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Wirklich hoch: Die neue Tranvía Cuenca in Ecuador

Testfahrten der neuen Tram | © Consorcio ACTN Presse

Auf mehr als 2.500 Meter Meereshöhe findet in Europa Schienenverkehr bestenfalls als alpine Bergbahn statt – doch nicht so andernorts auf der Welt: In Ecuador gibt es jetzt eines der höchstgelegenen Straßenbahnsysteme der Welt und außerdem die erste Tram im Land seit Jahrzehnten: Die neue „Tranvía Cuenca“ nahm am 25. Mai 2020 den Personenverkehr auf – zunächst auf Probebasis und unter „COVID-19“-Beschränkungen. Der Verkehr wird täglich zwischen 6.00h und 20.00h und vorerst kostenlos angeboten, um die lokale Bevölkerung mit dem neuen Verkehrssystem vertraut zu machen.

Cuenca ist Ecuadors drittgrößte Stadt, hat etwa 420.000 Einwohner (plus weitere 230.000 in der Metropolregion) und liegt auf 2.550 Meter über dem Meeresspiegel. Das historische Zentrum gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zieht das ganze Jahr über viele Besucher aus allen Teilen der Welt an.

Ablieferung des ersten Wagens schon 2015| © Alstom Press

Erste Ausfahrten | © Holcim Ecuador
Eröffnung unter dem Eindruck von COVID-19:

Der Bau der neuen Niederflur-Straßenbahn hatte bereits vor einigen Jahren begonnen – unter Führung des Konsortium ACTN aus den Firmen Alstom, CIM (Compagnie Internationale de Maintenance) und NGE Group – und die Einweihung wurde mehrmals verschoben, von ursprünglich geplanten 2016 auf 2018 und jetzt auf 2020. Die Infrastruktur ist jedoch bereits seit mehr als zwei Jahren vorhanden und einsatzfähig, und auch die 14 Straßenbahnen trafen 2015/16 vertragsgemäß in Cuenca ein. Auch Testfahrten auf der Strecke laufen schon seit mehr als 2 Jahren. Schließlich wurde auf politischer Ebene Konsens erzielt, um das neue System nunmehr endlich eröffnen zu können, obwohl aktuell natürlich verschiedene Beschränkungen in Bezug auf die Pandemie gelten, wie die Begrenzung der Zahl der Passagiere, Vorschriften zum Abstandhalten in den Fahrzeugen und die Verpflichtung, Gesichtsmasken zu tragen. Die Aufnahme des Vollbetriebs wird in wenigen Wochen in vollem Umfang erwartet.

Die zweigleisige Straßenbahnlinie ist in europäischer Normalspur 1435mm angelegt, 10,2 km lang und bedient 20 Haltestellen in jeder Richtung. 2,1 km der Strecke sind statt Oberleitung mit Alstoms unterirdischem Stromversorgungssystem APS ausgestattet, das bereits in verschiedenen anderen Städten der Welt im Einsatz ist. In Cuenca wird es hauptsächlich verwendet, um die „visuelle Wirkung einer Oberleitung“ in der historischen Innenstadt zu vermeiden – zu höheren Bau- und Wartungskosten. Die Straßenbahn nutzt weitgehend eigene Trassenabschnitte, um unbehindert vom Autoverkehr voranzukommen – außerhalb der Innenstadt auch mit Rasengleis selbst an den Stationen, von denen die meisten mit einem zentralen Mittelbahnsteig ausgestattet sind.  In der Altstadt fährt die Straßenbahn durch parallele, enge Straßen, die Gleise sind hier eingepflastert und können auch von anderen Fahrzeugen befahren werden.

Testfahrten im Zentrum | © Alstom Press

Hst. Parque de Molinero | © Holcim Ecuador

Alstom lieferte 14 fünfteilige Niederflur-Straßenbahnwagen in Zweirichtungsbauart aus seinem Baukastenplattform Citadis 302. Das Frontdesign entspricht den Citadis Fahrzeugen, die im französischen Toulouse fahren. Sie sind 32,6 m lang und 2,4 m breit. Alle sind für die Stromversorgung durch Oberleitung und APS unterirdisch ausgerüstet. Hergestellt wurden sie in Alstoms Fabrik in La Rochelle.

© Tranvía Cuenca
02.06.2020

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