiegel ersetzt, und dem Mobileye’s Shield Plus zur Vermeidung gefährlicher Situationen für Fußgänger und Radfahrer.

Überraschung: Der Auftrag für Bielefeld

Auch im westfälischen Bielefeld sind die Verträge sind unter Dach und Fach: moBiel hat im Oktober 2020 vier Wasserstoffbusse bei Caetano und eine Tankstelle zum Befüllen der Fahrzeuge bestellt. Damit ist das Bielefelder Verkehrsunternehmen nach langen Vorarbeiten seinem Ziel, die Wasserstofftechnik im Nahverkehr zu erproben, einen wichtigen Schritt nähergekommen. Voraussichtlich zur Jahreswende 2021/22 werden die Busse über Bielefelds Straßen rollen. Über die Kaufpreise wurde Stillschweigen vereinbart. Die vier 12-Meter-Busse sollen auf der Linie 29 (Baderbach – Schildhof) erprobt werden.
Sie verfügen über Elektromotoren mit insgesamt 333 kW (245 PS) und über zwei Einstiegstüren mit insgesamt 37 Sitzplätzen.

Die Wasserstofftankstelle liefert das Unternehmen Framatome aus Erlangen, Tochter des französischen Framatome-Konzerns. moBiel errichtet die Tankstelle auf dem MVA-Gelände in Bielefeld-Heepen, wo auch die Busse stationiert sein werden. moBiel-Geschäftsführer Martin Uekmann ist erleichtert, die Bestellungen auf den Weg gebracht zu haben: „Als unser Aufsichtsrat im Herbst 2018 beschloss, in die Erprobung der im Betrieb emissionsfreien Wasserstofftechnik einzusteigen, wussten wir, dass wir es nicht mit einem etablierten Massenprodukt, sondern mit hochinnovativer Technik zu tun haben würden. Unsere Vorahnung hat sich bestätigt. Es bedurfte intensiver Arbeit und großer Geduld, bis alle Fragen rund um Förderung, europaweiter Ausschreibung und Vergabe der Aufträge geklärt waren. Aber jetzt haben wir den wichtigen Meilenstein der Bestellung geschafft.“ moBiel habe auf einem sehr engen Markt die Fahrzeuge und eine Tankstelle gefunden, die gut zu dem Pilotprojekt des Unternehmens passen. In das Vorhaben fließt ein Millionenbetrag, ergänzt Kai-Uwe Steinbrecher, moBiel-Technikchef. Dieser werde bei der Tankstelle zu 90 Prozent, bei den Bussen zu 60 Prozent gefördert. Berechnungsgrundlage sei bei letzteren die Differenz zum Preis für einen gleichwertigen Dieselbus. Und er betont: „Nur dank der Fördermittel durch das Land NRW kann moBiel die Wasserstoffbusse und die Tankstelle beschaffen. Denn wirtschaftlich betreiben lassen sie sich noch nicht.“ Auch die Treibstoffkosten der vier Brennstoffzellenbusse liegen pro Jahr um rund 60.000 Euro über denen von Dieselbussen.

Animation der Wasserstofftankstelle in Bielefeld I © Framatome

Caetano liefert an moBiel vier 12-Meter-Busse vom Typ H2 City Gold. Diese sind in Deutschland erst seit diesem Jahr auf dem Markt und gehen zunächst in Niebüll in Norddeutschland erprobt. Die Busse haben auf ihrem Dach Brennstoffzellen von Toyota. Die ebenfalls auf dem Dach untergebrachten je fünf Wasserstofftanks können 37,5 Kilogramm Wasserstoff aufnehmen. Das reicht nach Herstellerangaben für eine Reichweite von etwa 350 bis 400 Kilometern. moBiel-Projektleiter Gerhard Sawatzky: „Wo genau wir landen, wird der Probebetrieb zeigen. Auf alle Fälle entspricht die Reichweite in etwa dem, was unsere Busse am Tag schaffen müssen. Ein großer Vorteil gegenüber batterie-elektrischen Bussen.“ Denn die vier Busse können so den ganzen Tag auf der 7,6 Kilometer langen Linie 29 im Einsatz sein, ohne dass sie zwischendurch betankt werden müssen. Sawatzky: „Damit passen sie sich gut in unsere betrieblichen Abläufe ein.“

So wird der H2.City Gold in etwa für Bielefeld aussehen I © Caetano

Wasserstofftankstelle in Heepen

Die für den Betrieb der Wasserstoffbusse notwenige Tankstelle wird auf dem Gelände der MVA errichtet. Auch eine kleine Abstellhalle für die Busse ist dort vorgesehen. „Wir können jetzt in die Umsetzungsphase gehen und werden zeitnah mit den zuständigen Behörden in die Detailplanung und die Genehmigungsverfahren einsteigen“, zeigt Kai-Uwe Steinbrecher den weiteren Weg auf. Die gesamte Anlage inklusive Wegen, Abstellhalle, Tanks und Tankvorrichtung beanspruche mit rund 6.600 Quadratmeter etwas weniger Fläche als ein Fußballfeld. Die Tankstelle werde mit einem Druck von 350 bar arbeiten. Für Pkws seien zum Vergleich 700 bar notwendig. Beim Tanken zeigt sich für Steinbrecher ein weiterer wichtiger Vorteil der Brennstoffzellentechnik: „Ein Ladevorgang wird nur knapp zehn Minuten dauern. Das ist viel schneller als bei batterie-elektrischen Bussen.“ Die Tanks der Anlage werden für 1.000 Kilogramm Wasserstoff ausgelegt und zunächst mit Tanklastwagen versorgt. Perspektivisch können sich Uekmann und Steinbrecher auch eine Wasserstofferzeugung aus dem Strom der Müllverbrennung vorstellen. Deshalb habe man den Standort an der MVA für das Pilotprojekt gewählt: „Mit dem in der MVA gewonnenen Strom könnten wir in Zukunft grünen Wasserstoff für unsere Busse und vielleicht auch andere Nutzfahrzeuge produzieren. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zu der im Rahmen der Energie- und Verkehrswende angestrebten Sektorenkopplung. Denn Wasserstoff ist gut geeignet, um Strom- und Wärmeversorgung, aber auch Verkehr miteinander zu verknüpfen und möglichst effizient und emissionsarm zu betreiben.“ Machbar sei dies für die Unternehmensgruppe Stadtwerke Bielefeld aber nur, wenn es Fördermittel hierfür gäbe. Noch sei die Technik bei weitem nicht wirtschaftlich zu betreiben.

16.10.2020

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