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Nordhausen: Neue Elektrobusse S 12 von Sileo

Vorstellung der fünf neuen Sileo S 12 für Nordhausen auf dem Betriebshof | © Kreis Nordhausen

Im Jahr 2013 entstand in Salzgitter mit Sileo ein neuer Bushersteller, und zwar einer, der sich von Anfang an auf den Bau von Elektrobussen spezialisiert hat. Salzgitter war schon seit 1969 ein wichtiger Standort im deutschen Omnibusbau, denn schon 1969 verlegte der renommierte Nutzfahrzeug-Hersteller Büssing die Produktion seiner Lastwagen und Busse aus den beengten Platzverhältnissen in seinen alten Werkshallen am Heinrich-Büssing-Ring in Braunschweig in eine völlig neue, moderne Fabrik in Salzgitter-Watenstedt. In der nach der Übernahme von Büssing durch MAN dann MAN (-Büssing)-Busse entstanden. Mit Sileo setzte sich jetzt die Tradition des Busbaus in Salzgitter fort. Dabei ist interessant, dass das Werk von Sileo nur rund einen Kilometer von der Fabrik von MAN entfernt ist …

Schon im Jahr 2014 lieh Sileo erste Vorführwagen an Verkehrsbetriebe aus. Als Beispiel seien die Bonner SWB genannt, wo nacheinander vier Elektrobusse von Sileo getestet worden sind: zwei Sileo S 10,7 sowie je ein Sileo S 12 (zwölf Meter langer Solowagen) und S 18 (Elektro-Gelenkbus). Von Januar bis April 2016 bekamen die SWB dann sechs Sileo S 12 (Wagen 1501 bis 1506), denen im Frühjahr 2018 mit Wagen 1801 noch einmal ein Sileo S 12 folgte.

Im April 2016 präsentieren die Bonner SWB ihre sechs ersten Elektrobusse, Wagen 1506 auf dem Betriebshof Friesdorf | © Christian Marquordt
Ganz früher Sileo S 18 Gelenk-Elektrobus als Vorführwagen bei den Bonner SWB | © Christian Marquordt

Am 28. Oktober hat Sileo jetzt fünf Elektrobusse seines Typs Sileo S 12 an die Verkehrsbetriebe des thüringischen Kreises Nordhausen übergeben, ein sehcster Wagen soll im Dezember folgen. Sie sind nicht die ersten Elektrobusse in Thüringen, aber sie gehören zu den allerersten in diesem Bundesland. Andere Busse mit dieser neuen Antriebstechnik laufen in Bad Langensalza (beim privaten Stadtverkehrsbetreib König – diese Wagen hat ebenfalls Sileo geliefert), beim Jenaer Stadtverkehrsbetrieb JeNah und bei der Eisenacher „Wartburgmobil“ (Einsatz auf der Eisenacher Stadtlinie 2).

Sileo S 10,7 des privaten Stadtverkehrsbetriebs König in Langensalza | © Christian Marquordt
Schon im Mai 2020 fuhr ein erster Sileo S 12 im Test in Nordhausen | © Landratsamt Nordhausen

Im Beisein des thüringer Umwelt-Staatssekretärs Olaf Möller übergab Sileo die neuen Elektrobusse an Landrat Matthias Jendricke vom Kreis Nordhausen und Thorsten Schwarz, den Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe.

Nordhausens neue Elektrobusse sind so genannte „Depotlader“, und das heißt, das sie im Wesentlichen über Nacht auf dem Betriebshof aufgeladen werden. Damit folgen sie derselben Ladetechnik wie auch die Sileo in Langensalza. In Nordhausen hat man sich für diese Lösung entschieden, damit man keine neuen Linien-Umläufe für die Elektrobusse erarbeiten musste und die Wagen freizügig wie die bisherigen Dieselbusse einsetzen kann. Allerdings gibt es da doch eine kleine Besonderheit: an der Endhaltestelle in Niedersachswerfen gibt es doch zwei zusätzliche Ladestationen für das Nachladen während der Wendezeit.

Geladen wird mithilfe  des „standardisierten combined charging systems 2 (CCS2)“, wobei man hier mit Firma „Schaltbau“ zusammen gearbeitet hat. Dabei ist wichtig, dass Busse und Ladeinfrastruktur eine „gemeinsame Sprache sprechen. “ Und noch etwas ist interessant: die Ladeinfrastruktur ist schon heute so geplant, dass mehr als 20 Wagen auf dem Betriebshof geladen werden können. Sileo hat den Verkehrsbetrieben Nordhausen eine Reichweite von mindestens 170 Kilometern zugesagt, die die Wagen sowohl im Sommer als auch im Winter erreichen sollen.

Beim Konzept für die Beschaffung von sechs Elektrobussen und die Spezifikation der Ladeinfrastruktur  haben die Verkehrsbetriebe Nordhausen sich durch ein Fraunhofer-Institut beraten lassen. Wesentliche Kriterien für die Vergabe des Auftrags waren nicht nur, dass die neuen Elektrobusse die geforderte Reichweite auch tatsächlich bringen, sondern auch das effiziente Wärmepumpensystem für Heizung und Klimatisierung.

Staatssekretär Olaf Möller wies bei der Übergabe der Busse darauf hin, dass die neuen Sileo S 12 im Vergleich zu den bisher eingesetzten Dieselbussen jährlich rund 100 Tonnen CO2 nicht ausstoßen. Das entspreche den Verbrennungsrückständen von 38.000 Litern Diesel. Und Verkehrsbetriebe-Geschäftsführer Thorsten Schwarz nannte die neuen Elektrobusse von Sileo „Designerstückchen mit hohem Fahrkomfort für Fahrer und Fahrgäste“.

Technische Daten Sileo S 12

Länge:  12.200 mm
Breite:  2.550 mm
Höhe:   3.213 mm
Fahrgastkapazität:        39 Sitzplätze, 51 Stehplätze
zwei oder drei doppeltbreite Türen

Vorderachse:    ZF RL 82 EC mit Einzelradaufhängung
Antriebsachse: ZF AVE 130 (Elektro-Portalachse)
Lenkung:          ZF 8098 Servocom
Antriebsbatterie:   225 kWh Lithium-Eisenphosphat
Spezifischer Energieverbrauch 0,7 bis 0,8 kWh/km
Ladezeit:        3 bis 7 Stunden (abhängig von Batteriekapazität und Ladeleistung)
Ladeleistung:   
– bis 80 kW (mobile Standard-Ladetechnik)
– bis 180 kW (dynamische Ladematrix DLM)
Batteriespannung: 500 bis 700 Volt
Eingangsspannung:      400 VAC
Elektrische Reichweite: bis zu 280 km
zwei Antriebsmotoren à 120 kW = 240 kW
maximales Drehmoment:          21.000 Nm
Bremssystem:  Wabco EBS 3 (mit regenerativem Bremsen)    
V/max:             79 km/h
Heizung / Klima:  optionale Wärmepumpe (elektrisches Heizen und Kühlen) oder Leichtklimatisierung
Vorkonditionierung:  nach Kundenwunsch fossil oder elektrisch
zul. Gesamtgewicht:     19.000 kg        

Auf der Busworld 2017 im belgischen Kortrijk präsentierte Sileo die neue Generation seines S 12 | © Christian Marquordt

24.11.2020

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