Urban Transport Magazine
Der Öffentliche Personen-Nahverkehr in Stadt und Region
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Die VDV Elektrobuskonferenz und Fachmesse Elekbu 2020 – Die ausgestellten E-Busse

16 emissionsfreie Busse, 70 Aussteller und 700 Besucher kamen zur 11. VDV Elektrobus Konferenz und Elekbu Ausstellung I © UTM

Weltweit sind elektrische und emissionsfreie Stadtbusse im Kommen. Nach Angaben des VDV sind in Deutschland rund 400 Elektrobusse in Betrieb, weitere 750 sind bestellt. Um die letzten Trends und Entwicklungen der Branche aufzuzeigen sowie Erfahrungen auszutauschen, veranstaltet der Verband der deutschen Verkehrsunternehmen, VDV, jährlich die Elektrobus Konferenz, die dieses Jahr am 4. und 5. Februar 2020 in Berlin stattfand.

Dort präsentierten rund 70 nationale und internationale Hersteller und Zulieferer die neuesten Fahrzeuggenerationen und technischen Komponenten. Die neuen E‑Bus-Modelle weisen eine bessere Systemintegration, einen Leichtbauansatz sowie verbesserte Klima- und Heizkonzepte auf, die den Verbrauch mindern und die Reichweite erhöhen. Auch bei der Landeinfrastruktur wurden Fortschritte erzielt. Rund 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informieren sich im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung über den aktuellen Stand der Technik und diskutieren bei der begleitenden Konferenz Herausforderungen und Konzepte zur Einführung von Elektrobussen im ÖPNV. Die VDV-E-Bus-Konferenz wird zum elften Mal vom VDV – gemeinsam mit dem Forum für Verkehr und Logistik, den DEVK Versicherungen und der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) – ausgerichtet.

Alstom

Alstom zeigte seinen Aptis-Elektrobus. Nach umfangreichen Tests in vielen französischen und europäischen Städten in den letzten zwei Jahren wurde der innovative Bus für die Serie optimiert. Die Inbetriebnahme des ersten Serien-Aptis wird am 24. Februar 2020 in Straßburg auf einer Bus Rapid Transit (BHNS, Bus à Haut Level de Service) Linie beginnen. Die 3,2 km lange Linie H verbindet den Hauptbahnhof mit dem Europäischen Parlament. Im Vergleich zu den Protoypen wurde das Gewicht um 15% reduziert und dank neuer Batterien die Reichweite erhöht.

Eine neue Klimaanlage (vollelektrische Wärmepumpe) erhöht den thermischen Komfort und die Panorama-Lounge im Heck wurde verbessert. Die neue hydraulische Aufhängung bietet nach Herstellerangaben verbesserten Komfort und Schallschutz.

Aptis ist besonders in Frankreich beliebt, wo er auch gebaut wird. Bestellungen liegen aus Paris (50 Fahrzeuge) sowie Straßburg, Grenoble, La Rochelle und Toulon vor.

BYD

BYD ist der weltweit größte Hersteller von Elektrobussen. Seit 2010 hat das Unternehmen über 50.000 Elektrobusse mit Eisenphosphat-Li-Ionen-Batterien (LiFePo) hergestellt. Ein großer Teil der Busse fährt in chinesischen Städten, aber es wurden auch zahlreiche elektrische Busse nach Europa, u.a. nach London, Landskrona in Schweden, Frankreich, den Niederlanden und Spanien geliefert. Die ersten elektrischen BYD-Busse in Deutschland werden ab Sommer 2020 in Bochum auf der Linie 354 in Bochum, der Linie 380 in Gelsenkirchen und in Herne zum Einsatz kommen. Die 12-Meter-E-Busse können bis zu 80 Passagiere befördern und haben eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern mit Klimaanlage.

Ebusco

Ebusco stellte zwei E-Bus Modelle aus. Der Ebusco 2.2 12-Meter-Stadtbus mit einer Reichweite von bis zu 350 km sowie der Ebusco 3.0 mit einer Reichweite von bis zu 500 km. Mit dem optionalen> 400 kWh-Akkupack kann der Ebusco 2.2 (12 Meter) sogar eine Reichweite von bis zu 450 km erreichen.

Der Ebusco 3.0 kommt dank seines leichten Designs aus Verbundwerkstoffen auf die atemberaubende Reichweite von 500 km. Die ersten Serienfahrzeuge werden Mitte 2020 im niederländischen Deurne in Produktion gehen. Als einer der ersten Betreiber in Deutschland setzt München bereits 6 Ebusco-E-Busse auf der Linie 100 ein. Weitere 2 + 16 E-Busse sind bestellt.

Daimler/ Evobus GmbH

Daimler zeigte seinen elektrischen eCitaro, der in den vergangenen 12 Monaten in zahlreichen deutschen und europäischen Städten in Betrieb ging. Die 18 Meter Variante wird noch dieses Jahre erscheinen. Als bisher einziger Elektrobus wird der eCitaro sogar das begehrte Umweltzeichen „Blauer Engel“ tragen. Es ist Nachweis für die Umweltfreundlichkeit des eCitaro und für den nachhaltigen Weg zu einem lokal emissionsfreien Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der Blaue Engel ist ein in Deutschland seit 1978 vergebenes Umweltzeichen für besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen.

e-troFit

e-troFit ist ein Tochterunternehmen des Garchinger Entwicklungsunternehmens in-tech. in-tech übernimmt seit vielen Jahren für führende Automobilhersteller umfangreiche Entwicklungsaufträge aus allen Bereichen der Fahrzeugentwicklung. Seit 2016 beschäftigte sich ein Innovationsteam bei in-tech mit dem Thema Elektromobilität und untersuchte dabei auch Ideen für andere Branchen. 

Um dies zu bewerkstelligen, hat in-tech 2019 das Tochterunternehmen e-troFit GmbH gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Ingolstadt ist für die Entwicklung, Serienproduktion und den Vertrieb der e-troFit-Lösung zuständig. e-trofit hat bereits einen Mercedes Benz Citaro zum Elektrobus umgerüstet und rechnet mit ersten Aufträgen. Laut Herstellerangaben ist die Umrüstung deutlich günstiger als die Beschaffung von Neufahrzeugen. Je nach Zustand des Fahrzeugs und nach Umfang soll die Umrüstung zwischen 300.000 und 350.000 Euro und somit etwa die Hälfte von neuen Elektrobussen kosten. Aus TCO (Total Cost of Ownership)-Sicht können umgerüstete Elektrobusse somit über die Lebensdauer wirtschaftliche Vorteile gegenüber Neufahrzeugen haben.

Hess

Hess stellte keinen Elektrobus aus, zeigte aber Beispiele seiner neuesten E-Busse. Eines der bekanntesten neuen E-Bus Projekte ist die Doppelgelenk LighTram in Nantes, Frankreich, der über ABB-Ladestationen aufgeladen wird.

Heuliezbus/ Iveco

Iveco zeigte den in Frankreich hergestellten Heuliez GX 337 E, der insbesondre durch sein elegantes Innen- und Außendesign besticht. Zwar lassen Aufträge aus Deutschland noch auf sich warten, aber die Iveco-Tochter hat bereits vier Elektrobusse an den ÖBB Postbus nach Vorarlberg geliefert. Die Pariser Verkehrsbetriebe RATP bestellten bereits 50 Heuliez GX 337 E.

Irizar e-mobility

Schritt für Schritt erobert Irizar den europäischen E-Bus-Markt. Der spanische Hersteller ist bereits in verschiedenen Ländern vertreten. In Berlin zeigte Irizar einen von vierzehn 18 Meter Bussen des Betreibers Voyages Emile Weber aus Luxemburg. Die Busse wurden 2019 ausgeliefert. Weber setzt bereits sieben 12-m-Irizar Elektrobusse ein. Die 18 m langen Gelenkbusse haben eine Batteriekapazität von 525 kWh und werden über Nacht im Depot aufgeladen. Noch dieses Jahr wird Irizar 10 E-Busse an die Rheinbahn in Düsseldorf und 47 Gelenkbusse für ein elektrisches Bussystem in Schaffhausen in der Schweiz liefern.

I see electric busses

I see electric busses zeigte seinen umgebauten Elektrobus, der bei der Autokraft / DB zum Einsatz kommen wird. Das norddeutsche Start-up bietet die Umrüstung bestehender Dieselbusse auf Elektrobusse an und steht kurz vor der Unterzeichnung erster Aufträge. Nach der Premiere des ersten umgerüsteten MAN-Busses auf der Busworld in Brüssel im Oktober 2019 wurde der Bus nun in Berlin gezeigt und wird demnächst vom TÜV zugelassen.

Bei dem Bus handelt es sich um einen 12 m langen MAN Lions. Der ehemalige Dieselbus stammt zwar aus dem Jahr 2011, befindet sich aber Innen und Außen im tadellosen Zustand. Das Land Schleswig-Holstein hat die Umrüstung des ersten MAN-Linienbusses finanziell gefördert.

Karsan

Der in der Türkei ansässige Hersteller ist einer der Newcomer in der europäischen Elektrobusbranche. Gemeinsam mit BMW i Technologie entwickelte das Unternehmen einen 6-m-Kleinbus, der mit BMW Batterien betrieben wird. Karsan entwickelt auch den Atak Electric, der auf der gleichnamigen Dieselvariante basiert. Der 8-m-Minibus verfügt über fünf Batteriepakete mit je 44 kWh und 220 kWh. Dies ermöglicht eine Batterielänge von 300 km, die für städtische Minibuslinie ausreichen sollte.

MAN Truck & Bus

MAN Truck & Bus zeigte gleich zwei emissionsfrei betriebene Fahrzeuge für den innerstädtischen ÖPNV. Zusätzlich zum vollelektrischen Stadtbus MAN Lion’s City E konnten Besucher einen MAN eTGE als Servicefahrzeug kennenlernen. Mit dem Elektro-Van erhalten Betreiber von Busflotten eine Lösung für den lokal emissionsfreien Betrieb ihres internen Fuhrparks. Mitte Dezember hat MAN Truck & Bus die ersten beiden Elektrobusse an die Hamburger Hochbahn AG und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH für den Alltagseinsatz in der Hansestadt übergeben. Auf der VDV-Elektrobuskonferenz in Berlin zeigt MAN dem Fachpublikum seinen vollelektrischen Lion’s City E in der 12-Meter-Soloversion, in der bis zu 88 Passagiere Platz finden. Die auf dem Fahrzeugdach installierten Batterien bieten 480 kWh installierte Kapazität. MAN kann hierfür auf die ausgereifte Batteriezelltechnologie aus dem Konzernbaukasten zurückgreifen. Für eine besonders gute Verfügbarkeit zu jeder Jahreszeit sorgt zudem das ausgeklügelte Temperaturmanagement. Der Lion’s City E erreicht damit zuverlässig eine Reichweite von 200 km, unter günstigen Bedingungen sogar bis zu 270 km.

Im Zuge der eMobility-Roadmap wird 2020 eine eBus Demo-Flotte bestehend aus 15 Testfahrzeugen in fünf europäischen Ländern im Kundeeinsatz sein. Testbusse kommen dieses Jahr neben Hamburg auch nach München, Wolfsburg und Köln. Auch rollen im Jahresverlauf 2020 eBus-Testfahrzeuge auf den Straßen Frankreichs, Luxemburgs sowie in Antwerpen und Barcelona. Die ersten Kundenfahrzeuge aus der Serienproduktion des MAN Lion’s City E in der 12-Meter-Soloversion sollen dann im zweiten Halbjahr 2020 ausgeliefert werden. Rund sechs Monate später folgt der vollelektrische Lion’s City E als Gelenkbus, der im 1. Halbjahr 2021 in Serie gehen soll.

Als ergänzende Lösung für den emissionsfreien Betrieb des internen Fuhrparks von Verkehrsbetrieben stellt MAN zusätzlich einen vollelektrischen eTGE in der Kastenwagen-Version auf der ElekBu 2020 aus. Dieser kann, wie dies beispielsweise bereits bei der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) sowie bei den Stadtwerken München (SWM) gehandhabt wird, als Wartungsfahrzeug für die Linien im ÖPNV eingesetzt werden. 

Solaris

Das zur CAF-Gruppe gehörende Unternehmen ist eines der führenden Unternehmen auf dem europäischen E-Bus-Markt. Im Jahr 2019 sicherte sich Solaris den Aufträge für über 500 Elektrobusse, darunter für Berlin (BVG), Mailand (ATM) und Warschau (MZA). Der „Bestseller“ von Solaris ist der 12 m lange Urbino Electric. Kurz vor der Konferenz in Berlin gab Solaris bekannt, dass es bis Ende dieses Jahres einen 15-Meter-Elektro-Urbino LE auf den Markt bringen wird. Der Zielmarkt wird der skandinavische Markt sein. Gleichzeitig bietet Solaris auch andere alternative Antriebssysteme wie Brennstoffzellen und CNG an.

Tribus

Das niederländische Unternehmen Tribus hat den Movitas Minibus entwickelt. Der Movitas ist ein zu 100% elektrischer Stadtbus, der extrem leicht ist und mit modularen Akkus ausgestattet ist. Die Aufladung erfolgt über als Gelegenheitsladung mit Stromabnehmern oder des Nachts im Depot (CCS-Stecker). Dank seines modularen Aufbaus ist der Movitas mit einer Länge von 8,20 m, 8,95 m oder 9,70 m erhältlich. Die Serienproduktion beginnt im Jahr 2021.

Neben den Movitas zeigte Tribus den VW e-Crafter, bei dem es sich um einen PRM-gerechten Kleinbus handelt. Der VW e-crafter verfügt über 8 Sitzplätze und bietet Platz für bis zu 2 Rollstuhlplätze. Er hat eine Reichweite von bis zu 150 km. Zwei voll integrierte Rollstuhllifte und ein abgesenkter Fronteinstieg für Personen mit eingeschränkter Mobilität machen einen Einstieg leicht.

Van Hool

Van Hool präsentierte seinen neuesten Brennstoffzellenbus A330 FC, der 2019 nach Wuppertal und Köln ausgeliefert wurde. Das erste mit Van Hool-Bussen betriebene Wasserstoffbus-Rapid-Transit-System wurde im Dezember 2019 in Pau, Frankreich, in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um Designer Gelenkbusse. Bei dem ausgestellten Brennstoffzellenbus handelt es sich allerdings um einen 12 Meter Standardbus. Die 10 Wasserstoffbusse in Wuppertal werden mit Ballard-Brennstoffzellen betrieben, die im Depot mit Wasserstoffelektrolyseur betrieben werden.

VDL

VDL, einer der Marktführer für E-Busse in Europa, zeigte einen neuesten 18 Meter langen Citea für Osnabrück. Die westfälische Stadt hat im März 2019 ihre erste E-Bus-Linie mit 13 Gelenk-Citeas eingeweiht. Weitere 62 Citeas wurden im Juli 2019 bestellt. Mitte 2020 werden 22 E-Busse für den Betrieb auf den Linien M2 und M3 ausgeliefert. Im Jahr 2021 folgen weitere 27 Citeas für die Linien M4 und M5. Die Aufladung erfolgt über eine Opportunity-Aufladung an der Endstation und über Nacht im Depot. Die Gelenk-E-Busse haben eine Batteriekapazität von 216 kWh.

07.02.2020

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