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ASEAG Aachen: Neue Schnellbuslinie SB 66 nach Monschau

Am 06. Februar, dem Tag der Eröffnung, verbirgt Wagen 505 seine Wendezeit in Monschau an der Endhaltestelle "Parkhaus" | © Christian Marquordt

Am 6. Februar 2022 nahm bei der Aachener Straßenbahn- und Energieversorgungs-AG (ASEAG) die im Angebot deutlich verbesserte Schnellbuslinie SB 66 ihren Betrieb auf. Sie führt vom Aachener Zentrum über die Stadtteile Brand und Walheim, immer auf der Bundesstraße 258 durch die Gemeinde Roetgen, etwa 3 Kilometer über belgisches Territorium (auch die B 258 geht hier „fremd“) und durch die Monschauer Stadtteile Konzen und Imgenbroich ins Monschauer Zentrum. Die Endhaltestelle in Monschau hat den hübschen Namen „Parkhaus“ – und, ja, hier können Besucher der Stadt tatsächlich ihre Automobile in einer Hochgarage abstellen. Ob man nicht trotzdem einen schöneren Namen für die zentrale Haltestelle in der ebenso hübschen wie malerischen Stadt im engen Tal der Rur (die Eifel-Rur, also die ohne „h“) hätte finden können?

Kurioses entlang der deutsch / belgischen Grenze

Kleiner Ausflug in die Geschichte der Stadt: bis zum 9. August 1918 hatte sie einen französischen Namen, denn da hieß sie Montjoie. Das ist ein sinnvoller Name, er bedeutet auf deutsch „Berg der Freude“. 1918 indes wurde im Rahmen nationaler kultureller Bestrebungen der Stadtname gegen den Willen von Stadtverwaltung und Bevölkerung eingedeutscht: Monschau hört sich so ähnlich an wie Montjoie, hat allerdings den Schönheitsfehler, dass dieser Name – eben ganz anders als Montjoie – keinerlei Sinn ergibt. Bestrebungen, der Stadt ihren historischen Namen wiederzugeben, hatten keinen Erfolg. Inzwischen waren ganz in der Nachbarschaft der Stadt Gebiete, die zu Deutschland gehört hatten, an Belgien abgetreten worden (Stichwort Eupen / Malmedy – belgische Ostkantone), und deshalb woillte man den Eindruck vermeiden, die Stadt mit einem französischen Namen könne auch zu Belgien gehören.

Bleiben wir noch ein wenig bei der kuriosen Situation, die nach dem Ersten Weltkrieg im Raum um Monschau mit der deutsch-belgischen Grenze entstanden ist. Da ist die „Vennbahn“, deren Bahnkörper zu Belgien kam – auch dort, wo die Bahn „mitten“ durch Deutschland führt. Der Bahnverkehr hier ist längst eingestellt, der Bahnkörper hat sich längst in einen gut ausgebauten Radweg verwandelt, aber er gehört nach wie vor zu Belgien. Wenn Sie auf der B 258 unterwegs sind, überqueren Sie an jedem ehemaligen Bahnübergang die deutsch/belgische Staatsgrenze. Raus aus Deutschland, drei oder vier Meter in Belgien, zurück in Deutschland … Besonders auffällig wird das von Aachen aus gesehen in Fahrtrichtung Monschau hinter dem Restaurant „Fringshaus“. Da wird die B 258 für rund drei Kilometer bis zur Kirche im Monschauer Stadtteil Konzen zur Belgierin. Zwar ist die Straße auch hier dem Ausbaustandard nach erkennbar eine deutsche Straße, aber hier gilt belgisches Recht. Hier beträgt die Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften nicht wie in Deutschland 100 km/h, sondern wie in Belgien 90 km/h. Auch wenn die Straße keinerlei Anschluss an das belgische Straßennetz hat. Und verzichten Sie möglichst darauf, hier einen Unfall zu bauen: das zuständige Gericht sitzt in Eupen!

Noch kurz zum Restaurant „Fringshaus“, es liegt unmittelbar neben der B 258, die hier noch ganz zu Deutschland gehört. „Fringshaus“ allerdings gehört politisch zur belgischen Gemeinde Raeren, auch wenn man nur von Deutschland aus hinkommen kann. Telefon-technisch wiederum gehört Fringshaus zum deutschen Roetgen … (Manchmal machen wir Europäer komplizierte Sachen …)           

Genug des Exkurses, kehren wir zur Aachener Schnellbuslinie SB 66 zurück. Die eben auch schon mal ein bisschen durch Belgien fährt.

Aachens neue Schnellbuslinie SB 66

Die „SB 66“ beginnt ihren Dienst montags bis freitags gegen 5.15 Uhr (erster Wagen ab Bahnhof Aachen-Rothe Erde) und fährt bis etwa 21.30 Uhr alle 30 Minuten. Der Umlauf (Aachen – Monschau – Aachen) dauert mit Wendezeiten an den Endstationen drei Stunden, also braucht Linie SB 66 im Halbstundentakt sechs Kurse. Nach 21.30 Uhr fährt Linie SB 66 nur noch stündlich, dann sind aber immer noch drei Wagen nötig.

Samstags, sonn- und feiertags beginnt Linie SB 66 ihre Aktivitäten gegen 7.00 Uhr und ist dann den ganzen Tag über bis Mitternacht im 60-Minuten-Takt unterwegs. Also auch jetzt ein Bedarf von drei Wagen zur Bedienung der Linie.

Am Bahnhof Aachen-Rothe Erde hat die SB 66 Anschluss an Regional- und S-Bahn. Zudem stehen hier Car-Sharing-Angebote zur Verfügung. In Roetgen und im Busbahnhof im Monschauer Stadtteil Imgenbroich  kann man, vorausgesetzt, der Fahrgast hat zuvor rechtzeitig bestellt, einen Anschluss zum Rufbus-System „NetLiner“ der ASEAG (UTM berichtete) realisieren.

Im Bushof Imgenbroich treffen sich die RegioLiner 507 (rechts) und 508 (links) auf Linie SB 66 | ©ASEAG / Paul Heesel
Sechs neue „RegioLiner“ für die SB 66

Zum Einsatz auf der neuen Schnellbuslinie hat die ASEAG sechs Mercedes-Benz Gelenkwagen vom Typ Citaro beschafft. Sie sind auf den Namen „RegioiLiner“ getauft worden. Die Wagen bieten Klimaanlage, WLAN und USB-Anschluss. Nordrhein-Westfalens Verkehrsministerin Ina Brandes charakterisierte sie mit den Worten „moderne Überlandbusse“. Die allerdings seien auch notwendig, um die Menschen in Gegenden, in die man mit der Schiene nicht kommen könne, zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr zu bewegen.

Die neuen Überland-Gelenk-Citaro zitieren bewusst den Flugverkehr. Zum einen sind sie äußerlich mit einem Dekor beklebt, das optisch deutlich den Gedanken an ein Flugzeug nahe legt, und zum anderen stammt der Slogan „Deine BUSiness-Class“ doch eindeutig aus dem Umfeld der Luftfahrt. Die „große weite Welt“ in der Eifel an der Grenze zu Belgien … na endlich!

Heiko Sedlaczek, der Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR), kennzeichnete den neuen Schnellbus als „hervorragende Alternative zum Auto, zumal da, wo es keine Schiene gibt.“

Jorma Klauss, Bürgermeister der Gemeinde Roetgen, hob in seinem Grußwort vor allem auf die starken Pendlerströme zwischen Roetgen und Aachen ab. Er sagte, komfortabele und schnelle Verbindungen nach  Aachen seien „essentiell“. Die neue Schnellbuslinie SB 66 sei da vielversprechend und werde in Roetgen herzlich begrüßt.

Björn Schmitz von der Stadt Monschau sagte: „Die neue „SB 66“ ist für Monschau ein weiterer wichtiger Baustein, damit unsere Bürgerinnen und Bürger auch ohne Auto gut unterwegs sind. Jetzt wird die Verbindung Richtung Aachen noch attraktiver. Ein Anreiz mehr für uns, den Bus(bahn)hof in Imgenbroich weiter als moderne Mobilstation auszubauen.“

RegioLiner auf dem Weg nach „Monschau Parkhaus“ | ©ASEAG / Paul Heesel
15.02.2022
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