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KVB Köln: Isi als On-Demand-Service

LECV TX eCity für "Isi" der KVB | © Kölner Verkehrs Betriebe, Christoph Seelbach

Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember geht im Kölner ÖPNV ein ganz neues Angebot an den Start: der On-Demand-Service „Isi“. Der Gleichklang des Namens zum englischen „easy“ (= einfach)  dürfte schwerlich nicht gewollt sein …

„Isi“ ist ein On-Demand-Angebot. Will sagen, das Fahrzeug fährt nicht nach einem festen Fahrplan auf festen Linien, sondern auf telefonische Anforderung unter der Nummer 0221 / 547 3333 oder Bestellung per App auf individuellem Fahrweg. Wobei es keine Haus-zu-Haus-Bedienung gibt – der neue Service ist nicht als Konkurrenz zum Taxigewerbe gedacht, und so hat „Isi“ definierte Haltestellen. Die allerdings immer höchstens 100 Meter vom Start- oder Zielort des Fahrgasts entfernt sein sollen.

Übrigens: da „Isi“ ja keine Konkurrenz zum Taxigewerbe sein soll, kann man den Shuttle anders als ein Taxi auch nicht vom Straßenrand aus heranwinken. „Isi“ hält nicht überall, „Isi“ bedient Haltestellen -wenn auch ein engmaschiges Netz von denen.

Will ein Fahrgast mit „Isi“ fahren, so bestellt er per Telefon oder App den Wagen. Das System stellt fest, welcher Wagen in der Nähe ist und wann er den Fahrgast abholen kann. Auch teilt es dem Fahrgast mit, wann er vermutlich sein Ziel erreichen wird. Das allerdings ist ein wenig abhängig von der Nachfrage nach „Isi“, denn das System ist so programmiert, dass Fahrten mit sehr ähnlichem Fahrweg zu einer Fahrt zusammengefasst werden. Nehmen wir ein Beispiel:

  • Fahrgast A möchte um 9.45 Uhr von Z-Straße 33 in die Y-Straße
  • eine Minute später möchte Fahrgast B von Z-Straße 47 in die auf dem Weg liegende X–Straße.

Das System erkennt, dass diese beiden Fahrtaufträge sich prächtig zu einer einzigen Fahrt zusammenfassen lassen, und macht das. Jetzt fährt „Isi“ also von der Z-Straße 33 über Z-Straße 47 und X-Straße in die Y-Straße. Das bedeutet allerdings, dass Fahrgast A jetzt etwas länger unterwegs ist als ihm ursprünglich einmal mitgeteilt worden ist. Aber er erfährt natürlich die neue Ankunftszeit per Mitteilung auf seinem Smartphone …

„Isi“ ist nicht gedacht als Service kreuz und quer durch die ganze Stadt. Vielmehr soll ein zusätzliches Angebot in bestimmten Stadtteilen geboten werden, die relativ dünn besiedelt sind, in denen die Haltestellen der „konventionellen“ Linien deshalb relativ weit auseinander liegen und in denen der Anteil des Individualverkehrs am Gesamt-Verkehrsaufkommen deshalb besonders hoch ist.

„Isi“ verkehrt zum ganz normalen Tarif des Verkehrsverbunds Rhein – Sieg (VRS). Die Fahrausweise von Stammkunden wie VRS-Chipkarte, JobTicket oder Zeitkarte werden anerkannt. Gelegenheitskunden können auch mit Einzelfahrschein mitfahren, wenngleich auch nur solche der Preisstufen 1b oder höher gültig sind – Einzelfahrscheine des Kurzstreckentarifs gelten auf “Isi“ nicht. Wer das Ticket über App bucht, zahlt 10 % weniger, bezahlt werden kann über Paypal oder Kreditkarte. Ticketkauf im Fahrzeug ist möglich, dann kann per Kreditkarte, EC-Karte oder Paypal bezahlt werden. Barzahlung ist nicht möglich.

Vorerst sind drei Bedienungsgebiete definiert worden. Das sind im rechtsrheinischen Südosten der Stadt die Stadtteile Elsdorf, Ensen, Finkenberg, Grengel, Gremberghoven, Poll, Porz, Urbach und Westhoven mit gut 1.500 Haltepunkten. Hier sollen sechs bis sieben Isi unterwegs sein. Im linksrheinischen Nordwesten sind es die Stadtteile Bilderstöckchen, Mauenheim, Neuehrenfeld, Nippes und Weidenpesch mit mehr als 700 Haltestellen. Die KVB planen, hier die restlichen drei bis vier Wagen einzusetzen.

In diesen Bereichen liegen fünf der sechs Gebiete der Stadt Köln, in denen besonders viele Seniorinnen und Senioren leben, die im bisher bestehenden Netz einen Weg von mehr als 300 zur nächsten Haltestelle haben. Für sie werden Fahrten mit dem ÖPNV zum Einkaufen, zur Versorgung und zum Beispiel zum Arzt deutlich einfacher werden.

„Isi“ wird in diesen beiden Gebieten montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr angeboten – es sei denn, einer dieser Tage wäre ein Feiertag. Und warum nur zu diesen Zeiten? Die Erklärung der KVB ist relativ einfach und „schnörkellos“: „Wir wollen nicht, dass die „Isi“ zur Hauptverkehrszeit im Stau stehen und so keinen Zusatznutzen für die Fahrgäste mehr bringen.“

Fahrgebiet tagsüber | © Kölner Verkehrs Betriebe, Christoph Seelbach

Das dritte Bediengebiet sind die Kölner Innenstadt und angrenzende Bereiche in den Abend- und Nachtstunden von 20 bis 3 Uhr. Hier ist „Isi“ zu diesen Zeiten unterwegs, weil hier besonders viel „los“ ist. Es gibt hier rund 1.400 Haltepunkte. Das Angebot gibt es hier in den Nächten von Freitag auf Samstag, von Samstag auf Sonntag und in den Nächten vor Feiertagen. Je nach Nachfrage können hier alle 10 „Isi“ eingesetzt werden. Für die Fahrt mit dem „Nacht-Shuttle“ im Bereich von Innenstadt und Nachbarschaft berechnen die KVB einen Zuschlag. Er beträgt für Stammkunden und Kinder 3,10 Euro (bis 31. 12. noch 3.00 €) und für Gelegenheitskunden 4,10 € (bis 31.12. noch 4,00 €).

Fahrgebiet in der Innenstadt abends und nachts | © Kölner Verkehrs Betriebe, Christoph Seelbach

Eine über App gebuchte Fahrt mit „Isi“ kann innerhalb von 60 Sekunden kostenlos storniert werden, spätere Stornierungen oder solche per Telefon sind nicht möglich. Und wer den Shuttlebus „versetzt“, ist mit einer Gebühr von 3 Euro dabei.   

Zur Bedienung haben sich die KVB für ein Fahrzeug entschieden, das auf den ersten Blick recht exotisch zu sein scheint, das aber tatsächlich in Deutschland gar nicht mehr ist, nämlich das legendäre Londoner Taxi. Allerdings in einer deutlich moderneren Form, und natürlich in einer Version für Rechtsverkehr. Vor allem aber nicht mit Diesel-, sondern mit einem Elektromotor von Siemens. Und mit Lithium-Ionen Batterien von LG Chem aus Südkorea.

Gebaut worden sind die zehn Wagen (KVB 7001 bis 7010) vom Typ „LECV TX eCity B“ bei  LECV (London Electric Vehicles Company). Dieses Unternehmen straft mit seinem Firmensitz seinen Firmennamen gewissermaßen „Lügen“, denn das Unternehmen ist in Coventry zuhause. LECV ist ein Tochterunternehmen des chinesischen Geely-Konzerns, hierzulande wohl eher bekannt als Mutter des Pkw-Bauers Volvo. Aber die Chinesen haben ihrem Taxi-Kind perfekt das Outfit eines typischen Londoner Taxis mit auf den Weg gegeben.

Die Wagen basieren auf einer Bodengruppe aus Aluminium, der Aufbau besteht aus Kunststoff. Der Wagen ist also bewusst leicht gehalten. Das ist auch logisch, denn je weniger Gewicht der Wagen mit sich selber herumschleppt, desto weniger Energie verbraucht er für den Vortrieb, desto weniger Strom zieht er also aus seiner Batterie.

CCS-Ladesteckdose zwischen „Kühlergrill“ und linkem Frontscheinwerfer | © Kölner Verkehrs Betriebe, Christoph Seelbach

Die Wagen können sechs Fahrgäste mitnehmen. Je drei Sitzen rückwärts in der zweiten Reihe stehen ihnen gegenüber drei vorwärts in der dritten. Da die Sitze in der zweiten Reihe alle auf einer unterschiedlichen Position eingebaut werden, ist die „Fußfreiheit“ zwischen zwei gegenüberliegenden Sitzen jeweils unterschiedlich. (Anmerkung: zu Corona-Zeiten dürfen allerdings nur maximal drei Fahrgäste mitgenommen werden.) Und auch ein ganz typisches Detail der Londoner Taxis fehlt nicht: das separate Gepäckabteil neben dem Fahrerplatz. Die KVB empfehlen, hier Koffer und volle Einkaufstaschen zu lassen (vielleicht sollte man allerdings zu Fahrtbeginn das Portemonnaie herausnehmen?).

Und warum haben die KVB sich für das Londoner Taxi entschieden? Die Erklärung ist ganz einfach: nach Ansicht der KVB ist bei diesem Fahrzeug wegen des völlig ebenen Fußbodens der Zugang für Menschen mit Behinderung am einfachsten. Auch gibt es eine Rampe, damit Rollstühle in den Bus fahren können.

Rollstuhlrampe | © Kölner Verkehrs Betriebe, Christoph Seelbach

Eine spezielle Gruppe von Fahrern ist gebildet worden, die mit den „Isi“ unterwegs sein sollen. Sie sind natürlich auch besonders geschult worden. Sie sollen immer im Wechsel je eine Woche „Isi“ fahren und dann die nächste Woche auf ganz normalem Bus.

Eingangs haben wir gesagt, der LECV TX eCity sei unterdessen in Deutschland gar nicht mehr so ein „Exot“. Diese These wollen wir denn doch etwas belegen. Deshalb: inzwischen fahren LECV TX eCity in:

Ort                   Name des Angebots     Betreiber                                             Anzahl der Fahrzeuge

– Berlin             „clever shuittle“            privater Shuttleservice                          20 Wagen

– Hamburg        „loki“                            öffentlich-private Partnerschaft             17 Wagen

– Köln               „Isi“                             Kölner Verkehrs Betriebe (KVB)            10 Wagen

– Münster:        „Loop“                          Stadtwerke Münster                             10 Wagen

– Oberhausen   „Revierflitzer“               STOAG Oberhausen                            5 Wagen

– Offenbach                                          Kreis Verkehrs Gesellschaft                 4 Wagen

Technische Daten: LECV TX eCity B

Hersteller: London Electric Vehicle Company Ltd, Coventry (GB),            Tochterunternehmen des chinesischen Geely-Konzerns

Länge: 4.,855 mm

Breite: 2.036 mm (incl. Spiegel)

Innenbreite: 714 mm

Höhe:   1.880 mm

Radstand: 2.985 mm

vorderer Überhang:      940 mm

hinterer Überhang:        930 mm 

6 Sitzplätze (drei rückwärts in der zweiten Reihe, drei vorwärts in der dritten Reihe), mittlerer Abstand der gegenüberliegenden Sitze 564 mm

Gepäckabteil neben dem Fahrerplatz

Elektromotor:    Siemens 1.5 L B  3154 T – 110 kW (150 PS)

Drehmoment: 250 Nm

LG-Chem Lithium-Ionen-Batterien 345 V

Speicherkapazität: 90 Ah/31 kW, 400 Volt

Elektrische Reichweite: 126 km, mit Range-Extender (Generator mit Benzin) 612 km

Ladedauer bei 50 kW: 25 Minuten

Ladesteckdose (CCS) in der Front zwischen „Kühlergrill“ und linkem Frontscheinwerfer

Antrieb auf die Hinterräder

10.12.2020

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