• de
  • en

35 neue Van Hool Wasserstoffbusse im Einsatz für die RVK

Zurück von der Demonstrationsfahrt, RVK 415 (rechts) und RVK 412, links am Rand die Meckenheimer Wasserstoff-Tankstelle | © Christian Marquordt

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Eugen Puderbach, Chef der Regionalverkehr Köln (RVK), dem Verfasser dieses Berichts gesagt hat: „Die RVK ist im wesentlichen ein Betrieb, der im Überlandverkehr tätig ist. Deshalb kommen wir mit unseren Bussen nicht nur in die großen Städte wie Köln, Bonn oder Leverkusen, sondern auch in abgelegene Orte in der Eifel oder im Bergischen Land. Angesichts der augenblicklichen Reichweite von Batterie-Bussen müssten wir an vielen Endhaltestellen auf dem Land unsere Busse nachladen können, und dazu müssten wir Ladestationen bauen. Das kann aber niemand bezahlen, nicht nur, weil es sehr viele Nachladestationen wären, sondern weil an vielen Orten die vorhandene Elektro-Infrastruktur gar nicht ausreicht für den Betrieb einer solchen Nachladestation.

Wir wollen aber elektrisch fahren. Und da gibt es eine einfache Lösung, den Brennstoffzellenbus. Das ist ein Bus, der mit Wasserstoff fährt. Der reagiert in einer Brennstoffzelle mit dem Sauerstoff der Luft und erzeugt so Strom, mit dem der Bus dann fährt.“

Erste Versuche

Zwei erste Wasserstoffbusse bekam die Regionalverkehr Köln im Jahr 2011. Dabei handelte es sich um zwei „Phileas 18“ des niederländischen Herstellers APTS (Advanced Public Transport Systems). Der Phileas steckte voller phantastischer Ideen … Nur mal ein Beispiel:  er konnte auf allen drei Achsen an allen Rädern gelenkt werden und so in einer Art „Parallelverschiebung“ von der Fahrbahn an die Haltestelle heranfahren. Damit ließ sich vermeiden, dass er nicht absolut parallel zur Bordsteinkante stand …

Leider hatte der Phileas – wie das mitunter bei technischen Neuheiten so geht – mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Und bevor man die in den Griff bekommen hatte, ging APTS das Geld aus. Die Folge: Insolvenz. Um den Phileas ist es mehr als nur schade …

Die RVK ließ sich nicht entmutigen. 2014 kamen die nächsten beiden Wasserstoffbusse. Die Wagen 400 und 500 sind schon von Van Hool und auch schon vom Typ „New A 330 FC“, als Dreiachser unterscheiden sie sich aber deutlich von den neuen Wagen (siehe: https://www.urban-transport-magazine.com/rvk-koeln-erste-neue-wasserstoff-busse-im-einsatz/ ).

Die neue Bestellung

2019 begann man bei der Regionalverkehr Köln damit, das Projekt „Wasserstoffbus“ in großem Stil Realität werden zu lassen. Beim belgischen Busbauer Van Hool wurden 30 Wagen des Typs „New A 330 FC“ geordert, und zwar in einer Gemeinschaftsbestellung mit den Wuppertaler WSW und dem Verkehrsbetrieb der lettischen Hauptstadt Riga, die beide je zehn Wagen in Auftrag gaben. Die RVK kennt den Van Hool New A 330 FC schließlich schon seit dem Frühjahr 2014, als mit ihren Wagen 400 und 500 zwei „Prototypen“ dieses Typs in Betrieb gingen. Beide Wagen sind allerdings aus Gewichtsgründen noch Dreiachser, ganz im Gegensatz zu den jetzt in Dienst gestellten Bussen, bei denen es Van Hool gelungen ist, das Gewicht zu weit zu reduzieren,  dass die Busse nur noch zwei Achsen benötigen.

Information für den Fahrgast: Wasserstoff warum? | © Christian Marquordt

Für den Van Hool New A 330 FC sprach (und spricht) nicht zuletzt, dass Van Hool schon seit 2008 Erfahrung mit Bussen mit dieser Antriebstechnik hat. Denn seither hat der belgische Hersteller immer wieder Busse mit dieser Technologie in die USA geliefert. Man ist mit dem Brennstoffzellen-Antrieb also schon seit vielen Jahren sehr vertraut. (Am Rande der Übergabe der neuen Wagen an die RVK in Meckenheim berichteten die Vertreter von Van Hool, dass sie – Donald Trump lässt grüßen – aufgrund des „Buy American Acts“ nicht mehr in die USA liefern dürften …)

Ursprünglich waren also 30 Van Hool New A 330 FC für die RVK bestellt. Bei der feierlichen Übergabe der Wagen am 21. August auf dem Betriebshof in Meckenheim staunte der Verfasser – es sei gestanden – allerdings nicht wenig, als plötzlich und unerwartet von 35 Wagen für die RVK die Rede war. Wie das? Die Antwort ist relativ einfach: aus der ursprünglichen Bestellung der drei Betriebe RVK Köln, WSW Wuppertal und Riga ist Riga wieder ausgestiegen. Und so sind fünf der ursprünglich für Riga vorgesehenen Wagen auch noch zur RVK gekommen. (Die anderen fünf gingen an einen ganz anderen Betrieb, nämlich ins schottische Aberdeen. Sie waren im Bau wohl noch nicht sehr weit fortgeschritten, denn in Aberdeen fährt man auf „der anderen“ Straßenseite – Türen auf der rechten Wagenseite wären da eher hinderlich …)

RVK Brennstoffzellenbus 415 mit Beklebung, die auf den Brennstoffzellenantrieb und die Kooperationspartner hinweist | © Christian Marquordt

Betankt werden die neuen Brennstoffzellenbusse an zwei neuen Wasserstofftankstellen auf den RVK-Betriebshöfen in Meckenheim (bei Bonn) und Wermelskirchen (Kreis Bergisch Gladbach). Beide sind so ausgelegt, dass hier jeden Tag mindestens 20 Wasserstoffbusse betankt werden können. Doch da die 35 Wagen auf die vier Betriebshöfe Bergisch Gladbach, Hürth, Meckenheim und Wermelskirchen verteilt sind, gibt es keinen Betriebshof, auf dem 20 Wagen oder gar mehr stationiert wären.

Daneben nutzen die Busse zum Tanken eine chemische Fabrik in Hürth („Chempark Knapsack“). Hier fällt der Wasserstoff als Nebenprodukt bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse an und wurde – bis die RVK ihn als Kraftstoff für ihre Busse nutzte – einfach durch Abfackeln vernichtet. Hier erweisen sich die Brennstoffzellenbusse der RVK als ausgesprochen segensreich: sie führen einen wertvollen Energieträger endlich einer vernünftigen Nutzung zu.

Schließlich fahren die Wasserstoffbusse der RVK zu zwei öffentlichen Tankstellen der „H 2 Mobility Deutschland“ auf dem Flughafen Köln/Bonn und in Frechen. Die Versorgung mit Wasserstoff für die Busse ist also absolut sichergestellt. Einmal volltanken (38,5 kg Wasserstoff) dauert rund 10 Minuten und geschieht unter einem Druck von 350 bar.

RVK Brennstoffzellenbus 416 im Depot | © Christian Marquordt

Der Wasserstofftank ist in Form von fünf Druckflaschen, die über fast die Hälfte der gesamten Wagenlänge gehen, vorne auf dem Dach untergebracht. Die Brennstoffzelle liegt im Heck des Busses unter dem Fußboden.

Der in der Brennstoffzelle erzeugte Strom zum Antrieb des Wagens wird in einer Batterie gespeichert, die ihren Platz in Wagenmitte auf dem Dach gefunden hat. Die Elektromotoren für den Vortrieb sind in der Nähe der Hinterachse eingebaut.

Den Abschluss der Präsentation in Meckenheim bildete eine Demonstrationsfahrt mit dem neuen RVK-Van Hool Wagen 412 von Meckenheim über Rheinbach und die Rheinbacher Stadtteile Peppenhoven, Ramershoven und Flerzheim zurück zum Betriebshof in Meckenheim. Der Wagen war beachtlich leise unterwegs und zeichnete sich durch ein Beschleunigungsvermögen aus, bei dem jeder Dieselbus nur neidisch hinterher sehen kann. An einer Ampel bemerkte der Fahrer – er hatte sichtlich Freude an der Fahrt mit dem neuen Bus – etwas spät, dass es rot war, aber die Bremsen funktionierten prächtig.  

Nur am Rande sei erwähnt, dass die neuen Van Hool New A 330 FC der RVK wie heute allgemein üblich selbstverständlich auch über Abbiegesassistenten verfügen. Ein Fahrradfahrer rechts neben dem Bus, während der Bus nach rechts abbiegen will? Kein Problem, der Abbiegeassistent erkennt den Radfahrer, warnt den Fahrer und stoppt den Bus.

Für die Anschaffung der neuen Wasserstoffbusse hat die RVK Zuschüsse bekommen von:

  • Europäische Union, Projekt JIVE (Fuel Cell und Hydrogen Joint Undertaking)
  • Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur
  • Land Nordrhein-Westfalen

Daneben gibt es Zuschüsse zur Tank- und Ladeinfrastruktur. Diese Zuschüsse ermöglichen es der RVK, bis Ende 2021 insgesamt 50 Brennstoffzellenbusse zu beschaffen – die nächsten Wagen mit dieser neuen Technologie sind schon bei Solaris bestellt.

Die RVK plant, bis 2030 ihre gesamte Busflotte auf Null-Emissions-Fahrzeuge umzustellen.

Technische Daten Van Hool New A 330 FC
  • Fahrgastkapazität: 74 Fahrgäste, davon: 31 Sitzplätze
  • Rollstuhlplätze: 2, alternativ:  1 E-Scooter und 1 Rollstuhl
  • Länge: 11.995 mm
  • Breite: 2.550 mm
  • Höhe: 3.420 mm
  • Wendekreis: 21.800 mm
  • Antrieb: Elektromotoren von Siemens, max. Leistung 210 kW
  • Brennstoffzelle: Ballard HD 85, max. Leistung 80 kW
  • Energiespeichersystem: Traktionsbatterien: Lithium-Titanat-Oxid (LTO) von Actia, Energiegehalt: 36 kWh, Leistung ca. 160 kW    
  • V/max: 80 km/h
  • Reichweite: rund 350 km
  • Verbrauch: 9 kg Wasserstoff auf 100 km (äquivalent 29,7 Ltr Diesel)
  • Wasserstoffkapazität: 38,5 kg – nutzbar ca. 35,8 kg, Druck 350 bar
  • Leergewicht: 13.630 kg
  • zul. Gesamtgewicht: 18.745 kg
Darstellung der Einbauorte der Komponenten im Van Hool New A 330 FC: 1 = Brennstoffzelle;
2 = Klimaanlage für Fahrgastraum mit Kühlgruppe für Antriebsbatterie (Darstellung Von Hool); 3 = Antriebsbatterie; 4 = Wasserstoffbehälter I © Van Hool
14.10.2020

Kommentare ansehen

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei