• de
  • en

Erster umgebauter Dieselbus ab Ende Juni bei der Autokraft als Elektrobus im Einsatz

Umgebaut von Diesel- auf Elektroantrieb: Der erste von I See Electric Buses umgebaute Bus kommt ab Ende Juni bei der Autokraft zum Einsatz I © Gundo Sanders

Die DB-Regiotochter Autokraft GmbH betreibt in Schleswig-Holstein fast 500 eigene Busse und über Subunternehmen etwa noch einmal so viele. Da war es an der Zeit, um sinnvolle Nachhaltigkeitsstrategien nachzudenken, die mit den Gegebenheiten des Landes und dem Bedarf zusammenpassen. Mit der I_SEE Electric Busses GmbH haben sie einen Partner gefunden, der ihnen mit dem Umbau eigener gebrauchter Dieselbusse hilft, ins E-Bus Zeitalter zum diesjährigen Jubiläum einzusteigen. 75 Jahre Autokraft sollten groß gefeiert werden, was wegen Corona wohl auf das kommende oder übernächste Jahr verschoben wird. Der technische Fortschritt kommt aber im Jubiläumsjahr. 

Am 11. Juni stellte Autokraft-Chef Dr. Arne Schneemann mit dem DB-Regio Busvorstand Frank Klingenhöfer in der Landeshauptstadt Kiel den ersten umgebauten Ex-Dieselbus MAN Lions City (12 m) als reinen E-Bus der Presse in Kiel jetzt stolz vor. Unterstützt wurden sie dabei von Umweltminister Jan-Philipp Albrecht und Wirtschaftsminister Buchholz, die darin Chancen für ihr Bundesland Schleswig-Holstein sehen, nicht genutzte Windenergie sinnvoll einzusetzen und so auch zu einem Treiber der Mobilitätsinnovationen zu werden. 

Den Umbau möglich gemacht hat der Fahrzeugingenieur Andreas Pfeffer mit seiner I_SEE Electric Busses GmbH, über den wir hier bereits mehrfach berichtet hatten. Er hat sich hochwertige Komponenten bei etablierten Zulieferern gesucht, wie die Batterien von Webasto, die elektrisch angetriebene Achse von Ziehl-Abegg und die Verkabelungen produziert sein Team selbst in Enge-Sande. Dort auf dem GreenTEC Campus entstehen gerade auch noch weitere Ideen, zu denen aber später mehr. 

Mit Ziehl-Abegg war I_SEE gemeinsam in Brüssel auf der Busworld im letzten September, hatte großes, weltweites Interesse erzeugt und Startkunde, weil von dort auch der Ex-Dieselbus kam, der dann auch immer wieder ausgestellt wurde, ist die Kieler Autokraft AG, die jetzt ihr 75-jähriges Jubiläum hat. In Berlin auf der EBusKo wurde der Bus gezeigt und im Dezember haben wir das Konzept auch hier im Urban Transport Magazin vorgestellt: https://www.urban-transport-magazine.com/umruestung-statt-neukauf-umbau-von-diesel-auf-elektrobusse/

Über das Pilotprojekt „PilUDE“ – Pilot zur Umrüstung von Dieselbussen auf Elektroantrieb wurde diese klimafreundliche Konversion mit Unterstützung von der EU (EFRE), der Bund-Länder-Gemeinschaft (GRW) und aus schleswig-holsteinischen Landesmitteln realisiert; die EurA AG hat mit ihrer Niederlassung Schleswig-Holstein in Enge-Sande hierfür ein Projektmanagement-System entwickelt, die Förderanträge gestellt, das Projekt geleitet und war auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande, wo die Bus-Umrüstung bis hin zur TÜV-Neu-Abnahme erfolgte, stehen 17 km privates Straßennetz zur Verfügung, wo elektrische und automatisierte Fahrzeuge vielseitig getestet werden können. Der Bus stammt aus der Autokraft-Niederlassung in Flensburg. Drei weitere Busse werden noch bis Ende 2020 umgerüstet, von denen mindestens einer vielleicht sogar ein Gelenkbus sein wird.

Der erste jetzt fertige Bus wird ab Ende Juni in Niebüll, im Kreis Nordfriesland vor allem für den Schülertransport eingesetzt.

Der Chef von Autokraft erläuterte im Hinblick auf das Jubiläum, dass sein Unternehmen auch eine Verantwortung für die Zukunft empfinde und sich Schlüsselfragen nicht verschließe. Es sei zwar richtig, dass noch alle Autokraftbusse auf Diesel liefen, aber man habe bewusst nach günstigeren und schneller umsetzbaren Lösungen gesucht. Denn die Hersteller könnten aktuell gar nicht die Nachfrage bedienen und Ressourcenschonung und unabhängige Lieferquellen seinen ihnen deshalb auch sehr wichtig. Das Display zeige dem Fahrer auch gut und genau, wie energiebewusst, er fahre und mit seinen Akkus umgehe.

Der Umbau sei in 4 Tagen erledigt, erläuterte Andreas Pfeffer von der I_SEE electric busses GmbH. I_SEE steht für Ich habe verstanden und so sieht sich der gelernte Verbrennungsmotoringenieur auch, der sich und die Gesellschaft in der Pflicht sieht, zu handeln. Er rechnet vor, dass er so einen umgerüsteten Dieselbus zum gleichen Preis rein elektrisch betreiben könne, wie einen neuen Dieselbus. Dabei wirft er mit in die Waagschale, dass der ungenutzte Wind auch weiter von den Windkraftanlagen direkt in die Busladung eingespeist werde und damit die Kosten pro Kilometer noch einmal günstiger würden. Wenn seine Auftragsbücher sich mit dem Autokraftstart jetzt auch weiter füllen, werde sich auch weitere Skaleneffekte ergeben, die dann das Angebot noch verbessern werden. 

Auch an andere Dieselbusfabrikate macht sich jetzt der Umbauverbund unter Federführung von I_SEE und Andreas Pfeffer heran. Wie man hört sind bereits erste gebrauchte Solaris Dieselbusse dazu im Zulauf. Der Umbau muss nicht in Enge-Sande erfolgen; er ist so modular konzipiert, dass entsprechend geschulte Teams in etablierten Einrichtungen dies an verschiedenen Orten in der Bundesrepublik und anderswo umsetzen können und so ein schnellerer Hochlauf an eBussen möglich wird als das die Kapazitäten der etablierten Hersteller bisher erscheinen ließen. Gespräche werden beinahe täglich geführt und etwa auch in Südniedersachsen ist das Interesse aktuell ausgesprochen groß für die I_SEE-Lösung. Somit verspricht sich Pfeffer einen durchaus positiven Marktausblick. Der Großteil aller weltweit eingesetzten Busse sind Dieselbusse. Ihre Lebensdauer kann durch die Umrüstung auf Elektroantrieb verlängert werden und somit insgesamt auch dem ÖPNV sauberer und wirtschaftlicher gestalten.

Aus Schleswig-Holstein in die Welt

Wirtschaftsminister Buchholz wünschte dem Projekt auch im Hinblick auf kommende neue und zukunftsfähige Arbeitsplätze im nördlichsten deutschen Bundesland Rückenwind nach dem Motto Aus Schleswig-Holstein in die Welt.

Auch GreenTEC Campus Chef Marten Jensen unterstrich, dass der Elektromobilität die Zukunft gehöre und ihm und seinen Kollegen Windmüller es nicht gefalle, dass ihre Windkraftanlagen teilweise trotz ausreichend Wind stillstünden. Eine einzelne Drehung moderner Windkraftanlagen könne diesen neuen E-Bus 10 km weit seine Schulbusfahrt fortsetzen lassen. Und wenn er direkt an der Windkraftanlage angeschlossen sei, könne so statt Stillstand zu haben, für diesen Verbraucher günstig produziert werden. Und weiter gedacht könnten die Busse auch den gespeicherten Strom im Fall der Fälle etwa bei Ausfällen auch zurück speisen und zur Sicherheit eine Straße für eine Nacht beleuchten und so Sicherheit liefern.

Eine Umdrehung einer modernen Windkraftanlage sorgt für ausreichend Energie für 10 km Reichweite des Elektrobusses I © Gundo Sanders

Auf die 75-jährige Geschichte der Autokraft an der auch die Deutsche Post einige Jahrzehnte mit beteiligt war, werden wir demnächst ausführlich hier eingehen. Der neue Bus wird auch ein E-Kennzeichen bekommen; wegen Corona war das aber nicht mehr rechtzeitig zum Pressetermin umgesetzt worden. Er trägt die Fahrzeugnummer 11004 der Autokraft.

16.06.2020

Kommentare ansehen

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei