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Flottenerweiterung: Olsztyn nimmt neue Durmazlar-Panorama-Straßenbahnen in Betrieb

Durmazlar Straßenbahn 3016 auf der Linie 2 auf der ul. Płoskiego in Richtung Endstelle Kanta fahrend I © Matthias Gehrmann

Schwerpunkt: Planung und Betrieb

Die ersten beiden Durmazlar-Panorama-Straßenbahnen sind vor wenigen Wochen im polnischen Olsztyn (Allenstein) in Betrieb genommen worden und haben am 14. Juni 2021 den Fahrgastbetrieb aufgenommen. Bisher sind die ersten zwei von 18 Straßenbahnen auf den Straßenbahnlinien 1, 2 und 3 im Einsatz. Es ist das erste Mal, dass Straßenbahnen eines türkischen Herstellers auf einem europäischen Straßenbahnnetz zum Einsatz gelangen.

Am 14. Juni 2021 versammelten sich Journalisten, städtische Behörden mit Bürgermeister Piotr Grzymowicz und Vertretern des Amtes für Straßenverkehr, Begrünung und Verkehr sowie des Betreibers MPK Olsztyn an den Gleisen hinter der Endhaltestelle Dworzec Główny (Hauptbahnhof). Nach kurzen Reden wurde die Straßenbahn mit der Nummer 3015 um 11:41 Uhr in Betrieb genommen, um zu ihrer ersten offiziellen Fahrt mit Fahrgästen aufzubrechen. Um 13:26 Uhr nahm dann auch die zweite Straßenbahn ihren Betrieb auf. Beide Fahrzeuge fuhren bis zum Ende des Tages auf der Linie 2.

Durmazlar 3018 im Depot ul. Towarowa. Bis Mitte Juni 2021 wurden bereits vier Durmazlar Panoramas nach Olsztyn geliefert I © Matthias Gehrmann

18 neue Straßenbahnen

Die Stadt Olsztyn hat mit Durmazlar im August 2018 einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 24 Niederflurstraßenbahnen unterzeichnet. Der ursprüngliche Auftrag über 12 Straßenbahnen mit Optionen auf weitere 12 wurde mittlerweile auf 18 Fahrzeuge erhöht. Ziel ist die Erweiterung der bislang knapp bemessenen Fahrzeugflotte für das Bestandsnetz sowie die Beschaffung neuer Fahrzeuge für die im Bau befindliche Netzerweiterung (siehe unten).

Ein Video des Einsatz der Durmazlar Trams sowie der Solaris Traminos gibt es hier:

Der erste Panorama wurde bereits Anfang 2020 nach Olsztyn geliefert. Wir berichteten hier. Bis heute sind bereits vier Fahrzeuge nach Olsztyn geliefert worden. Die türkischen Straßenbahnen, die auf der Panorama-Familie basieren, sind fünfteilige Multigelenkfahrzeuge mit einer Länge von 32,5 Metern und damit etwas länger als die bestehenden dreiteiligen Tramino-Straßenbahnen. Die Fahrzeugbreite beträgt 2,5 m und ist damit identisch mit den Tramino-Straßenbahnen. Im Innenraum wurde eine 2+1- oder 1+1-Sitzanordnung umgesetzt. Der Olsztyner Panorama hat eine Kapazität von 210 Fahrgästen, davon 40 Sitzplätze. Die Straßenbahn verfügt über sechs Türen pro Seite, von denen die erste und die letzte einflügelig sind. Die Straßenbahn ist zu 100% niederflurig. Jede Straßenbahn kostete 8,99 Mio. PLN (ca. 1,96 Mio. Euro).

Durmazlar 3018 von innen I © Matthias Gehrmann

Betrieb der neuen Straßenbahnen

Die ersten Tage des Betriebs der neuen Straßenbahnen verliefen problemlos – es wurden keine Ausfälle oder Störungen gemeldet. Die beiden Panoramas sind nun täglich im Einsatz und auch am Wochenende auf den Gleisen zu sehen. Damit ist es möglich, die ersten Solaris Traminos nach mehr als fünf Jahren Einsatz zur Revision bzw. Hauptuntersuchung zu schicken. Derzeit wird ein Fahrzeug in Poznań einer solchen Inspektion unterzogen, aber wenn neue Durmazlars in Betrieb genommen werden, können zwei Traminos gleichzeitig gewartet werden (bis spätestens Ende 2022 sollen alle Traminos diesen Prozess durchlaufen). Schritt für Schritt werden alle Solaris-Straßenbahnen überholt. Ein weiterer Solaris (3014) steht nach einer Kollision mit einem Geländewagen im Jahr 2019 noch immer abgestellt und wartet auf Reparaturen.
In der ersten Betriebswoche wurde auf Panorama Außenanzeigen unter dem Namen der Endhaltestelle der Schriftzug „Neue Tram“ angezeigt. Im Inneren des Fahrzeugs sehen die Fahrgäste auf den Fahrgastinformationsbildschirmen eine Grafik des neuen Fahrzeugs und die Aufschrift „Sie fahren Panorama – eine neue Straßenbahn für Olsztyn“. Auffällig ist die Darstellung der Liniennummern auf den externen Head-up-Displays: an einem Ende des Fahrzeugs befindet sie sich auf der linken Seite, am anderen auf der rechten Seite.

Durmazlar Drehgestell ohne Blende mit seitlich angeflanschten Motor und Getriebe I © Matthias Gehrmann

Abstellung

Bislang musste noch keine der neuen Straßenbahn „unter freiem Himmel“ übernachten. Bislang war für die Züge in der überdachten Abstellhalle im Betriebshof der Straßenbahn Olsztyn ausreichend Platz vorhanden, aber dieser wird bei der Auslieferung aller 18 Fahrzeuge zwangsläufig knapp.
Weitere Straßenbahnen passen jedoch nicht unter das Dach und müssen außerhalb der Halle abgestellt werden. Es gibt Gleise im Depot und es gibt Pläne, zusätzliche Abstellgleise für die steigende Zahl von Fahrzeugen zu bauen. Leider gab es bislang keine Finanzierung für den Bau weiter Abstellgleise. Die Platzfrage wird dringlich, denn die Auslieferungen der nächsten sechs Fahrzeuge sollen wegen der Abschwächung der Coronavirus-Pandemie beschleunigt werden und es kann sein, dass alle 18 Fahrzeuge noch vor Jahresende in Olsztyn eintreffen.

Bildergalerie (bitte Anklicken zum Öffnen):

Die Straßenbahn in Olsztyn

Das Straßenbahnnetz in Olsztyn wurde Ende 2015 eröffnet und besteht aus einer zweigleisigen Hauptachse mit 7,5 km Länge in Nord-Süd Richtung mit zwei Seitenästen mit jeweils 2 km und 1 km Länge. Zum Einsatz kamen bislang 15 dreiteilige Solaris Niederflurstraßenbahnen. Die neue, in Bau befindliche 6 km Verlängerung verkehrt ebenfalls in Nord-Süd Richtung und verbindet das Zentrum mit Pieczewo im Südosten der Stadt. Die Baukosten betragen 350 Mio. Złoty (ca. 82 Mio. Euro) und werden zu 80 % durch die Europäische Union finanziert. Nach mehreren Einsprüchen wurden die Bauarbeiten im Jahr 2020 an die Firmen Polimex and Trakcja SA. vergeben.

22.07.2021
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