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ESWE Wiesbaden: Linie 30 zum Jagdschloss Platte – und die E-Bus-Strategie

Mercedes-Benz eCitaro auf Linie 30 am Jagdschloss Platte | © Christian Marquordt

Linie 30 zum Jagdschloss Platte

Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2021 starteten die ESWE Wiesbaden ihre nunmehr ständig eingerichtete Linie 30 zum Jagdschloss Platte. Das liegt am äußersten Rand Wiesbadens auf den  Taunushöhen so gerade noch auf Wiesbadener Stadtgebiet, unmittelbar grenzt die Nachbarstadt Taunusstein an. Die Umgebung um das Jagdschloss gehört zu Wiesbadens bevorzugten Naherholungsgebieten. Das Revier um „die Platte“ ist ein wohl erschlossenes Wanderrevier: etliche Wanderwege des Taunusklubs treffen hier aufeinander.

An Wochenenden bei gutem Wetter wird der Wald rund um die „Platte“ von Ausflüglern regelrecht überrannt. Wie hieß es auf der Eröffnungsfahrt von Linie 30 zum Jagdschloss: „Sie sollten mal sehen, was hier am Wochenende los ist. Die Parkplätze sind bis auf den letzten Stellplatz komplett belegt, und obwohl es verboten ist, stehen die Autos kilometerweit an den Rädern der Bundesstraße (B 417).“

Die Erwartung ist also klar: Wiesbadens Bürger mögen bitte fürderhin am Wochenende, zumal am Sonntag, nicht mit dem Auto, sondern mit Linie 30 zur „Platte“ fahren.

Linie 30 pendelt ab sofort von 8.27 Uhr (erste Abfahrt ab Hauptbahnhof) bis 17.20 Uhr (letzte Rückkehr zum Hauptbahnhof) zwischen eben dem Hauptbahnhof und dem Jagdschloss Platte. Sie wird im 60-Minuten-Takt unterwegs sein. In der Innenstadt bedient sie recht gewissenhaft so gut wie jede Haltestelle, je weiter sie nach außen kommt, desto mehr wird sie zur „Schnellbuslinie“. Ab der Haltestelle „Kesselbachstraße“ bedient sie nur noch die Haltestelle „Unter den Eichen“ am äußersten Ende der geschlossenen Wiesbadener Bebauung, und von dort geht es acht Minuten lang ohne jeden Halt über die B 417 auf die Höhen des Taunus am Jagdschloss Platte. Der Fahrplan sieht pro Richtung eine Fahrzeit von 20 Minuten vor, zusammen mit einer Wendezeit an beiden Endstationen von zusammen ebenfalls 20 Minuten ergibt sich, dass die Linie mit einem einzelnen Wagen bequem bedient werden kann.

Linie 30 verkehrt zuverlässig jeden Sonntag. Samstags ist ihr Einsatz vorgesehen für solche Tage, an denen auf den Höhen des Taunus Schnee liegt. Dann allerdings verkehrt sie wie sonntags. 

Zur Eröffnungsfahrt erwartete uns ESWE-Wagen 122. Der ist ein Mercedes-Benz eCitaro, erst wenige Wochen alt. Er hat Festkörper-Batterien, die ihm eine Reichweite von rund 250 Kilometern verleihen.

im Nebel vor dem Jagdschloss Platte: der neue eCitaro Wagen 122 (vor kurzem in Dienst gestellt) | © Christian Marquordt

ESWE Wiesbaden – ein innovativer Wagenpark

Der Fuhrpark von Wiesbadens ESWE verfügt aktuell über 290 Busse. 64 von ihnen sind rein batterie-elektrische Busse. Die ersten neun von ihnen (101 bis 109) datieren aus dem Jahr 2019. Sie sind mit Batterien einer älteren Generation bestückt (NMC = Nickel-Mangan-Cobalt) mit einer Reichweite von 150 bis 180 Kilometern. Die jüngeren (Wagen 110 bis 164) verfügen über ohne Schadstoffe produzierte Feststoff-Batterien mit einer Reichweite von rund 250 Kilometern. Die Batterie-Technik macht also sichtlich Fortschritte.

Vorgesehen sind diese Wagen vor allem für Linien, die nicht zu sehr aus der Umgebung der Innenstadt  herauskommen. Insbesondere die neun ältesten eCitaro sollten in erreichbarer Nähe des Betriebshofs bleiben …

Neben den Batteriebussen vom Typ eCitaro haben Wiesbadens ESWE seit Herbst aber auch noch zehn Wasserstoff-Brennstoffzellen-Busse des portugiesischen Herstellers Caetano vom Typ „H 2 City Gold“. Sie haben, so wurde auf der Vorführfahrt zum Jagdschloss Platte gesagt, eine Reichweite von 400 Kilometern. Toyota ist der Kooperationspartner von Caetano bei dieser Technologie.

Noch sind sie nicht im Linieneinsatz, sondern sie dienen nur zur Schulung der Fahrer. „Wir haben 700 Fahrer, es dauert etwas, bis jeder Fahrer auf den Wasserstoffbussen geschult ist.“ Die ESWE wollen die Hydrogen-Busse aufgrund ihrer Reichweite eher auf solchen Linien mit langen Laufwegen einsetzen, auf denen sie in weiter außerhalb liegende Stadtteile kommen oder sogar über die Stadtgrenzen hinaus. Im regulären Linieneinsatz sollen sie ab dem 20. Dezember laufen.

Immerhin: damit haben die ESWE schon heute 74 elektrisch betriebene Busse. Das ist beachtlich: bei einer Gesamtflotte von 290 Bussen ist damit jeder vierte Bus der ESWE ein Elektrobus: 74 x 4 = 292.

Noch laufen die Caetano/Toyota H 2 City Gold nur zur Schulung der Fahrer. „Wir haben 700 Fahrer. Bis die alle auf den Wasserstoffbussen geschult sind …“ Wagen 78 auf dem Betriebshof | © Christian Marquordt
Mercedes-Benz 519 Cdi Sprinter City 75 | © Christian Marquordt

Mercedes-Benz Sprinter City 75

Da der Verfasser bis zur Eröffnung von Linie 30 am Betriebshof der ESWE auf und ab spazierte, fielen ihm Minibusse vom Typ Mercedes-Benz Sprinter City 75 auf. „Was macht Ihr denn mit denen?“ Die Antwort: „Die genannten Sprinter-Minibusse werden entweder im Nachtverkehr als „Nightliner“ eingesetzt oder auch als Anruf-Sammeltaxi (AST) – vornehmlich in den östlichen Wiesbadener Vororten.“

Wiesbaden fährt elektrisch

Wiesbaden fährt – mit gutem Erfolg – elektrisch. Und das ganz ohne jede Straßenbahn …  

Kurios: Wagen 8, ein Citaro LE von 2013, ist umlackiert worden auf einen viel älteren Look der ESWE-Busse | © Christian Marquordt
03.01.2022
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