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Elektrisch durch Paris: Erstmals Doppelgelenk-E-Busse und neue Straßenbahnen

von Erik Buch
Verschiedene Generationen Alstom-Trams in Paris St. Denis / SRS-Bodenladung / Doppelgelenkbus Van Hool | © UTM

Île-de-France Mobilités, die für den Verkehr in der Region Île-de-France zuständige Behörde, und der städtische Betreiber RATP Paris vergeben zwei Großaufträge für den kapazitätsstarken Oberflächenverkehrsmittel – zum weiteren Ausbau und der Modernisierung des Netzes:

Komfortablere Straßenbahnen

Alstom Transport erhält einen Auftrag für die Erneuerung der Straßenbahnlinie T1 und den weiteren Ausbau des Angebots. Insgesamt umfasst der Vertrag maximal 120 Straßenbahnen für eine Gesamtsumme von 310 Millionen Euro. Ein erster Festauftrag über 37 Straßenbahnen wurde erteilt, um die derzeit eingesetzten 35 Straßenbahnwagen des Typs TFS2 zu ersetzen, von denen einige bereits seit 1992 im Einsatz sind. Außerdem ist eine optionale Tranche von 83 Straßenbahnen geplant, um das Verkehrsangebot zu verstärken und den Bedarf im Zusammenhang mit den geplanten und schon im Bau befindlichen Erweiterungen bedienen zu können.

Die aktuelle auf Linie T1 (rechts) eingesetzten 35 Wagen von Frankreichs erster Niederflurgeneration vom Typ TFS2 werden durch Neuwagen ersetzt, hier an der rechtwinkeligen Kreuzung mit der T8 am Bahnhof St. Denis, auf der Alstom Citadis fahren | © UTM/b
Die TFS2 teil-niederflurigen Gelenkwagen fahren seit langem nur noch auf der Linie T1, hier in Les Courtilles, und werden durch zeitgemäße Alstom Citadis Niederflurwagen ersetzt werden | © UTM/b

Die neuen Straßenbahnen werden mit sechs Doppeltüren von 1,30 m Länge pro Seite, auch an den Enden, ausgestattet, um den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen zu erleichtern und den Zugang für Personen mit eingeschränkter Mobilität zu ermöglichen. Eine Klimaanlage zur Verbesserung des Fahrgastkomforts, dynamische und detaillierte Audio- und visuelle Informationen sowie Videoschutz gehören ebenfalls zum Ausstattungsumfang.

Die Beförderungskapazität wird um 15 % gegenüber der derzeitigen Ausstattung erhöht, und es sind auch neue Angebote für den Komfort der Fahrgäste geplant, wie z. B. USB-Steckdosen zum Aufladen von Mobiltelefonen und und 100 % LED-Beleuchtung, um die Atmosphäre während der Fahrt zu verbessern.

Darüber hinaus werden diese Züge mit einem bordeigenen System zur Zählung der Fahrgäste nach Verkehrsfluss ausgestattet, um die Fahrgastzahlen auf der T1-Linie genauer zu messen und so den Service zu verbessern.

Durch die Motorisierung dieser Geräte kann der Energieverbrauch der Traktion um mindestens 30 % gesenkt werden im Vergleich zu den derzeitigen Fahrzeugen. Darüber hinaus werden die Straßenbahnen mit elektrischen Hochleistungsbremsen ausgestattet sein. Schließlich werden sie zu 95 % recylebar und zu 99 % verwertbar sein.

Der Entwurf wird Gegenstand einer öffentlichen Ausschreibung von Île-de-France Mobilités sein, bei der aus drei Vorschlägen für die Außen- und Innengestaltung ausgewählt werden kann.


Neue BRT / BHNS Elektrobusse
© Île-de-France Mobilités
© Île-de-France Mobilités

Île-de-France Mobilités hat das Angebot des Konsortiums VAN HOOL / KIEPE ELECTRIC GmbH / ALSTOM TRANSPORT SA für den Bau der neuen Busse TZEN 4 und TZEN 5 ausgewählt. Diese von der Ausschreibungskommission bestätigte Wahl muss dem Verwaltungsrat von Île-de-France Mobilités am 11. Oktober 2021 vorgelegt werden.

Die 24 Meter langen, zu 100 % elektrischen Doppelgelenkbusse werden auf zwei neuen Buslinien mit hohem Serviceniveau (BHNS, auf englisch auch besser bekannt als BRT Bus-Rapid-Transit) eingesetzt, die speziell für ihre außergewöhnlichen Abmessungen konzipiert wurden: die Linie T Zen 4 (Viry-Chatillon <> Corbeil-Essonnes) und die Linie T Zen 5 (Paris <> Choisy-le-Roi). Die BHNS-Linien auf Eigentrasse im Raum Paris werden unter dem Namen T Zen vermarktet.

Das Alstom System für Bodenkontakt-Nachladen

Das Bodenkontakt-Nachladesystem – SRS – von Alstom findet hier erstmals eine kommerzielle Anwendung im Busbereich. Es wurde als Weltneuheit 2019 im spanischen Málaga vorgestellt und getestet. Das System erlaubt die Nutzung ganz verschiedener Bustypen von unterschiedlichen Herstellern.

Die Busse der künftigen Linien T Zen 4 und 5, die ersten zu 100 % elektrischen 24-Meter-Busse in der Region Paris, werden die Leistungen einer Straßenbahn (Frequenz und Zuverlässigkeit) mit der Flexibilität eines Busses verbinden. Sie verfügen auf dem größten Teil ihrer Strecke über eine eigene Fahrspur mit Vorrang an der Ampel und können jeweils nicht weniger als 140 Fahrgäste unter optimalen und modernen Bedingungen befördern: Platz, Licht, Klimaanlage, Videoüberwachung, visuelle und akustische Fahrgastinformation in Echtzeit.

T Zen 4 wird die Linie 402 auf dem Abschnitt zwischen Viry-Chatillon und Corbeil-Essonnes ersetzen, die derzeit mit fast 26.000 Fahrgästen pro Tag die verkehrsreichste Linie in den äußeren Vororten ist. Der T Zen 4 wird daher all diesen Fahrgästen mehr Komfort bieten.

T Zen 5 ist eine neue Buslinie, die das 13. Arrondissement von Paris über Ivry-sur-Seine und Vitry-sur-Seine in knapp 33 Minuten mit Choisy-le-Roi verbinden wird.

Diese Busse werden dank ihrer breiten Schiebetüren und ihres niedrigen Bodens für Personen mit eingeschränkter Mobilität (PRM) voll zugänglich sein, was den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen am Bahnhof und die Fortbewegung in den Bussen erleichtern wird.

Diese innovativen, zu 100 % elektrisch betriebenen Fahrzeuge spiegeln die ehrgeizige Politik der nachhaltigen Entwicklung von Île-de-France Mobilités wider, indem sie die Verlagerung auf andere Verkehrsträger fördern, den Fahrgästen mehr Komfort bieten und gleichzeitig die regionale Entwicklung unterstützen.

Van Hool Doppelgelenkbusse kommen als Diesel-Hybridversion im Land seit 2013 u.a. in Metz und Nimes zum Einsatz.

BHNS Bussystem in Metz mit Van Hool Doppelgelenk-Hybridbus | © UTM/b
10.10.2021
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