Urban Transport Magazine
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Die Wiedergeburt der Fahrerkabine

Die Schutzwand aus Sicherheitsglas soll das Fahrpersonal schützen, hier ein Beispiel aus einem Mercedes Benz Citaro I © Mercedes Benz

Die Corona-Krise bringt die Wiedergeburt eines Details in unseren Omnibussen, das unterdessen weitestgehend ausgestorben war: der geschlossenen Fahrerkabine, in der der Fahrer möglichst unabhängig von den Fahrgästen seiner Arbeit nachgeht.

In den letzten Tagen präsentierten sowohl Mercedes als auch der brasilianische Busbauer Marcopolo Einbausätze, mit denen der fabrikneue Wagen entweder gleich bei der Auslieferung ausgestattet werden kann oder mit denen sich Busse, die schon in Betrieb stehen, nachrüsten lassen.

Sinn dieser Fahrerkabinen ist gerade in Corona-Zeiten natürlich, den Fahrer zu schützen. Wenn der Fahrer kassieren muss,  lässt sich natürlich – wir kennen das ja auch aus dem Supermarkt –  der aus Gründen des Gesundheitsschutzes erforderliche Sicherheitsabstand nicht einhalten. Im Supermarkt sitzt die Kassiererin deshalb hinter einer Schutzscheibe aus Plexiglas, im Bus soll der Fahrer in seiner (fast) geschlossenen Kabine sitzen. Wobei es da natürlich eine kleine Öffnung geben kann (nicht muss!), durch die Ticket und Geld zwischen Fahrgast und Fahrer hin und her wechseln können. Dementsprechend wird die Kabinentür zum Fahrgastraum je nach Kundenwunsch auch mit integrierter Kasse angeboten

Beispiel einer Fahrerkabine bei Marcopolo I © Marcopolo

Aber die Fahrerkabine bietet auch noch einen weiteren Vorteil: sie schützt die Frau oder den Mann am Steuer vor Angriffen. Denn das gibt es ja leider auch – wenn auch zum Glück nur selten. Dass der Fahrer angespuckt wird, gehört da ja leider noch zu den harmloseren  Vorfällen …

Mercedes betont, dass diese Fahrerkabinen kein Provisorium, sondern ebenso professionell wie dauerhaft sind. Die Trennscheibe besteht aus klarem Einscheiben-Sicherheitsglas. Die Tür zwischen der Fahrerkabine und dem übrigen Innenraum des Busses ist 780 mm breit und 1.400 mm hoch. Lieferbar ist der Nachrüstsatz für alle Citaro und CapaCity ab Jahrgang 2011.

Natürlich beeinträchtigt die Sicherheitsscheibe absolut nicht die Sicht des Fahrers – so zum Beispiel auf die rechten Außenspiegel. Dementsprechend verfügt sie auch über eine Bauartgenehmigung nach der Vorschrift ECE R 43.

Zurzeit arbeitet Mercedes daran, eine Trennwand zu entwickeln, deren Schutzscheibe nicht aus Sicherheitsglas, sondern aus Polycarbonat  besteht. Polycarbonat wird schon heute zum Beispiel für die Fenster von Flugzeugen oder die Streuscheiben von Autoscheinwerfern verwendet und erfüllt sämtliche gesetzliche Vorgaben. Vor allem aber können mit Fahrerkabinen mit Scheiben aus Polycarbonat auch ältere Citaro nachgerüstet werden. Entsprechende Versuche gibt es bereits, und Mercedes betont, dass diese Versuche sehr vielversprechend verlaufen.

07.05.2020

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