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Bonn: 24 neue Hybridbusse

Die neuen MAN Lion's City efficient hybrid haben sich zur Präsentation aufgestellt | © Christian Marquordt

Das Jahr 2020 bringt für die SWB, Bonns städtischen Verkehrsbetrieb, einen großen Austausch älterer Busse durch neue Wagen. Der älteste Bus, der jetzt ausscheidet, ist  Wagen 9902, ein Mercedes-Benz O 405 N vom Jahrgang 1999, der als Letzter seines Jahrgangs noch vor kurzem Tag für Tag im Bonner Liniennetz unterwegs gewesen ist. Vor einigen Jahren ist er in Sachen Abgasreinigung mal nachgerüstet worden, so dass er jetzt mit einer grünen Umweltplakette unterwegs war … Ansonsten scheiden ältere Mercedes Citaro und Gelenkwagen von MAN bei den SWB aus. Sie werden gegen Höchstgebot im Internet angeboten.

Wagen 9902 allerdings bildet da eine Ausnahme. SWB-Chefin Anja Wenmakers berichtet, dass er auf  besonders reges Interesse stoße. „Diesen Wagen wollen nicht nur Verkehrsbetriebe und private Busunternehmen kaufen, ihn wollen auch verkehrshistorische Vereine und Privatleute haben, die sich als Hobby im Bereich Verkehr engagieren. Deshalb werden wir ihn separat zum Kauf anbieten.“

Zu den neuen Bussen des Jahrgangs 2020 gehören 24 Hybridbusse, sieben „MAN Lion’s City 12 efficient hybrid“ (Wagen 2005 – 2011) und siebzehn „MAN Lion’s City 18 efficient hybrid“ (Gelenkwagen 2012 –  2028).

Wagen 2017, einer der siebzehn Lion’s City 18 efficient hybrid | © Christian Marquordt
Wagen 2008, Innenraum | © Christian Marquordt

Am 07. Oktober präsentierten die SWB die neuen Busse auf ihrem Betriebshof Friesdorf. Sie kommen, wie das in Bonn so üblich ist, freizügig im gesamten Netz zum Einsatz. Ihr besonderer Charme liegt darin, dass sie so genannte „Mild Hybride“ sind. Wie übrigens 90 % aller Dieselbusse, die MAN heute ausliefert.

Ganz wesentlicher Bestandteil ihrer Antriebstechnik ist eine Start-Stop-Automatik. Kommt der Bus an einer Haltestelle oder einer roten Ampel zum Stehen, schaltet sich der Motor aus. Und zum Anfahren springt er dann wieder an. Dabei wird der Dieselmotor vom elektrischen Hybridantrieb des Busses unterstützt. Dessen Strom erzeugt der Bus beim Bremsen (Rekuperation), er wird in Ultracaps auf dem Dach des Wagens gespeichert.

Die neuen MAN sind so genannte „Mild Hybride“, keine Vollhybride. Das bedeutet, dass der Dieselmotor  immer läuft, wenn der Bus fährt, und „nur“ vom Elektroantrieb unterstützt wird. Anders als bei einem Vollhybrid fährt der Wagen nie zu 100 % rein elektrisch. Das merkt man, wenn man mit dem „Mild Hybrid“ unterwegs ist: man hört den Dieselmotor immer (es sei denn, er wäre dank Start-Stop-Automatik ausgeschaltet). Ganz und gar nicht unangenehm, aber man hört ihn. Insbesondere natürlich, wenn man sich wie der Verfasser auf der Vorführfahrt im Heck unmittelbar neben den Motor setzt, um sich einen Eindruck vom Geräuschniveau im Wagen zu verschaffen.

Einer der Lion’s City 12 efficient hybrid, Wagen 2011 | © Christian Marquordt

Der Elektromotor ist im Antriebsstrang zwischen Dieselmotor und Getriebe eingebaut. Beim Bremsen wird seine Drehrichtung umgekehrt, dann arbeitet er als Generator. Der so gewonnene Strom wird in Ultracaps auf dem Dach gespeichert. Er kann zum einen beim Anfahren an den Elektromotor abgegeben werden und so den Dieselmotor unterstützen, so dass der weniger Leistung bringen muss und deshalb weniger Sprit verbraucht. Zum anderen wird mit dem in den Ultracaps gespeicherten Strom aber auch das elektrische Bordsystem des Busses betrieben – als Beispiel sei hier nur einmal die Innenbeleuchtung genannt.

Peter Küpper, Bereichsleiter Kraftfahrzeuge der SWB, ergänzt: „Da es keine mechanischen Eingriffe und keinen Stromabnehmer gibt, hat das gesamte System eine sehr lange Lebensdauer. Wir erwarten weit mehr als 2,5 Millionen Aus-und-Einschalt-Zyklen. Nicht nur der Schadstoffausstoß, sondern auch die Geräuschemissionen werden deutlich reduziert.“

MAN hat vom TÜV untersuchen lassen, wieviel Sprit – und damit auch wie viele Schadstoffe – durch Start-Stop-Automatik und Mild Hybrid eingespart werden. Und der TÜV ermittelte ein respektables Ergebnis, denn die Einsparung beträgt immerhin 8,2 %. Das kann sogar mal eine Diesel-Einsparung von bis zu 30 % bedeuten … Und die SWB sagen, dass jeder der neuen Busse pro Jahr 26 Tonnen CO2 nicht (!) ausstößt.

SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers: „Das Ziel der Stadt Bonn, bis 2035 klimaneutral zu werden, erreichen wir nur, wenn wir uns ökologische Lösungen zu Nutze machen., Mit diesen neuen Mild-Hybrid-Bussen gehen wir in die richtige Richtung. Das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz im ÖPNV wird uns in den nächsten Jahren weiter begleiten.“ Und mehr noch: bis zum Jahr 2030 wollen die SWB ihre Busflotte komplett auf Elektrobusse umgestellt haben.

Noch eine Anmerkung: die Busse sind mit USB-Ladebuchsen ausgestattet, so dass die Fahrgäste hier zum Beispiel ihre Smartphones aufladen können.

Die sieben „Lion’s City 12 efficient hybrid“ haben 32 Sitz- und 64 Stehplätze, die Gelenkwagen bieten 46 Sitz- und 101 Stehplätze.

Dem Leser wird nicht entgangen sein, dass die Betriebsnummern der neuen Hybridbusse erst mit 2005 beginnen. Und was ist mit den Wagen 2001 bis 2004? Die gibt es auch …

Schon seit den fünfziger Jahren betreiben die SWB eine Schnellbuslinie vom Hauptbahnhof zum Flughafen Köln/Bonn (ursprünglich als Linie „FL“, heute unter dem Liniensignal „SB 60“). Ganz im Anfang betrieb die Lufthansa mal diese Linie, aber die SWB übernahmen sie sehr bald in eigene Regie. Ursprünglich lief sie über Landstraße und durch die Orte, seit es die A 59 gibt, fährt der Flughafenbus über die Autobahn.

Eingesetzt wurden hier fast immer etwas besser ausgestattete Busse, so zum Beispiel Reisewagen aus dem Fuhrpark der SWB – auch angemietete private Reisebusse hat es hier gegeben – oder so genannte „Kombis“, also Wagen, die sich sowohl für Linie als auch für Ausflugsverkehr eignen. Die SWB hatten hier mehrere Mercedes-Benz O 302 in einer silbergrauen Sonderlackierung. Und seit die „Flughafenlinie“ über die Autobahn fährt, sind die Busse auch mit 100 km/h unterwegs. Das dürfen sie, wenn alle Fahrgäste angeschnallt sind und niemand steht.

Mit diesem Mercedes-Benz/Drögmöller O 321 H bediente Firma Lambrich aus Königswinter zeitweilig einen Kurs auf der Flughafenlinie | © Christian Marquordt
Einer der silbergrauen Mercedes O 302-Kombi für die Flughafenlinie, SWB-Wagen 7031 | © Christian Marquordt

Unmittelbar im neuen Jahrtausend begannen die SWB, mit den Wagen 0101 bis 0104 ganz normale Linienbusse, die allerdings besser ausgestattet waren, auf Linie „FL“ / „670“ / „SB 60“ einzusetzen. Die bessere Ausstattung bestand im wesentlichen darin, dass alle Sitzplätze auf Podesten angeordnet waren, dass eine bequemere Bestuhlung mit höheren Rückenlehnen eingebaut war, dass es spezielle Gepäckregale auf der Plattform gegenüber der Mitteltür gab … Die ersten SWB-Busse nach dieser Definition waren die Wagen 0101 bis 0104 vom Typ Mercedes-Benz Citaro Ü (wenn auch mit Doppeltür vorn).  Ihnen folgten die MAN Lion’s City Ü Wagen 0701 – 0704 (mit identischer Ausstattung), denen die bis jetzt eingesetzten Citaro Ü mit den Wagennummern 1201 – 1204 folgten. Wenn man weiss, dass ein Kurs auf Linie „SB 60“ an jedem Tag mehr als ohnehin schon rekordverdächtige  600 Kilometer bringt, dann leuchtet es ohne weiteres ein, dass SWB-Chefin Wenmakers bei der Vorstellung der neuen Busse sagte: „Die alten Flughafenbusse vom Jahrgang 2012 mussten dringend ersetzt werden.“

Citaro Ü mit Sonderausstattung für die Flughafenlinie (Wagen 0104) | © Christian Marquordt
Ganz neu: „Flughafenbus“ 2001 | © Christian Marquordt

Und so kamen jetzt also die neuen „Flughafenbusse“ 2001 bis 2004. Ungewöhnlich genug: sie sind keine „Mild Hybrid“, also reine Dieselbusse, und sie gehören auch noch nicht zur neuen Generation MAN Lion’s City, sondern noch zur gerade ausgelaufenen alten Generation. Keine Mild Hybrid? Warum denn das nicht? Ganz einfach: wo sollte ein Bus auf der Autobahn so viel bremsen, dass er seine Ultracaps mit rekuperiertem Strom „füllen“ könnte …

Weit „spannender“ allerdings, was Frau Wenmakers zur Flughafenlinie berichtete. Nämlich dieses: „Die Wagen 2001 bis 2004 werden nur vorübergehend auf der Flughafenlinie eingesetzt. Wir haben nämlich mit unserer Tochter RVK (SWB-Anteil direkt und indirekt zusammen 18,75 %) vereinbart, dass die RVK in Zukunft die „SB 60“ in unserem Auftrag mit ihren Brennstoffzellenbussen fahren wird. Die können dann an der Wasserstofftankstelle auf dem Flughafen tanken.“ Brennstoffzellenbusse? Ist da nicht kürzlich eine ganze Reihe von denen in Meckenheim angeliefert worden?

„Das Problem,“ so Frau Wenmakers, „ist deren Reichweite. Bei einer Laufleistung der Linie von täglich mehr als 600 Kilometern müssten die Wagen, die die RVK im Moment hat, zwei Mal am Tag nachtanken. Und das müssten Sie in den Umlaufplan der Linie einarbeiten.“ Deshalb haben wir uns mit der RVK verständigt, dass sie die Bedienung der „SB 60“ übernimmt, wenn sie im kommenden Jahr ihre nächsten Wasserstoffbusse (mit größerer Reichweite) bekommen hat.“ Frage: und was wird dann aus den Wagen 2001 bis 2004? „Das wissen wir noch nicht. Die kommen dann entweder auf unsere anderen Linien, oder wir verkaufen sie wieder. Sie sollten sich dann gut verkaufen lassen, denn sie wären noch sehr jung, wenn auch mit einer für ihr Alter ungewöhnlich hohen Laufleistung.“

Damit hätten wir uns also 28 neue Busse der Bonner SWB Verkehr angesehen. Das ist aber noch nicht der ganze Jahrgang 2020 der SWB. Es steht noch die Lieferung von vier 12 Meter langen reinen Elektrobussen vom Typ „Ebusco 2.2“ aus (Ebusco = niederländischer Elektrobus-Hersteller) und von drei „Solaris Urbino 18 electric“ (18 Meter lange Elektro-Gelenkbusse). Frau Wenmakers bestätigte, dass alle sieben noch vor dem Jahresende in Bonn eintreffen sollen. Damit müssten die Wagennummern des Jahrgangs 2020 doch bis 2035 gehen …

Die 28 neuen Busse der SWB haben insgesamt rund 10 Millionen Euro gekostet., Dazu die SWB: „Investitionen in neue Busse steigern den Komfort für unsere Fahrgäste und sind notwendig, um die von allen gewünschte Verkehrswende zu schaffen.“

Wagen 2026 präsentiert sich im besten Sonnenlicht | © Christian Marquordt
12.10.2020

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