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Die Metro Moskau wächst weiter und lässt erstmals U-Bahn Fahrerinnen zu

Am 31. Dezember ging der neue Bahnhof Elektrozavodskaya in Betrieb, der zukünftig auch Teil der neuen Ringlinie sein wird - hier mit einem Transvagonmash Zug der Baureihe 81-765 I© Offizielle Seite des Bürgermeisters von Moskau/ www.mos.ru

Im Dezember 2020 wurden gleich mehrere Stationen der Moskauer Metro eröffnet. Die wohl wichtigste Einweihung ist die neue Station Elektrozawodskaya der Linien 11/ 15, die auch Teil der neuen „Grand Circle Line“ sein wird, die 2022 – 2023 fertiggestellt werden soll und die höchstwahrscheinlich die längste Metro-Ringlinie der Welt werden wird (siehe unten).

Die Moskauer Metro hat eine Systemlänge von 408 km mit 17 Linien einschließlich einer Monorail-Linie und der neuen Ringlinie, was sie zu einem der längsten Metronetze der Welt macht. Die Spurweite beträgt 1.520 mm. Die Metro befördert ca. 2,8 Milliarden Fahrgäste pro Jahr oder 8 – 9 Millionen Fahrgäste pro Werktag. Neben der Stadt Moskau werden auch die Nachbarstädte Krasnogorsk, Reutow, Ljuberzy und Kotelniki angefahren. Moskau allein hat über 12,5 Millionen Einwohner.

U-Bahn Fahrerinnen jetzt erlaubt

Die Moskauer Metro hat am 1. Januar zum ersten Mal weibliche U-Bahn Fahrerinnen eingesetzt. Die Gesetzgebung, die die Ausübung von bestimmten Berufen durch Frauen untersagte, wurde im September letzten Jahres gekippt. Das bedeutet, dass russische Frauen ab dem 1. Januar 2021 für Fahrerpositionen in Moskau zugelassen sind.

Die russische Regierung hatte Frauen die Ausübung von 456 Jobs in 38 Branchen verboten, die körperlich anstrengende Arbeit wie schweres Heben erfordern. Durch eine Änderung dieses Gesetzes wurde die Liste der für Frauen gesperrten Berufe jedoch auf 98 reduziert.

Nicht nur für die Abfertigung: Seit dem 1. Januar 2021 dürfen Frauen auch die Metro von Moskau steuern I © Moscow’s Urban Planning Policy and Construction Complex/ Комплекс градостроительной политики и строительства города Москвы/ stroi.mos.ru

Die Züge der Metro wurden traditionell von Männern bedient, da der Beruf von der Regierung als schädlich für die Gesundheit von Frauen eingestuft wurde. Die Zeitung „Die Zeit“ berichtet, dass die Begründung für den Ausschluss von Frauen damit begründet war, dass der Beruf zu gefährlich sei. Kritisiert wurde, da das Netz weibliche Reinigungskräfte und Kassiererinnen beschäftigt.

Das Verkehrsministerium in der russischen Hauptstadt erklärte, dass diese Beschränkungen aufgrund des hohen Automatisierungsgrades des Netzes nicht mehr gelten. Das Bedienen von Zügen sei nicht mehr „mit schwerer körperlicher Anstrengung verbunden“, so das Ministerium.

Wiedereröffnung eines Bahnhofs

Am 12. Dezember wurde zunächst die Station Delowoy Zentr wiedereröffnet. Die bisherige Endstation der Linie 8A wurde am 31. Januar 2014 als Teil des ersten Streckenabschnitts (Delowoj Zentr-Park Pobedy) eingeweiht, aber am 24. Februar 2018 nach der Verlängerung der Linie bis zur Station Rasskasowka wegen fehlender Wendegleise geschlossen. Stattdessen wurden die Züge der Linie 8A zur Station Sawelowskaja umgeleitet.

Der aktuelle Gleislageplan mit dem Bahnhof Delowoj Zentr-Park Pobedy mittig I © Wladislaw Lawrov/ trackmap.ru

Um den Betrieb wiederherzustellen, wurden hinter dem Bahnhof ein 1,4 km langer neuer Tunnel mit einer Tiefe zwischen 20 und 54 m gebohrt, der nicht nur als Wendegleis, sondern auch als Verbindung für eine zukünftige Verknüpfung der Linien Kalininskaya und Solntsevskaya (Linie 8) genutzt werden soll.

Neuer Umsteigekorridor

Am 29. Dezember wurde der neue Umsteigekorridor zwischen der Station Dinamo der Linie Zamoskvoretskaya (bzw. Linie 2) und der Station Petrovskiy Park der Ringlinie (bzw. Linie 11) eröffnet. Letztere wurde am 26. Februar 2018 eröffnet und befindet sich in der Nähe der VTB Arena, der Heimspielstätte des Fußball- und Hockeyclubs Dynamo. Allerdings war der direkte Umsteigeknoten zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt und bislang mussten Fahrgäste über die Oberfläche zwischen den Bahnhöfen umsteigen.

Bildergalerie (zum Öffnen bitte anklicken):

Der Bau des 130 m langen Korridors dauerte zwei Jahre und man hatte mit schwierigen Bodenverhältnissen zu kämpfen. Es wurde eine Gefriermethode zur Bodenstabilisierung auf einer Fläche von fast 200 Quadratmeter eingesetzt und schließlich ein Tunnel in 35 Meter tiefe gebohrt.

Die Eröffnung des Korridors wird das Umsteigen zwischen den Stationen Petrovskiy Park und Dinamo erleichtern und die Belastung auf die Ringlinie 5 verringern. Es wird prognostiziert, dass täglich 245.000 Fahrgäste diesen Knotenpunkt nutzen werden.

Neue Station Elektrozavodskaya

Und schließlich wurde am 31. Dezember die Station Elektrozawodskaja eingeweiht, einschließlich des 1,8 km langen Abschnitts Lefortowo – Elektrozawodskaja der Linie 15, die bereits seit dem 3. Juni 2019 auf dem Abschnitt Kosino – Nekrasowka (5,3 km) und seit dem 27. März 2020 auf dem Abschnitt Kosino – Lefortowo (14,4 km) verkehrt.

Außenansicht der Eingangshalle des neuen Bahnhofes Elektrozavodskaya I © Offizielle Seite des Bürgermeisters von Moskau/ www.mos.ru

Der Bahnhof Elektrozawodskaya ist auch die vierte Station auf dem östlichen Abschnitt der zukünftigen Linienverlängerung der Linie 11 und hat einen Umsteigepunkt zur Linie Arbatsko-Pokrovskaja (Linie 3).

Die Tiefe der neuen Station beträgt 20 m und ist damit 11,5 m höher als die bestehende. Eine der Wände in der Bahnsteighalle des neuen Bahnhofs ziert die große 163 m breite historische Tafel mit dem Namen „Heldenschlacht“. Sie stellt ein kollektives Bild der Verteidiger des alten Russlands dar. Die Tafel ist auf Glas in Mehrfarbendrucktechnik hergestellt. In Kombination mit den anderen dekorativen Elementen des Bahnhofs – Beleuchtung und volumetrische Strukturen – wurde eeine komplette Raumkomposition zu schaffen.

Ein Video über den Bau und die jeweilige Einweihung der Station findet sich hier:

Es wurden zwei Bahnhofseingänge geplant – die nördliche Fahrkartenhalle am Goljanowskij Projed mit dem Zugang zu den Linien 3 und 11 und die südliche Fahrkartenhalle – an der Sememowskaja Naberezhnaja, am Ufer des Flusses Yauza. Außerdem wurde ein neuer Verkehrsknotenpunkt geschaffen, der beide Metrostationen, eine Haltestelle für den Oberflächentransport, unterirdische Park & Ride-Anlagen und einen Bahnhof umfasst, der Teil der zukünftigen S-Bahnlinien MCD-3 und MCD-5 ist. Gleichzeitig wird der Bau des Umsteigekorridors zwischen den Linien 3 und 11 bis 2022 dauern.

Bildergalerie (zum Öffnen bitte anklicken):

Die Station Elektrozawodskaya wird derzeit und noch bis 2022/ 2023 von der Nekrasowskaja-Linie 15 bedient bis der 7,2 km lange nördliche Abschnitt der Linie 11 zwischen dieser Station und Sawelowskaja fertiggestellt sein wird. Danach wird der Abschnitt Elektrozawodskaja-Nischegorodskaja in die Grand-Circle-Linie integriert, die dann mit einer Länge von 70 km und 31 Bahnhöfen die längste Ring-U-Bahn-Linie der Welt werden könnte und damit den derzeitigen Rekord-Halter, der Second Ring Line der Pekinger U-Bahn (57 km), ablösen dürfte.

Die Ausbaustufen der neuen großen Ringlinie, die in den Jahren 2022/ 2023 fertiggestellt werden dürfte I © Moscow’s Urban Planning Policy and Construction Complex/ stroi.mos.ru

Die ersten Ideen zum Bau der Strecke in Moskau stammen aus dem Jahr 1985. Aber aufgrund fehlender Ressourcen und anderer Gründe wurde das Projekt 25 Jahre lang nicht bearbeitet. Die Entscheidung, mit dem Bau zu beginnen, traf der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin im Jahr 2011. Die Arbeiten begannen im November desselben Jahres.

Weitere Infos zur Moskauer U-Bahn finden sich hier:

http://www.urbanrail.net/eu/ru/mos/moskva.htm

08.01.2021

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