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Dieter Ludwig, Vater des Karlsruher Modells, gestorben

Die ÖPNV Branche trauert um Dr. Dieter Ludwig, dem Karlsruhe und viele Städte weltweit die "Zweisystemstadtbahn" zu verdanken haben I © KVV/ Collage UTM

Sein Credo lautete: „Wir müssen die Bahn zu den Menschen bringen“ – aus dieser Vision wurde das weltweit renommierte „Karlsruher Modell“ und damit das Lebenswerk von Dr. Dieter Ludwig. Am Nachmittag des 16. Juli ist der ehemalige Geschäftsführer der Karlsruher Verkehrsunternehmen im Alter von 81 Jahren in Ettlingen verstorben.

„Die Nachricht macht uns alle sehr traurig. Dieter Ludwig hat Herausragendes für unsere Unternehmen, die Bürger der Region und für die ganze Verkehrswelt geleistet. Mit seinem visionären Denken, seiner Leidenschaft und seinem Einsatz hat er den ÖPNV in unserer Region in ein neues Zeitalter geführt. Es wird uns immer eine Ehre und Verpflichtung sein, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben und dieses Nahverkehrsmodell erfolgreich in die Zukunft zu führen“, sagt Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsführung der Karlsruher Nahverkehrsgesellschaften.

Umsteigefrei von der Region in die Karlsruher Innenstadt – das ist dank des Karlsruher Modells möglich I © UTM

Auch im Karlsruher Rathaus reagiert man betroffen auf die Nachricht von Ludwigs Tod: „Unser leistungsstarkes Nahverkehrssystem, das als ‚Karlsruher Modell‘ weltweit großes Renommee besitzt und zahlreiche Nachahmer gefunden hat, ist untrennbar mit dem Namen Dieter Ludwig verbunden. Seiner Vision, Beharrlichkeit und Pionierleistung ist es zu verdanken, dass die Menschen in der Region heute mit der Stadtbahn umsteigefrei die Karlsruher Innenstadt oder ihre Reiseziele im Umland erreichen können. Mit großem Respekt verneigen wir uns vor seiner Lebensleistung“, würdigte Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Karlsruher Verkehrsgesellschaften die Verdienste von Ludwig, der 2006 zum Ehrenbürger der Fächerstadt ernannt worden war. Auch der VDVA (Verband Deutscher Verkehsamateure) hat Dr. Ludwig anlässlich der Jubiläumstagung im Jahr 2006 in Stuttgart zum Ehrenmitglied ernannt.

Ludwig wurde am 15. Juli 1939 in Dortmund geboren. Laut Wikipedia kam er sogar in einem Zug zur Welt. Die genauen Umstände sind nicht bekannt. Er ging in Mannheim zur Schule, studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe Bauingenieurwesen und verdiente während seiner Studienzeit als Aushilfsfahrer bei der Bundesbahn sein Taschengeld. Nach dem Studium absolvierte er ein Referendariat bei der DB. 1967 begann er schließlich seine Karriere bei der Albtal-Verkehrsgesellschaft. 1976 wurde er Chef der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, 1978 der AVG. Er stand anschließend über drei Jahrzehnte hinweg als Geschäftsführer der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) an der Spitze des Karlsruher Nahverkehrs. Von 1995 bis 2003 war er zudem Präsident des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und wurde ob seiner Lebensleistung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 2006 ging Ludwig schließlich in den Ruhestand und wurde durch den VDVA (Verband Deutscher Verkehrs-Amateure) als Ehrenmitglied ausgezeichnet.

Zweisystemstadtbahn auf einer Vollbahnstrecke unter 15.000 Volt Wechselstrom I © UTM

Eine visonäre Idee wird Wirklichkeit und setzt weltweit Maßstäbe

Weltweit bekannt wurde Ludwig als Initiator des „Karlsruher Modells“. Seine visionäre Idee, mit einem Zweisystemfahrzeug die Menschen aus der Region umsteigefrei in die Karlsruher Innenstadt zu bringen und dabei die technischen Grenzen zwischen Eisenbahn- und Straßenbahnverkehr zu überwinden, ermöglichte den Durchbruch für dieses einzigartige Nahverkehrskonzept. Am 25. September 1992 nahm die weltweit erste Zweisystem-Stadtbahn zwischen Karlsruhe und Bretten ihren Betrieb auf. In den Folgejahren erlebte das Schienennetz in Karlsruhe und der Region eine unvergleichliche Ausweitung: Während Ludwigs Amtszeit wurden 46 neue Strecken in Betrieb genommen und viele Städte und Gemeinden am Oberrhein durch die Stadtbahn an Karlsruhe angebunden. Die Gesamtstreckenlänge von rund 80 Kilometern im Jahr 1976 wurde innerhalb von drei Jahrzehnten versechsfacht. Auch die Zahl der Fahrgäste explodierte und stieg von 100 Millionen auf rund 170 Millionen Fahrgäste pro Jahr an – und brachte Ludwig den Beinamen „Nahverkehrspapst“ ein.

Vielen Städten und Metropolregionen weltweit diente das „Karlsruher Modell“ als Vorbild für ihr Nahverkehrssystem. Heute verkehren Zweisystem-Stadtbahnen unter anderem in Saarbrücken, Kassel, Straßburg, Mulhouse, Alicante oder Sheffield.

Quellen: KVV, VDVA, Südwestecho, Wikipedia

21.07.2020

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