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REVG Kerpen testet Wasserstoffbus von Solaris

Solaris H2 Testbus bei der REVG | © REVG

Alternative Antriebe für Busse setzen sich mehr und mehr durch. Der Grund dafür ist einfach: Mit alternativen Antriebskonzepten lässt sich die Umweltbilanz unserer öffentlichen Verkehrsmittel ganz ohne den Einsatz von Dieselöl deutlich verbessern. Ohne dass man dafür teure neue Schienen verlegen müsste, ohne dass man Geld in neue Fahrleitungen stecken müsste …

Am 01. Juni 1976 wurden im Großraum Köln / Bonn die Busbetriebe der beiden bundeseigenen Verkehrsunternehmen Deutsche Bundesbahn und Deutsche Bundespost zusammengefasst zur „Regional Verkehr Köln GmbH“ (RVK). 1986 wurde die RVK Mitglied im Verkehrsverbund Rhein – Sieg (VRS). In den neunziger Jahren war man bei der bundeseigenen RVK der Meinung, der Schlüssel, wie die Einnahmen innerhalb des VRS aufzuteilen seien, benachteilige die RVK zu sehr – und so „verlor der Bund die Lust“ an seiner RVK. Deshalb verkaufte er seine RVK an die kommunalen Verkehrsbetriebe der Region: zu je 12,5 % wurden zu neuen Eigentümern der RVK die:

  • Kölner Verkehrs Betriebe AG (KVB)
  • Stadtwerke Bonn Verkehrs GmbH (SWB)
  • Elektrische Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein – Sieg Kreises (SSB) Anmerkung: da die SSB ihrerseits zu 50 % den SWB gehört, halten die SWB direkt und indirekt 18,75 % an der RVK
  • Rhein – Sieg Verkehrs Gesellschaft (RSVG), Troisdorf
  • Stadt Leverkusen und Kreis Bergisch Gladbach (gemeinsame Verkehrstochter Kraftverkehr Wupper – Sieg AG, Leverkusen)
  • Oberbergische Verkehrs AG (OVAG), Gummersbach
  • Kreis Verkehrsgesellschaft, Euskirchen (KVE)
  • Rhein – Erft Verkehrs Gesellschaft (REVG), Bergheim

Die neuen Eigentümer wie zum Beispiel Kölns KVB ließen ihre neue Tochter zum Teil einfach neben ihrem bisherigen Verkehrsbetrieb weiter wie bisher ihre eigenständigen Leistungen erbringen. Die Bonner SWB andererseits setzten ihre neue Tochter RVK sehr schnell in großem Stil als Auftragsunternehmer im eigenen Liniennetz ein (die RVK fuhr zeitweise mit 28 Wagen im Auftrag ihrer Mutter SWB), und in den Kreisen Euskirchen und Bergheim („Rhein – Erft“) wurde die RVK zum alleinigen Konzessionsinhaber der Buslinien im Kreis. Denn beide Kreise hatten keinerlei eigene Busse. In beiden Kreisen hatte die RVK das Recht, andere Busbetriebe in ihrem Auftrag die Leistungen erbringen zu lassen.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 (01. Januar 2019) änderte der Kreis Bergheim seine Strategie: Man gründete nun doch seinen eigenen Busbetrieb mit eigenen Bussen. Der neue Betrieb erhielt unter dem unveränderten Namen Rhein – Erft Verkehrs Gesellschaft (REVG) seinen Sitz (mit Betriebshof)  in der relativ zentral gelegenen Stadt Kerpen. Und was vor allem neu war: die neue REVG bekam jetzt auch eigene Busse. Keine, die die REVG gekauft hätte, wohl aber solche, die sie geleast hatte (und hat). Ein Teil dieser Wagen kam von Mercedes (Citaro), der größere Teil aber von Scania (Typ Citywide 12 LE). Neben einem großen Gelenkbus-Auftrag für die Berliner BVG (Citywide 18 LF) der größte Auftrag über Linienbusse, den Scania bislang in Deutschland  verbuchen konnte.

Scania Citywide 12 LE der REVG | © Christian Marquordt

Die Leasing-Verträge geben der REVG das Recht, erste Wagen aus diesen Verträgen zur Jahreswende 2023 / 2024 an ihre Hersteller zurückzugeben.

Und eben darauf bereitet die REVG sich jetzt vor. In einer Sitzung am 16. Februar hat der Aufsichtsrat der REVG über die Frage, welche Antriebstechnik die zukünftigen Busse der REVG haben könnten, beraten. Klar ist, dass die Neuwagen, die man dann beschaffen will, keine Dieselbusse mehr sein werden. Im Interesse des Umweltschutzes sollen ganz im Gegenteil Busse mit alternativem Antrieb in den Bestand kommen. So soll auch der Clean-Vehicles-Richtlinie der EU entsprochen werden. Und um sich hier kundig zu machen, was da die richtige Wahl sein könnte, werden jetzt Wagen verschiedener Hersteller und mit verschiedenen Antriebskonzepten getestet. Mitte des Jahres will der Kreistag des Rhein-Erft Kreises (Kreis Bergheim) sich entscheiden, mit welchem Antriebskonzept die Busse der REVG in Zukunft unterwegs sein sollen.

Den Anfang bei den Tests machte im vergangenen Sommer 2020 ein 12,9 Meter langer VDL Citea SLE-129/electric mit batterie-elektrischem Antrieb. Er absolvierte seine Dienste auf den Linien 961 und 965, die einen gemeinsamen Endpunkt an der Stadtbahn-Endstation Weiden-West in Köln haben, so dass der Wagen dort auch die Linie wechseln konnte. Zudem wurden je ein Bus mit Gasmotor und Hybridantrieb getestet. 

Mit dem Testwagen, den die REVG jetzt im Einsatz hat, hat man nicht nur den Hersteller des Busses gewechselt, sondern vor allem auch das Antriebskonzept. Denn der Wagen ist nicht nur ein Solaris, sondern vor allem ist er ein „Solaris Urbino 12 hydrogen“, also ein 12 Meter langer Wagen mit Antrieb durch Brennstoffzelle. Auch er dreht seine Runden wieder auf den Linien 961 und 965 (das ist gut für die Vergleichbarkeit mit den Testergebnissen des VDL), aber hinzu kommen auch Dienste auf Linie 979. Das ist eine Linie mit relativ langem Laufweg von Hürth nach Zülpich. Gerade weil die Region Köln / Bonn ziemlich „verstädtert“ ist, sind Erkenntnisse von einer Linie, die einen langen Abschnitt mit Überlandcharakter hat, interessant.

Solaris Wasserstoffbus | © Solaris
Innenraum des Solaris Urbino 12 hydrogen | © REVG

Im übrigen hat Nachbarbetrieb RVK seit vergangenem Sommer Wasserstoffbusse im Einsatz. Die RVK stellt ihre Erfahrungen mit diesen Wagen zur Verfügung, und sie fließen jetzt in die Bewertung des Brennstoffzellen-Busses bei der REVG mit ein.

Zum Tanken fährt der Solaris-Testwagen an die öffentliche Wasserstofftankstelle von „H 2 Mobility“ in Kerpens Nachbarstadt Frechen. Die liegt dem Betriebshof der REVG am nächsten. Und dort betankt auch die RVK einen Teil ihrer Brennstoffzellen-Busse.

Ein Aspekt übrigens ist neu für die REVG, sollte man sich für Brennstoffzellen-Busse entscheiden: Niemand bietet Wasserstoffbusse im Leasing an, die muss man kaufen …

Bis Ende 2030 will die REVG ihren Omnibuspark komplett auf emissionsfreie Busse umgestellt haben.

Technische Daten des Solaris Urbino 12 hydrogen (Dreitürer)

Niederflurbus mit Antrieb über Brennstoffzelle

Länge: 12.000 mm

Breite: 2.550 mm

Höhe (incl. der Wasserstofftanks auf dem Dach): 3.300 mm

Fahrgastkapazität:  33 Sitzplätze + 56 Stehplätze = 89 Fahrgäste

Reichweite:  rund 350 km

Brennstoffzelle: Ballard 70 kW, erwartete Lebensdauer 30.000 Arbeitsstunden, Betriebstemperatur 60 bis 80 Grad 

Batterie:  Solaris High Power (1 Batterie)

Wasserstofftanks: Typ 4 – 5 Zylinder        

Inhalt: 37,5 kg, Betriebsdruck 350 bar

aus Verbundstoff gefertigt und mit Harz imprägniert, aus Endlosfasern, mit nicht metallischer Innenbeschichtung

Betankung: nur 5 Minuten

zwei elektrische Antriebsmotoren à 125 kW, in die Antriebsachse integriert

elektrische Antriebsachse: ZF AxTrax

einziges „Auspuffprodukt“:  chemisch reines Wasser            

CO2-Klimaanlage mit Wärmepumpe, Kühlleistung 20 kW, CO2 als Kältemittel, Zufuhr Wärme und Kälte von außen, die Abwärme der Brennstoffzelle wird genutzt

zul. Gesamtgewicht: 19,2 to

© Solaris
25.02.2021

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