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Letzte Schichten für die erste Generation Stadtbahnwagen B in Köln

Fotografenglück mit Unterstützung des Fahrpersonals: Begegnung der beiden B-Wagen 2033 und 2049 an der Haltestelle Bayenthalgürtel im Februar 2022 | © Axel Reuther

„Je weniger, desto länger“, wenn diese Aussage auf einen Fahrzeugtyp zutrifft, dann sicher für die Stadtbahnwagen Typ B der ersten Generation im Köln-Bonner-Raum. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB)) halten nach der Ausmusterung des Großteils der Serie von ursprünglich 59 Einheiten in den Jahren 2007 und 2008 insgesamt vier Stück bis heute eisern die Stellung. Doch nun, nach 14 Jahren Außenseiterdasein, naht das Einsatzende. Im April 2022 soll nach 45 Dienstjahren eigentlich Schluss sein, wenn bis dahin die entsprechende Zahl neuer Hochflurfahrzeuge des Typs HF6 von Bombardier (heute Alstom) betriebsbereit ist. Danach sieht es nach zügigem Lieferbeginn der Serienfahrzeuge ab Mitte Januar aber erst einmal wieder nicht aus, so dass die „Fast Oldtimer“ weiter ihre Runden drehen müssten.


Ein kurzer Rückblick: Der Stadtbahnwagen, Typ B auch „Kölner Bauart“ genannt, entstand zu Beginn der 1970er Jahre als Kompromissfahrzeug zum Stadtbahnwagen Typ A. Dieser vom Land Nordrhein-Westfalen (NRW) für das Stadtbahnsystem an Rhein und Ruhr geplante, aus zwei kurzgekuppelten Vierachsern bestehende Zug passte nämlich in den zu dieser Zeit schon fertiggestellten Kölner Tunnelanlagen um die Kurven. Dafür entstand der kürzere sechsachsige Gelenktriebwagen. Die ersten Prototypen wurden 1973 für Bonn (1 Wagen) und Köln (2 Wagen) ausgeliefert. Nachdem Planung und Bau der A-Wagen nicht voran kam, die ersten Strecken aber fertig wurden, entschied sich das Land schließlich notgedrungen auch im Rhein-Ruhr-Raum für den Einsatz des Typs B der Region Rhein-Sieg. In beiden Betriebsbereichen als „vorübergehende Lösung“ deklariert, kam der Typ A nicht über das Modellstadium hinaus und die weiteren Arbeiten dazu wurde schließlich eingestellt.

Nicht nur in Köln aktiv

In der Folge erhielt zunächst Bonn für die bevorstehende Eröffnung der ersten Tunnelstrecke bereits 1974 eine erste Serie, der für die Modell- und Versuchsstrecke der Stadtbahn Rhein-Ruhr zwischen Essen und Mülheim 1975-76 eine zweite Serie zeitgleich mit weiteren Bonner Wagen folgte. Obwohl in Köln zunächst ein adäquates Einsatzgebiet fehlte, musste auf Druck des Landes eine erste Serie von 27 Fahrzeugen beschafft werden, die 1976 zur Auslieferung kamen. Es folgten für 1977 weitere 25 Einheiten, von denen fünf Stück bei den Köln-Bonner Eisenbahnen (KBE) eingestellt waren, denen 1978 noch einmal fünf Stück für die KVB folgten. Insgesamt standen damit in Köln 59 B-Wagen zur Verfügung.

Ein passendes Einsatzgebiet entstand erst 1978 mit der Umstellung der KBE-Rheinuferbahn von Köln über Wesseling nach Bonn auf Stadtbahnbetrieb und Durchbindung an beiden Enden in die bestehenden Netze. Nun kamen die in den vom Land favorisierten Farben rot und weiß lackierten Kölner Wagen (KVB und KBE) auch nach Bonn, wie auch die Bonner Wagen in Köln zu sehen waren. Die beiden Bonner Betriebe SWB und SSB hatten nach dem Prototyp und der Erstserie von 17 Fahrzeugen 1974 bis 1978 weitere 22 Einheiten erhalten. Sie fielen vor allem durch ihre abweichende Lackierung in zwei Grüntönen auf, denn die Bundeshauptstadt war der Meinung gewesen, sich nicht an die Landesvorgaben zur einheitlichen Farbgebung halten zu müssen! Auch Essen erhielt 1978 noch einmal acht Fahrzeuge, die sich aber durch andere Türen von den bisher gelieferten Wagen unterschieden.

Weitgehendes Einsatzende in Köln 2008 – teilweise neue Heimat in Istanbul

Köln verlor 1996 und 1998 drei Serienfahrzeuge durch Brandstiftung und auch die beiden Prototypen kamen nicht mehr im Linienverkehr zum Einsatz. Die übrigen 54 Wagen waren bis 2007 im Fahrgastbetrieb unterwegs. Die Abspaltung des Nord-Süd Teilnetzes und dessen Umstellung auf neu zu liefernde Niederflurwagen setzte sie dann in größerer Zahl frei. 32 Stück konnten 2007 und 2008 nach Istanbul in die Türkei verkauft werden, wo sie sich zum Teil bis heute nützlich machen. Weitere 17 Stück wurden, teilweise auch zur Ersatzteilgewinnung für die verkauften Fahrzeuge, in Köln verschrottet.

Ehemaliger Kölner B-Wagen neben einem Niederflurzug der Stadtbahnlinie 1 in Istanbul | © Samml. Axel Reuther
Der in alter Farbgebung erhaltene Tw 2012 bei der Fahrt zum Straßenbahnmuseum in Thielenbruch im Bereich Holweide am 13.03.2022 | © Markus Vogelfänger

Damit verblieben noch sieben Stück in Köln. 2012, 2031, 2032, 2035, 2044, 2049 und 2098. Davon ist Tw 2012 seit 2007 historisches Fahrzeug, wird aber auch von der Fahrschule verwendet, 2044 diente ab 2006 bis zu seiner Ausmusterung 2015 mangels ausreichender Beschäftigung als Bauzugwagen und 2098 erlitt 2009 einen Brandschaden, der zu seiner Ausmusterung führte.

Langlebiges Restquartett

Für den Fahrgastbetrieb blieb das Quartett 2031, 2032, 2035 und 2049 übrig. Sie schoben aber wegen des im Hochflurnetz bestehenden permanenten Fahrzeugmangels alles andere als eine ruhige Kugel, sondern waren zumeist paarweise untereinander oder mit Wagen der neueren Serien gekuppelt täglich auf allen Strecken mit Hochflurbetrieb im Einsatz. Lange Zeit fielen sich durch ihre unveränderte ursprüngliche Lackierung bei den sich nach und nach an das neue Design in lichtgrau mit roten Fahrzeugköpfen anpassenden Wagenpark sofort auf. Mit Ausnahme des Tw 2035 erhielten auch die drei B-Wagen zwischen 2011 und 2015 dieses Aussehen. Lediglich Tw 2035 verblieb in der alten Farbgebung, ehe auch er im Juni 2020 neu foliert wurde und das 1973 eingeführte Farbschema Vergangenheit war. Nur beim Museumswagen 2012 blieb es erhalten. Dennoch wich Tw 2035 gegenüber seinen drei Artgenossen ab, da seine Leuchtenleiste auf der Stirnfront nicht wie üblich lichtgrau, sondern ebenfalls rot war.     

Tw 2035 in der Ursprungslackierung gemeinsam mit einem der drei farblich angepassten B-Wagen der 1. Generation unterwegs auf der Linie 5 im Bereich Butzweilerhof. 16.02.2020 | © Markus Vogelfänger
Tw 2035 in der neuen, aber im Detail abweichenden Lackierung im Februar 2022 auf der Linie 17. Er verlässt gerade die Strecke am Rheinufer und biegt in die Zufahrt zur Tunnelstrecke der Nord-Süd-Stadtbahn in Richtung Severinstraße ein | © Markus Vogelfänger


Aber nicht nur optisch fielen die letzten 2000er auf, auch akustisch merkte selbst der normale Fahrgast schnell, dass er in einem mittlerweile doch besonderen Fahrzeug saß. Spätestens dann, wenn die mit Druckluft betätigten Schiebetüren mit einem Zischen ihren Schließvorgang ankündigten und diesen dann fast krachend beendeten. Gerade beim zumeist gemeinsamen Schließen entsteht dadurch an jeder Haltestelle eine nervige Geräuschkulisse. Im Nachhinein muss man sich fragen, was sich eigentlich die Entwickler dieser Fahrzeuge dabei gedacht haben, die Benutzer der B-Wagen diesen Geräuschen permanent auszusetzen. Schließlich ging es auch anders, denn die elektrisch betätigten Falttüren der Straßenbahnwagen öffneten und schlossen sich nahezu geräuschlos! Auch erwies sich die Technik der Türen bei den B-Wagen als sehr wartungsintensiv und damit teuer. Das war der Grund des Betriebes in Essen, hier schon 1978 auf elektrische Falttüren umzusteigen. Im Köln-Bonner Raum blieb das „Zisch-bumm“ der Türen aber noch lange Zeit ein Ärgernis.

Während der Fahrt kommen dann auch Freunde der leiseren Töne elektrisch betätigter Geräte auf ihre Kosten. Die B-Wagen der ersten Generation sind mit einem unter dem Wagenboden angeordneten Schaltwerk ausgestattet, welches beim Anfahren und Bremsen nicht laut aber doch vernehmlich das Springen zwischen den Schaltstufen hören lässt.

Zu Jahresbeginn 2021 musste Tw 2031 mit einem Schaden abgestellt werden, angesichts des bevorstehenden Einsatzendes wird auf eine Instandsetzung verzichtet. Die drei verbliebenen Einheiten wurden nun aus dem normalen Einsatzplan herausgenommen und werden im Regelfall noch als Einzelwagen auf der kurzen Linie 17 (Severinstraße – Rodenkirchen bzw. Sürth) eingesetzt, wo sie aber weiterhin täglich zu sehen sind. Meist laufen dort zwei Stück, hin und wieder aber auch alle drei. Der Vorteil ist, dass die Wagen nun nicht mehr erst lange gesucht werden müssen, wenn man noch einmal mitfahren oder Bilder machen möchte. Nicht mehr behobene Lack- und Türschäden aber auch der allgemeine Pflegezustand der Wagen erzeugen dabei Endzeitstimmung. „45 Jahre und kein bisschen leise“ – bald war es das dann!

Im Ruhrgebiet weiterhin aktiv

Wer weiterhin das Fahrgefühl der 1970er-Jahre mit B-Wagen der ersten Generation genießen möchte, dem bleibt noch einige Zeit der Weg ins Ruhrgebiet. In Dortmund fahren auf der U42 noch die 2004 aus Bonn übernommenen Wagen des Baujahres 1974 noch solange, bis die bestellten neuen Stadtbahnwagen von HeiterBlick in ausreichender Stückzahl geliefert worden sind. Für den Einsatz in Dortmund angepasst wurden zehn Einheiten, weitere drei, darunter der Prototyp 7351, dienten als Ersatzteilspender. Ursprünglich mit blauer Eigenwerbung für die Stadtwerke unterwegs, erhielten sie mittlerweile die aktuelle weiße-rote Lackierung. Auch weichen sie durch die Türen, den Einholmstromabnehmer und den kleinen Zielschildkasten von den eigenen B-Wagen ab.

Ehemaliger Bonner Stadtbahnzug in Dortmund mit den zunächst verwendeten Totalwerbungen für die Stadtwerke. Hier in Grevel im Jahre 2008 | © Axel Reuther
Heute tragen die aus Bonn übernommenen Stadtbahnwagen der 1. Generation die aktuelle Lackierung in weiß und rot. Aufnahme von 2012 | © Axel Reuther
Vergangenheit ist die City-Express Lackierung der Essener Fahrzeuge und auch das Gelb hat sich verändert. 2014 auf der Linie U11. Es führt einer der acht im Jahre 1978 mit Falttüren beschafften Triebwagen | © Axel Reuther
B-Wagenzug in der aktuellen Lackierung der heutigern Ruhrbahn noch mit Eigentumsbezeichnung der EVAG im Jahre 2014 | © Axel Reuther

Auch bei der Ruhrbahn sind im Bereich Essen-Mülheim noch alle Wagen der Baujahre 1976 bis 1978 aktiv. Sie haben allerdings durch einen Umbau von Schaltwerk- auf Choppersteuerung in den 1980er Jahren ihre klassischen Fahrgeräusche eingebüßt. Auch bei der Ruhrbahn sind sie in neuer Lackierung unterwegs, die sich über mehrere Zwischenstufen von der einmal geplanten Einheitsfarbe rot-weiß nach Kölner Vorbild in gelb-schwarz veränderte. Hier, wie auch in Dortmund sind die Geräusche der mit Druckluft arbeitenden Türen gebändigt worden. Die Nachfolgegeneration konnte erst kürzlich bestellt werden, so dass die B-Wagen der 1. Generation in Essen und Mülheim noch einige Zeit unterwegs sein werden. 

Einer der beiden noch im Ursprungszustand vorhandenen B-Wagen der 1. Generation in Bonn gemeinsam mit einem umlackierten Fahrzeug auf der Linie 66 im Jahre 2016 | © Axel Reuther
Ein 1977 gebauter B-Wagen der Stadtwerke Bonn in der neuen Farbgebung, ansonsten aber baulich unverändert. Aufnahme von 2016 | © Axel Reuther

Viel Glück benötigt man in sicher in Bonn: Nur noch zwei Tw (7577 und 7757) der ersten Generation gibt es noch im ursprünglichen Zustand. Weitere drei sind für die bevorstehende Modernisierung bereits abgestellt. Zuvor waren einige der B-Wagen aber auch in der neuen Bonner Farbvariante rot-weiß unterwegs, die aber mit der Kölner Ursprungslackierung keine Gemeinsamkeiten aufweist.

Die nicht modernisierten Bonner Stadtbahnwagen sind auch die letzten, die für die Linien- und Zielbeschilderung Rollbänder verwenden. Bei den anderen Einsatzbetrieben der 1. Generation erhielten sie im Laufe der Zeit elektronische Anzeigen. So ist auch der KVB-Museumswagen damit ausgestattet und daher nicht mehr im Originalzustand. Ein Rückbau mit Hilfe Bonner Materials wird aber angestrebt.

Am ersten Öffnungstag des Kölner Straßenbahnmuseums in Thielenbruch 2022 am 13.März waren die letzten noch vorhandenen B-Wagen der 1. Generation aus Bonn und Köln fotogen nebeneinander aufgestellt | © Markus Vogelfänger
03.05.2022
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Bahnfan_Cologne
Bahnfan_Cologne
4 Monate zuvor

Man hätte die B100s einfach behalten und dann später wie die 2100er modernisieren sollen, statt die nach Istanbul zu verkaufen… Das war noch gute alte DUEWAG Qualität, an die keines der modernen Fahrzeuge rankommt.

Die B100s in Istanbul sollen wohl in einem sehr schlechten Zustand sein (Was man auf neueren Bildern von denen auch sieht) und werden dort auch nicht mehr allzu lange fahren. Schade, das die dort so heruntergewirtschaftet wurden. Da sind selbst die verbleibenden B100s der KVB noch in einem vergleichsweise guten Zustand…

Man hat in Istanbul die B100s zwar „modernisiert“ aber mit einer wirklichen Modernisierung hat das nichts zu tun. Das kann man eher „verbastelt“ nennen. Die Technik ist immer noch die gleiche wie bei der KVB. Da wurden nur die vorderen Kuppelungen entfernt und die Öffnung an der Front eher provisorisch geflickt sowie teilweise die Frontscheiben gegen einteilige ausgetauscht und auch eine Klimaanlage „reingebastelt“ (dort wo das verschlossene Fenster ist) Hier ein Bild aus den Jahr 2019 https://transphoto.org/photo/1278750/?upd=1&lang=en

Neben dem B100s gibt es in Köln ja naoch den B80d (2200er und 2300er) auch von DUEWAG und einige 2200er von Waggon Union. Diese kamen ja in den 80er Jahren nach Köln und sollen erst gegen 2030 zusammen mit den K5000ern druch neue Hochflurbahnen ersetzt werden. So wären die B80d dann ebenfalls teilweise länger als 40 Jahre im Einsatz, während die neuen K5000er nur knapp 30 Jahre durchhielten…

B100s_Fan
B100s_Fan
3 Monate zuvor

Es sollen wohl jetzt vor kurzem alle B100s in Köln abgestellt worden sein, scheinbar wegen technischen Defekten weil sich dann eine Reparatur nicht mehr lohnen würde oder sowas. Wirklich schade um diese tollen Fahrzeuge, ob sie jemals zurückkommen ist ungewiss. Wahrscheinlich eher nicht, da die Reparatur/Instandhaltung der KVB zu teuer ist und sie ja deswegen abgestellt wurden.

Anonym
Anonym
1 Monat zuvor
Reply to  B100s_Fan

Eh nein, die Bahnen werden neue Lichtschranken sowie elektrische Türen erhalten da druckluft türen nicht mehr zeit gemäßt ist, erhalten und sollen weitere 5 bis 10 jahre fahren