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Paris investiert massiv in städtischen Schienenverkehr und stellt Grand Paris Express Mock-Up vor

Am 2. Oktober 2020 wurde das finale Innen- und Außendesign der Alstom Metrozüge des Grand Paris Express vorgestellt I © Alstom

Während der öffentliche Verkehr die Stadt Paris selber mit einer Fläche von nur 105 km2 und gut 2 Millionen Einwohnern sehr gut versorgt, sind die umliegenden und nahtlos anschließenden Städte von Groß-Paris in der „Île de France“ mit weiteren über 10 Millionen Einwohnern vor allem untereinander sehr schlecht verbunden. Dem soll das neue U-Bahn-Netz „Grand Paris Express“ Abhilfe schaffen. Das Projekt wurde 2011 beschlossen, seit 2015 wird gebaut und 2030 sollen alle Linien in Betrieb sein und täglich zwei Millionen Fahrgäste befördern.

Linienplan des Grand Paris Express. Die grünen Punkte bezeichnen die Umsteigestellen zur bestehenden Metro, die roten zu SNCF-Bahnhöfen I © Société du Grand Paris

Der „Grand Paris Express“ will die Nutzung des Autos zugunsten des öffentlichen Verkehrs einschränken, die wirtschaftliche Entwicklung fördern, sowie bessere Verbindungen zwischen Arbeits- und Wohngebieten ermöglichen. Er soll Quartiere, die heute sozial schwach sind, durch ein leistungsfähiges öffentliches Verkehrsmittel erschließen und durch seine Auswirkungen auf den Straßenverkehr, den Umweltschutz und die Verbesserung der Luftqualität zur nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Als größtes städtisches Entwicklungsprojekt Europas ist die neue U-Bahn eine Investition in die Zukunft. Für den Bau des Grand Paris Express sind insgesamt 35,6 Milliarden Euro, davon 7 Milliarden an Rückstellungen für Risiken und Unvorhergesehenes, vorgesehen. Darüber hinaus sind 3,5 Milliarden Euro für die Modernisierung und Anpassung des bestehenden Netzes vorgesehen: Die U-Bahn-Linien 11 und 14 und die RER-Linie E werden verlängert und die RER-Linien A, B, C und D modernisiert.

Einbau einer Tunnelbohrmaschine in direkter Nachbarschaft zu Wohngebäuden I © Herrenknecht AG

Entlang des gesamten neuen Netzes wird die Stadt umgestaltet und verdichtet. Der Bau der 68 Bahnhöfe des Grand Paris Express wird bereits von städtischen Projekten begleitet, die Tausende von Menschen aus der Île-de-France aufnehmen werden. In den kommenden Jahren sollen neue Wohn- und Geschäftsquartiere entstehen.

Langfristig rechnet man damit, dass das neue Verkehrsnetz das Bruttoinlandsprodukt der Region Île-de-France um mehr als 100 Milliarden Euro erhöhen wird. Die Investitionen in die neue U-Bahn sollen die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit dieser führenden Wirtschaftsregion Europas stärken. Innerhalb von 25 Jahren sollen dank dem „Grand Paris Express“ 115 000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der soziale und wirtschaftliche Nutzen des Projekts wird auf fast 80 Milliarden Euro geschätzt.

Baustelle der Umsteigestation Saint-Denis-Pleyel I © Société du Grand Paris / Gérard Rollando

Das Netz

200 km automatische Linien mit 68 neuen Stationen werden das Pariser U-Bahn-Netz von 214 km beinahe verdoppeln. Rechnet man die 587 km städtischen- und Vororts-RER-Schnellbahnlinien dazu, so ergibt sich ein Schienennetz von rund 1000 km mit einer besseren Flächenerschließung als in Shanghai, Beijing, London oder New York. Mit durchschnittlich rund 3 km Stationsabstand – gegenüber weniger als 500 m bei der städtischen Pariser Metro – und bis zu 110 km/h schnellen Zügen werden Reisegeschwindigkeiten zwischen 55 und 65 km/h erreicht, mehr als das doppelte der innerstädtischen Pariser U-Bahn-Linien.

Dadurch werden direkte und schnelle Reisen zwischen den Vorstädten ohne Umweg durch das Zentrum von Paris, und bessere Verbindungen zu den Flughäfen möglich. Dadurch soll aber auch die Belastung der bestehenden Linien (U-Bahn, RER, Transilien) im Stadtzentrum um 20 bis 30 % reduziert werden.

Insgesamt sind im Laufe dieses Jahres 20 Tunnelbohrmaschinen (TBM) von Herrenknecht gleichzeitig im Einsatz. Davon sind 16 EPB-Schild-Maschinen mit Durchmessern von 7725 mm bis 9840 mm, 3 TBM für variable Dichte mit Durchmessern von 7710 mm bis 9830 mm und eine Vertikale Schachtabteufmaschine für Durchmesser von 8300 mm bis 11 900 mm. Insgesamt werden bis 2030 etwa 30 TBM für die Fertigstellung des gesamten Netzwerks in Einsatz kommen.

Innenansicht der zukünftigen Kreuzungsstation Saint-Denis-Pleyel der Linien 14, 15, 16 und 17 I © Société du Grand Paris / Agence Kengo Kuma & Associates.

Die Bahnhöfe werden als „Umsteigebahnhöfe“ konzipiert, um gute Verbindungen zwischen der automatischen U-Bahn und allen anderen Verkehrsmitteln zu erreichen. 80 % der neuen Stationen erlauben das Umsteigen auf andere Linien. Die Verbindungen mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, vom Flugzeug bis zum Fahrrad, werden somit effizient und komfortabel sein. Sie sollen auch so gestaltet werden, dass sie nicht nur Durchgangsorte, sondern echte zur Stadt hin offene Lebensräume mit Dienstleistungen und Geschäften sind, die zur Vitalität der Quartiere und zur Lebensqualität der Bewohner beitragen.

Um den Fahrgästen einen flüssigen und ständigen Zugang zum Internet zu bieten, werden die Bahnhöfe und die Züge mit mobilen Mobilfunk- und Wi-Fi-Netzen ausgestattet. Die Kombination dieser beiden Technologien ermöglicht es, Informationen zu erhalten, zu arbeiten, zu spielen, zu lernen oder einfach auf personalisierte Echtzeitinformationen über seine Reise zuzugreifen. Zur Förderung der digitalen Entwicklung der Wirtschaft der Pariser Region wird ein leistungsfähiges Glasfasernetz entlang der Linien in die Infrastruktur integriert.

Rollmaterial

Die bestehende Linie 14 wird heute mit gummibereiften, 90 m langen 6-Wagen-Zügen betrieben, die Stationen sind aber vorausschauend auf 8 Wagen ausgelegt, und in Zukunft werden hier 72 Züge vom Typ MP 14 mit 120 m Länge, bestehend aus acht 15 m langen Wagen verkehren.

Die ersten neuen Züge der Baureihe MP14 wurden am 12. Oktober auf der Linie 14 zwischen den Bahnhöfen Olympiades und Saint-Lazare in Betrieb genommen. Bis 2021 werden insgesamt 20 automatisierte Züge der Baureihe MP14 ausgeliefert.

Bildergalerie (zum Öffnen bitte anklicken):

Auf der Linie 15 sollen Züge in konventioneller Rad-Schiene-Technik eingesetzt werden. Die maximale Länge dieser Züge wird 108 m betragen und 6 Wagen von 18 m Länge aufweisen, was bei einer mit den Abmessungen der RER-Züge vergleichbaren Breite von 2,8 m eine Kapazität von gegen 1000 Personen pro Zug ergibt. Die Streckenkapazität zur morgendlichen Verkehrsspitze liegt damit bei einem 2-Minuten Takt bei etwa 30 000 Reisende pro Stunde. Die Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h wird dann eine Fahrt rund um Paris in ca. 80 Minuten erlauben. Die Stromzufuhr wird über eine 1500 V Gleichstrom-Oberleitung erfolgen, mit Speicherung oder Netzrückspeisung der beim Bremsen freiwerdenden kinetischen Energie.

Innenansicht des am 2. Oktober 2020 vorgestellten Mock-Ups. Man beachte die „freie Sicht“ auf die Strecke dank fahrerlosem Betrieb und die in blau und rot gehaltenen Sitze I © Alstom

Die Linien 16 und 17 werden gleichartige, aber mit 3 Wagen nur halb so lange Züge wie die Linie 15 verwenden.

Im Juli 2018 erhielt Alstom einen Auftrag über 1,3 Milliarden Euro für 53 Metropolis-Züge (30 für die Linie 15 und 23 für die Linien 16 und 17) und im März 2019 einen weiteren über 23 zusätzliche dreiteilige Züge für die Linien 16 und 17. Insgesamt sollen bis 2024 133 Züge auf der Linie 15 und bis zu 50 Züge auf den Linien 16 und 17 im Einsatz stehen.

Linie 18 soll ebenfalls in konventioneller Technologie mit Stahlrädern auf Stahlschienen ausgeführt werden. Die Wagen sollen 2,45 m breit sein und die Züge sollen aus drei oder vier Wagen bestehen, die 350 bis 500 Passagiere pro Zug aufnehmen können. Die Energieversorgung soll über dritte Schiene mit 1500 V Gleichstrom erfolgen.

Mock-Up

Am Freitag, den 2. Oktober 2020, wurde ein Mock-Up der neuen Metro vorgestellt. In Anwesenheit von Valérie Pécresse, Präsidentin von Île-de-France Mobilités und der Region Île-de-France, Thierry Dallard, Vorstandsvorsitzender der Société du Grand Paris, und Henri Poupart-Lafarge, Vorstandsvorsitzender und CEO von Alstom, wurde das Design der zukünftigen U-Bahnen der Linien 15, 16 und 17 der Île-de-France bei der Eröffnung der Ausstellung Les lignes du design (Designlinien) enthüllt. Die Ausstellung befindet sich in der Fabrique du Métro in Saint Ouen, unweit der Alstom Hauptquartiers. Eine Anfahrtsbeschreibung und Zusammenfassung gibt es hier: https://www.societedugrandparis.fr/fabrique

Blick vom Mock-Up in das Modell der U-Bahn Station in der Fabrique du Métro in Paris Saint Ouen I © Alstom

In Zusammenarbeit mit der Île-de-France Mobilités, der Société du Grand Paris, ihrem Hauptauftragnehmer Systra und der Designagentur RCP Design Global und unter Berücksichtigung der Anforderungen der ÖPNV-Nutzer hat das Büro Design&Styling von Alstom ein Innendesign entworfen, das den Fahrgästen eine geschmeidige und komfortable Reise bietet. Das Innenlayout der U-Bahnen ist sowohl auf hohe Kapazität als auch auf Komfort ausgelegt.

Weitere Informationen zum ÖPNV und detaillierte Karten finden sich hier:

http://www.urbanrail.net/eu/fr/paris/paris.htm

Das folgende, animierte Video beschreibt das Grand Paris Express Projekt und seine Fahrzeuge:

15.10.2020

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