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150.000 Busse aus Vysoké Myto

MZ-DB 4814, ein Crossway 12 LE City des DB-Konzerns, am Bahnhof Ahrbrück (bei Bonn) | © Christian Marquordt

Rund 150 Kilometer östlich der tschechischen Hauptstadt Prag (Praha) liegt Vysoké Myto. Man ist stolz darauf, den größten Marktplatz in der tschechischen Republik zu haben. Dem zum Trotz ist die Stadt mit 12.315 Einwohnern (Stand 2018) doch wohl eher unter die kleineren Städte zu rechnen.

Aber in ihren Mauern steht eins von Europas größten Buswerken, in dem Iveco vor kurzem den Bus Nummer 150.000 fertigstellen konnte, der je hier gebaut worden ist.

Und das kam so:

Josef Sodomka

Im Jahr 1895 gründete Josef Sodomka (geboren 1865 in Vysoké Myto) in seiner Heimatstadt einen Karosseriebau-Betrieb, die „Carrosserie Sodomka“. Zunächst entstanden hier Kutschen, doch schon bald wurden auch Aufbauten für die Fahrgestelle von Automobilen gefertigt. Karosserien von Sodomka waren formschön, und sie hatten einen guten Ruf, denn sie galten als solide.

33 Jahre nach der Gründung des Unternehmens verließ 1928 der erste Bus das Werk von Sodomka. Auf das Fahrgestell „Skoda 125“ war ein Aufbau mit 14 Sitzplätzen gesetzt worden. Gleich im ersten Jahr 1928 entstanden sechs Busse in Vysoké Myto.    

1895: Josef Sodomka eröffnet in der Stadt Vysoke Myto – Tschechische Republik, 160 Kilometer östlich von Praha (Prag) – ein Karosseriebau-Unternehmen. Zunächst baut er Kutschen, dann liefert er Karosserien für Pkw, 1928 baut er seinen ersten Bus, einen Wagen mit 14 Sitzen auf dem Skoda-Fahrgestell 125.

Der erste Sodomka bus von 1928 auf Skoda 125 | © Iveco
Skoda 706 RTO, Museumswagen der Barnimer Bus Gesellschaft aus Eberswalde | © Christian Marquordt
Jelcz-Anhänger, der perfekt zum Skoda 706 RTO passt. Der Hänger stammt aus den Beständen der Volksarmee der DDR | © Christian Marquordt

Nach dem Zweiten Weltkrieg: Tschechoslowakei gehört zum Ostblock, 1948 wird Sodomka verstaatlicht. Firmiert fortan als „Karosa“. Hier entstehen jetzt Busse, die wegen ihrer bahnbrechenden konstruktiven Merkmale auch im Westen bekannt und berühmt geworden sind. So der „Skoda 706 RTO“, 1956 bis 1971, insgesamt gebaut 14.969 Wagen – darunter der erste in der Tschechoslowakei gebaute Gelenkbus. In Polen wird der 706 RTO inn Lizenz nachgebaut als Jelcz 043, dazu gibt es auch einen optisch hervorragend passenden Anhänger. Ebenfalls berühmt wurden die Baureihen „B“ (Stadtbusse) und „C“ (Überlandbusse), vom denen bis 1999 37.166 Exemplare entstanden. Ihre konstruktive Neuheit war, dass ihre Karosserie aus sechs vorgefertigten „Hauptpaneelen“ bestand – dementsprechend waren die Wagen der einzelnen Typen innerhalb dieser Baureihen einander auch sehr ähnlich.

Im Liniendienst in Hradek Kralove 1976 | © Martin Harák
Karosa SM11 in Prag im Februar 1975 im Liniendienst | © Martin Harák
Weit verbreitet: Das Modell Karosa SM 11 – hier in Brno 2012 als Museumswagen | © Martin Harák
Wagen 337 der DPML Liberec, ein Karosa B 732 (DPML = Doprava Podnik Meste Liberece | © Christian Marquordt

Nach der Wende (1993): Karosa wird von Renault, später Irisbus, übernommen. Erster neuentwickelter Typ nach der Wende der Recréo (Baureihe 900), der durchaus seine Verwandtschaft mit den Baureuhen B und C erkennen lässt. Er wird der erste Bus aus Vysoke Myto, der sich mit Erfolg auch im Westen (vor allem in Frankreich, Deutschland und Italien verkaufen lässt. Bis 2006 entstehen 13.071 Recréo, von denen die Hälfte nach Frankreiich geht.

2003: Renault Bus (Irisbus) wird zu 100 % von Iveco übernommen.

Seit 2013 ist auch der offizielle Markenname „Iveco-Bus“.

Ab 2006 Nachfolger des Recréo der Crossway, von dem unterdessen mehr als 50.000 Wagen gebaut worden sind. Davon alleine mehr als tausend an den DB-Konzern.

(Iveco = Industrial VEhicles COrporation, Sitz Amsterdam, Mutter Fiat) übernommen.  Aktiengesellschaft niederländischen Rechts. 

Ursprüngliche Gründer von IVECO:

  • Fiat (Italien) – Anteil 80 %
  • Magirus-Deutz (Deutschland) – Anteil 20 % – 1980: Deutz verkauft seine Anteile an der Iveco an Fiat, damit entfällt der Markenname Magirus-Deutz, stattdessen „Iveco-Magirus“, 1982 wird das Buswerk in Mainz geschlossen
  • OM (Italien) – Officine Meccaniche – steht bei Gründung der Iveco schon im Eigentum von Fiat-
  • Unic (Frankreich) – steht bei Gründung der Iveco schon im Eigentum von Fiat

Schon ab Anfang der 1980er alleiniger Eigentümer Fiat – siehe Rückzug Deutz-Konzern

Iveco modernisiert das Werk grundlegend, danach Europas modernstes Omnibus-Werk. Hier entsteht fürderhin der Iveco Crossway. Er wird nur in Vysoke Myto gebaut, andererseits macht Vysoke Myto nichts anderes als den Crossway. Iveco: gerade darauf beruht der Preisvorteil des Crossway.

Inzwischen fahren mehr als tausend Crossway allein für den DB-Konzern. Wer mit einem „Bahnbus“ fährt, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit in einen Iveco Crossway steigen. Und das Auto gilt als gut.  

Insgesamt kamen mehr als 50.000 Crossway aus Werk Vysoke Myto. (Crossway Nr. 40.000, ein 15 Meter langer Dreiachser, der an DB-Tochter Arriva ging (siehe „urban-transport-magazine“).

                    

Crossway Nr. 40.000, ein Crossway 15 LE | © Iveco
Kurzer IVECO Crossway | © Budach
16.06.2022
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