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Barcelona, Nürnberg und Stockholm: Drei Städte, drei neue U-Bahntypen

Was haben Barcelona, Nürnberg und Stockholm gemeinsam? Über diese Frage könnte man sicherlich stundenlang grübeln. Tatsächlich gibt es zwischen den katalanischen, der fränkischen und der schwedischen Metropolen keine offensichtlichen Ähnlichkeiten – bis auf die Tatsache, dass alle drei Städte über gut ausgebaute U-Bahnnetze verfügen. Und just diese Tatsache führte diesen Sommer zu einem außergewöhnlichen Zusammenfall: alle drei Städte nahmen zwischen Juli und August 2020 neue U-Bahnfahrzeuge in Betrieb. Wir waren vor Ort und haben uns die drei jeweils von CAF, Bombardier und Siemens gelieferten Fahrzeuge angesehen. Ein Überblick.

Übersicht der neuen U-Bahnfahrzeuge für Barcelona, Nürnberg und Stockholm I Quellen: CAF/ Siemens Mobility/ Bombardier Transportation

Barcelona: Die Serie 5000

Die Verkehrsbetriebe von Barcelona (TMB) haben diesen Sommer die ersten vier Züge der zweiten Generation der Reihe 5000 in den Einsatz auf der Metrolinie 5 geschickt. Die neuen Züge wurden von Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) in seiner Fabrik in der baskischen Stadt Beasain hergestellt. Die neuen 5000er sind nahezu identisch mit den 39 Zügen derselben Baureihe, die bereits seit mehreren Jahren auf den Linien 3 und 5 zum Einsatz kommen.

Einer der neuen U-Bahnzüge der Baureihe 5000 auf der Linie 5 in Barcelona I © UTM

Es gibt jedoch geringfügige Änderungen an der Innenausstattung der Fahrzeuge. Es handelt sich dabei um die Einführung größerer Räume für Rollstühle (insgesamt 4) in den Endwagen sowie um neue Notfalltaster für Personen mit eingeschränkter Mobilität. In den mittleren Wagen gibt es jetzt auch Fahrradstellplätze – in vielen U-Bahnen weltweit eine Seltenheit! Jeder der fünfteiligen Züge kann bis zu 826 Personen befördern, von denen 108 sitzen können. Die Wagen sind durchgängig gestaltet.  Die Züge sind 86 m lang und haben eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.

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Die Flotte der Züge der Linie 5 besteht jetzt aus 34 Fahrzeugen, die in der Hauptverkehrszeit eingesetzt werden. TMB erhält zudem auch neue Züge für die Linie 1. Hier werden vier CAF Züge der Baureihe 6000 ausgeliefert, die noch vor Jahresende eintreffen sollen.

Insgesamt haben die TMB in den vergangenen Jahren 92 Millionen Euro in den Kauf neuer Züge investiert. Neben den bereits erwähnten acht Zügen für die Linien 1 und 5 werden derzeit vier weitere Züge für die Linien 3 und 4 ausgeliefert. Darüber hinaus werden schon in einem Jahr die ersten neuen Alstom U-Bahnen für die Linien 1 und 3 erwartet. Die TMB bestellten vergangenes Jahr bei Alstom 42 neue Züge für insgesamt 268 Millionen Euro. Wir berichteten an dieser Stelle:

Nürnberg: Die G1 ersetzt die Doppeltriebwagen DT1

Wenige Tage nach der Inbetriebnahme der neuen Züge in Barcelona fand am 19. August in Nürnberg die feierliche Präsentation und Jungfernfahrt mit geladenen Gästen der neuen U-Bahnbaureihe G1 statt. Am 20. August begann der Fahrgastbetrieb. Siemens liefert insgesamt 21 Vier-Wagen-Gliederzüge des Typs G1, die die über 40 Jahre alten Doppeltriebwagen der Baureihe DT1 auf der Linie U1 ersetzen, die bekanntlich mit Fahrern bedient wird (im Gegensatz zu den Linien U2 und U3).

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2015 ging der Auftrag an Siemens und eine Reihe von Subunternehmer. Die Komponenten der G1-Züge entstehen an unterschiedlichen Standorten. Gebaut werden die U-Bahnen im Siemens-Werk in Wien. Aus Nürnberg (Erlangen) kommen Kernkomponenten, wie beispielsweise der Antriebsstromrichter, die Motoren, der Hilfsbetriebeumrichter und die verbaute Leittechnik. In Erlangen erfolgen das Projektmanagement, die Entwicklung und die Servicebetreuung. Der Auftrag beinhaltet zwei Optionen über weitere 13 Fahrzeuge, welche bereits 2018 und 2019 eingelöst wurden. 

Die neuen Züge vom Typ G1 für die Nürnberger U-Bahn bieten breitere Fahrgasttüren mit einer innovativen LED-Lichtsignalisierung. Zusammen mit einem durchgängigen Fahrgastraum in den vierteiligen Zügen verbessert das den Fahrgastfluss. Zudem sorgen automatische Schiebetritte an allen Türen für einen optimalen barrierefreien Ein- und Ausstieg.  Der durchgängige, hell und freundlich gestaltete Innenraum mit großzügigen Mehrzweckbereichen vermittelt subjektive Sicherheit und sorgt für einen angenehmen Aufenthalt. Auch für die Fahrer/innen wurde auf hohen Komfort am Arbeitsplatz geachtet: Der Fahrerstand ist so eingerichtet, dass sie den Zug sowohl im Stehen als auch im Sitzen führen können.

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Einsatz auf der Linie 1

Mit insgesamt 18,5 Kilometern Länge und 27 Stationen (von insgesamt 48 Stationen im Stadtgebiet Nürnberg/Fürth) wird die Linie U1 werktags insbesondere von vielen Pendlern und Schülern genutzt. Die Fahrgastzahlen steigen zudem besonders bei Großveranstaltungen wie dem Nürnberger Christkindlesmarkt und zu Messezeiten stark an.

Stockholm: Baureihe C30 für die Tunnelbana

Stockholms sogenannte Tunnelbana – so nennt die schwedische Hauptstadt ihre U-Bahn – hat ebenfalls im August neue U-Bahnen in Betrieb genommen. Die ersten Fahrzeuge der neuen C30-Baureihe, die von Bombardier Transportation in Hennigsdorf hergestellt wurden, kamen 2018 in Stockholm an. Die Züge wurden im Juni 2019 für den Fahrgastbetrieb zugelassen, gefolgt von weiteren Prüfungen zur Sicherstellung der Betriebsbereitschaft für das Netz von SL. Nach dem Beginn des Probebetriebes Ende Juni/ Anfang Juli 2020 auf der sogenannten roten Linie sollen bis Juni 2022 alle Züge ausgeliefert werden.

Die neue Stockholmer U-Bahn C30: Man beachte den beleuchteten „LED-Kragen“ I © UTM

Bombardier Transportation erhielt im Juni 2013 den Auftrag von SL, dem Stockholmer ÖPNV Aufgabenträger für neue 96 MOVIA-U-Bahn-Fahrzeuge mit der lokalen Bezeichnung C30 auszuliefern. Der Vertrag beinhaltet eine Option für bis zu 80 weitere Fahrzeuge. Der Festauftrag hat einen Wert von rund 5,1 Milliarden SEK (590 Millionen Euro, 771 Millionen US-Dollar).

Die Fahrzeuge zeichnen sich durch ein spezifisches Außen- und Innendesign aus und sind mit einer Reihe innovativer und energiesparender Technologien ausgestattet. Dazu gehören die innengelagerten Flexx Eco Drehgestelle sowie das Bombardier Mitrac Antriebssystem.

Die vierteiligen Züge verfügen jeweils über einen Führerraum an beiden Enden, Sitzplätze für 140 Fahrgäste in der 4×4-Sitzkonfiguration mit zusätzlichen Sitzen an den Seiten sowie über Steh- und Mehrzweckbereiche zur Optimierung des Komforts, der Kapazität und des Fahrgaststroms. Drei beidseitig zu öffnende Schiebetüren pro Seite und Wagen sorgen für einen schnelleren Ein- und Ausstieg an den Stationen. Die mit Klimaanlage ausgestatteten Wagen entsprechen den höchsten Umweltstandards im Hinblick auf den Energieverbrauch und bestehen aus Materialien, die zu 98 Prozent recycelbar sind.

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Für seine Movia C30-U-Bahn für Stockholm erhielt Bombardier im Januar 2017 den begehrten Good Design ® Award. Mit dem Preis wird das markante Außendesign der U-Bahn gewürdigt, das den skandinavischen Stil klar zum Ausdruck bringt und das Stadtbild in unverkennbarer Weise prägen wird.

Die Stromschienenfahrzeuge mit 750 V DC wurden in Hennigsdorf bei Berlin entwickelt und gefertigt und per Bahn nach Schweden in das neue Wartungsdepot von SL in Norsborg transportiert. Die Wagenkästen werden von BST, dem chinesischen Joint Venture von Bombardier, gefertigt. Die Züge sind außerdem mit der Zustandsfernüberwachungstechnik Orbiflo ausgestattet, die in Schweden entwickelt wird. Die Lieferung der C30 wird es SL ermöglichen, seine veralteten C6 und C14 Metrozüge der Baujahre 1970–1974 und 1987 auszumustern.

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Nordisches Design

Die neuen Züge zeichnen insbesondere durch das „skandinavische“ Design aus. Und dabei ist keinesfalls „Ikea“ Qualität gemeint. Eines der auffälligsten Merkmale des Äußeren der neuen Stockholmer U-Bahn-Züge ist die maßgeschneiderte LED-Außenbeleuchtung. Dieses einzigartige Lichtband oder „Kragen“ beleuchtet zum ersten Mal den Rahmen um die Windschutzscheibe sowohl an der Vorder- als auch am Ende des Fahrzeugs, was dem Fahrzeug seinen unverwechselbaren Charakter verleiht. Es unterstreicht nicht nur seine auffällige Ästhetik und die skandinavischen Designeinflüsse, sondern zeichnet den C30 auch deutlich als Bombardier-Produkt aus. Darüber hinaus finden Fahrgäste im Innenraum Form- und Farbspiele in Form von verschiedenen Mustern auf den Sitzbezügen, versteckten Symbolen in den Lüftungsgittern und den markanten „Lightspots“ – kreisförmige Beleuchtung – in den Eingangsbereichen.

25.09.2020

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